Poker in Stuttgart Im Rausch des Glücksspiels

Von D 

In der Stuttgarter Spielbank läuft die Vorrunde der Landesmeisterschaft im Pokern. Das Preisgeld kann sich in Baden-Baden durchaus sehen lassen. Auch eine Frau versucht ihr Glück.

Marivec Benker-Imdahl liebt das Pokerspiel im Stuttgarter Casino. Foto: Lichtgut/Jan Potente
Marivec Benker-Imdahl liebt das Pokerspiel im Stuttgarter Casino. Foto: Lichtgut/Jan Potente

Stuttgart - ie Treppe zum Glück führt steil nach unten und ist mit rotem Samtteppich bedeckt. An runden Spieltischen, bewacht und betreut von Croupiers in Hemd und Fliege, kann hier, in der Stuttgarter Spielbank, jeder sein Glück im klassischen Spiel versuchen – und das legal und ohne allzu hohes Risiko. Das Angebot reicht von Roulette über Black Jack bis zu Poker, gespielt wird um echtes Geld, das vorher allerdings in die Währung des Casinos – Jetons – umgetauscht werden muss.

An diesem Abend aber geht es den 40 Spielern, die sich stumm auf genau vier Tische im hinteren Teil des Casinos verteilt haben, um mehr als Geld: Sie wollen sich im populären Kartenspiel Poker messen und dabei eines der begehrten Tickets zur Baden-Württembergischen Pokermeisterschaft gewinnen, die vom 3. bis zum 5. November in Baden-Baden stattfindet.

Pokern für Amateure und Profis

Rund 5,5 Millionen Gäste hat es im Jahr 2016 laut dem deutschen Spielbankenverband in die staatlich genehmigten Casinos gezogen, in Stuttgart waren es rund 30 000 Besucher. Damit führt die Stuttgarter Spielbank mit einem jährlichen Umsatz von 37 Millionen Euro mit Berliner Spielbanken die Spitze der Casinos in Deutschland an. Trotz zahlreicher illegaler Online-Anbieter ist es dem Markt gelungen, zu wachsen. „Das Wachstum zeigt die hohe Akzeptanz des legalen Glücksspiels“, schreibt der deutsche Spielbankenverband, räumt aber auch ein: Beim exorbitanten Umsatz der illegalen Anbieter könne man trotzdem nicht mithalten.

Wer sich im Stuttgarter Casino an den realen Pokertisch traut, der spielt nicht nur gegen Profis und erfahrene Spieler: „Solche Turniere sind auch für Amateure geeignet. Der Einsatz von 50 Euro ist relativ gering, das Risiko bleibt klein. So kann sich jeder einmal ausprobieren“, erläutert Patrik Maier, Direktor für Klassisches Spiel in Stuttgart. In den Runden ist sprechen verboten, einige tragen Kopfhörer, um jeglichen Kontakt oder jede Ablenkung zu vermeiden. Einzig der Croupier stellt kurze Fragen, ermittelt die Einsätze und klopft nach jedem „Check“, einmal kurz vor dem Spieler, der mitgezogen ist, auf den Tisch.Die Mienen der Männer sind angespannt, manche tragen Sonnenbrille, viele spielen nervös mit ihren Jetons.

Allein unter Männern – ohne Pokerface

Gespielt wird die international beliebteste Variante, das Texas Hold’em Poker ohne Limit und nach dem Freeze-Out-System. Das heißt, es wird solange gespielt, bis nur noch ein Spieler übrig bleibt. Jeder erhält zu Beginn die gleiche Anzahl an Jetons. Wen das Glück vorzeitig verlässt, der kann sich mit einem sogenannten Re-Buy, einem einmaligen Neuzahlen der Startgebühr, zurück ins Spiel einkaufen und für 100 Euro weitere Jetons kaufen. Diese Gelegenheit nutzen an diesem Abend viele Spieler, von denen jeweils zehn an einem Tisch sitzen. Betont lässig werfen sie Geldscheine auf die Tischmitte, die vom Croupier blitzschnell in Jetons umgetauscht werden. Zwischen all dem männlichen Geprotze fällt gerade deshalb eine Dame ins Auge: Immer wieder lacht sie laut auf, wirft ihr langes glattes Haar nach hinten und scherzt trotz Redeverbot mit ihren Mitspielern. „Ich bluffe nie, deshalb sind mir die Männer nie böse“, erklärt Marivec Benker- Imdahl, die von anderen Stammgästen nur MBI genannt wird. Die gebürtige Filipina spielt seit sechs Jahren Poker und war selbst schon bei einer Pokermeisterschaft dabei. Für die diesjährige Landesmeisterschaft rechnet sich die 46-Jährige aus Böblingen gute Chancen aus: ihr Blatt sei ziemlich gut, verrät sie mit einem Augenzwinkern.

Für das Finale in Baden-Baden sind 200 Spieler zugelassen. Die Hälfte zieht über gewonnene Tickets aus den 16 Vorrunden ein. Der Rest erkauft sich für 1000 Euro die Teilnahme. „Das ist auch für Profis interessant“, sagt Croupier „Horst Decker“, der seit 20 Jahren in der Spielbank arbeitet und seinen echten Namen nicht nennen will.

Wenig Einsatz, hoher Gewinn

Das Preisgeld von rund 240 000 Euro, das unter den Siegern prozentual aufgeteilt wird, locke auch Spieler aus dem Ausland an, die sich bei den Vorrunden für wenig Geld qualifizieren und auf den großen Gewinn hoffen. Der 43-jährige Croupier überwacht an diesem Abend die Pokertische und sorgt für Ordnung, falls Streit zwischen den hauptsächlich männlichen Spielern ausbricht.

Wie man sich zwischen so viel Männlichkeit als Frau behaupten kann, weiß Marivec Benker-Imdahl: Mit Spaß am Spiel und ohne Pokerface. Als ehemalige Schachspielerin beobachtet die Filipina ihre Mitspieler ganz genau und ist damit ihren Gegnern oft einen Schritt voraus. Aber welche Taktik führt denn nun zum sicheren Sieg? Der Tipp des erfahrenen Croupiers: „Es braucht Geduld und Gelassenheit. Am Ende ist es nämlich einfach nur Glück.“