Polit-Aktion für Flüchtlinge Rettungsinsel für Flüchtlinge

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Das „Zentrum für Politische Schönheit“ ist in der Vergangenheit durch provokante Polit-Aktionen aufgefallen. Nun haben die Berliner ein neues Projekt: Sie wollen Rettungsplattformen für Flüchtlinge im Mittelmeer verankern.

„Aylan 1“ soll Flüchtlingen in Seenot Zuflucht bieten. Foto: Jaussi
„Aylan 1“ soll Flüchtlingen in Seenot Zuflucht bieten. Foto: Jaussi

Stuttgart - Sie ist sechs Quadratmeter groß, und mit Peilsender, Notrufgerät und Rettungsringen ausgestattet: Die Aktionskünstler vom „Zentrum für politische Schönheit“ haben nach eigenen Angaben am Sonntag eine Rettungsinsel für Flüchtlinge im Mittelmeer zwischen der Küste Italiens und Tunesien verankert. Sie soll den Namen „Aylan 1“ tragen – in Erinnerung an den kurdischen Jungen, der Anfang September auf der Flucht über das Mittelmeer ertrunken war.

Nach dem Willen der Aktionskünstler soll „Aylan 1“ nur die erste von 1000 Rettungsplattformen im Mittelmeer sein. „Das war ein Test. Wir wollen zunächst einmal prüfen, ob die Verankerung hält“, erklärte der Projektleiter Philipp Ruch.

Das Zentrum für politische Schönheit machte bereits in der Vergangenheit durch provokante Aktionen auf sich aufmerksam – zuletzt überführten die Aktionskünstler die Leichen zweier im Mittelmeer ertrunkener Flüchtlinge nach Berlin und ließen sie dort öffentlich beerdigen. Parallel legten sie ein symbolisches Gräberfeld vor dem Kanzleramt an.

Ziel ist eine Brücke zwischen Afrika und Italien

Die Künstlergruppe, die sich gegen „politische Teilnahmslosigkeit“ wendet, zieht dabei bewusst keine klare Trennlinie zwischen Utopie und Realität. So sei der eigentliche Plan, eine Brücke zwischen Tunesien und Sizilien zu bauen, die den Flüchtlingen den gefährlichen Weg über das Mittelmeer erleichtert. Initiator des „architektonischen Jahrhundertwerks für die Humanität“ sei der Staat Österreich, wie die Gruppe in einer fiktiven Pressemitteilung erklärte. Doch da „die Menschheit nicht bis zur Fertigstellung der Brücke warten kann“, habe man sich zur Installation der Rettungsinseln entschlossen.

Von ihrem praktischen Nutzen abgesehen, soll die Plattform nach Wunsch der Gruppe „einen Denkanstoß geben“, sagt Projektleiter Ruch. „Technisch hochentwickelte Gesellschaften wie Deutschland oder Österreich müssen doch eine Lösung für das tägliche Sterben im Mittelmeer finden.“ Die Installation von „Aylan 1“ hat nach seinen Angaben zwischen 40 000 und 50 000 Euro gekostet.