Politiker bei Twitter Tote Hose statt Zwitscher-Zwitscher

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Was in der Bundespolitik üblich ist, bleibt in der Landes- und Kommunalpolitik die Ausnahme: eine aktive Nutzung von Twitter. Nur ein Bruchteil der Politiker nutzt den Kommunikationskanal, wie unsere Aufstellung zeigt. Wir verraten auch, wer der einzige twitternde CDU-Abgeordnete ist.

Landwirtschaftsminister Alexander Bonde kann nicht nur naturnah: Er ist bei Twitter aktiv – und damit Teil einer Minderheit in der Landespolitik. Foto: dpa 35 Bilder
Landwirtschaftsminister Alexander Bonde kann nicht nur naturnah: Er ist bei Twitter aktiv – und damit Teil einer Minderheit in der Landespolitik.Foto: dpa

Stuttgart - Twitter ist aktuell das Lieblings-Onlinenetzwerk von Medienleuten, Promis und politisch Interessierten. Und noch von einigen mehr. In der baden-württembergischen Politikszene ist der Dienst aber bisher nur zögerlich angekommen, wie eine Aufstellung der bei Twitter aktiven Kommunal-, Landes- sowie der für die Region Stuttgart tätigen Bundestagsabgeordneten zeigt.

Nur jeder dritte Bundestagsabgeordnete aus der Region ist bei Twitter. Noch geringer ist die Aktivität unter den Landtagsabgeordneten: 20 der 138 Abgeordneten haben ein mehr oder weniger regelmäßig genutztes Twitter-Profil; das ist im Schnitt jeder Siebte. Außer Hannes Rockenbauch äußert sich kein einziger Stadtrat auf Twitter, Fritz Kuhn ist hingegen recht aktiv – übrigens auch auf Facebook.

Der einzige twitternde CDU-Abgeordnete

Es gibt unterschiedliche Gründe, warum Politiker in der Stadt, im Land- und im Bundestag den Kanal nicht nutzen. Manch einer konzentriert sich bei seinen Social-Media-Aktivitäten auf Facebook, weil dort in der Summe mehr Bürger zu finden sind. Andere vertrauen auf klassische Kommunikation via Pressemitteilung oder eigener Website. Wieder andere fühlen sich mit dem Einsatz von Social Media einfach nicht wohl und verzichten lieber darauf, als in Fettnäpfchen zu tappen.

Felix Schreiner (Wahlkreis Waldshut) ist der einzige CDU-Landtagsabgeordnete bei Twitter; daneben betreibt noch die Landespartei ein Profil. „Seine Online-Community zu pflegen, ist schon sehr zeitintensiv. Da hat der eine oder andere das Gefühl, dass das nichts bringt“, sagt Schreiner. Das hänge mit der Struktur des Wahlkreises und den Themen zusammen, auf die sich ein Abgeordneter spezialisiert. Schreiners Wahlkreis Waldshut sei stark ländlich geprägt, führt der Abgeordnete an. Will heißen: Social Media sind dort weniger verbreitet als in Städten.

„Dann werden die Smartphones gezückt“

Warum nutzt er dann Twitter? „Weil das vor allem für jüngere Wähler interessant ist“, erzählt Schreiner. Wenn er im Landtag Schülergruppen am Ende eines Besuchs auf sein Twitter-Profil hinweise, „dann werden die Smartphones gezückt“, berichtet der 27 Jahre alte Abgeordnete. Es gehe bei Twitter wie bei anderen Social-Media-Kanälen höchstens mittelbar darum, wiedergewählt zu werden. „Sondern man will etwas vermitteln. Und das geht bei vielen Zielgruppen am besten über solche Kanäle. Um junge Bürger zu erreichen, ist das die Zukunft“, ist Schreiner überzeugt.

Auf Bundesebene ist Twitter zumindest für die Kommunikation mit Journalisten spätestens seit der Episode um Steffen Seibert ein Muss: Damals wies der Regierungssprecher zuerst über Twitter auf eine USA-Reise von Angela Merkel hin.

Anfangs war der Aufschrei unter den beleidigten Hauptstadtjournalisten groß. Heute haben viele Korrespondenten und auch Bundestagsabgeordneten einen Account, darunter sechs aus der Region Stuttgart.