Sindelfingen - Es ist nichts mehr von dem tragischen Verkehrsunfall zu sehen, der sich auf der Bundesstraße 464 am 25. Januar ereignet hat, und bei dem zwei Autofahrerinnen tödlich verunglückt sind. Kein Kreuz, keine Kerzen. „Die Familien wollen das wohl nicht“, meint Wolfgang Späth aus Renningen, der mit der 30 Jahre alten Unfallverursacherin in einer Firma gearbeitet hat. Der Schock sitze tief. Die 30-Jährige hatte überholen wollen und war frontal auf das Auto einer 43-jährigen Frau aus Renningen geprallt.
Polizei reagiert binnen einer Woche
„Meine Kollegin hat wahrscheinlich gedacht, dass die Strecke zweispurig in ihre Richtung führt“, sagt Späth. Der 60-Jährige schrieb der Polizei einen Brief, weil ihm der Unfall nicht aus dem Kopf ging – das Antwortschreiben hatte er am Donnerstag im Briefkasten. Es werde ein Warnschild aufgestellt: „Achtung Gegenverkehr.“
Der schreckliche Unfall ereignete sich nach der Bundesstraßeneinfahrt Sindelfingen-West in Richtung Renningen. „Der Beschleunigungsstreifen ist länger als bei den meisten Autobahnen“, sagt Späth. „Wer eine solche Einfahrt das erste Mal nimmt, muss den Eindruck gewinnen, dass er auf eine mehrspurige Streckenführung stößt“, meint Späth. Aber genau an dieser Stelle steht auf der neuen Bundesstraße 464 lediglich jeweils eine Spur in jede Richtung zur Verfügung.
Möglicherweise kommt ein Überholverbot
Die Polizei hält dagegen, dass die 30-Jährige Renningerin an jenem Mittwochabend um 19.17 Uhr in der lang gezogenen Linkskurve in Richtung Renningen zum Überholen angesetzt habe, obwohl sie habe sehen müssen, dass ihr ein Auto entgegen gekommen sei. „Wir wissen nicht, weshalb sie den Überholvorgang nicht abgebrochen hat“, sagt der Böblinger Polizeisprecher Frank Natterer. Die Ermittlungen laufen noch. Ein Gutachter soll prüfen, wie schnell die beiden Autos gefahren sind.
„Der Unfall legt die Vermutung nahe, dass die Verursacherin leichtfertig und risikobereit gefahren ist“, sagt Späth. Das aber halte er für ausgeschlossen. Nicht nur, weil er seine ehemalige Kollegin gut gekannt habe, sondern auch, weil er diesen Streckenabschnitt für problematisch halte. „In dem Linksbogen sind die Leitplanken auf der linken Fahrbahnseite relativ hoch, wodurch bei Dunkelheit ein entgegen kommendes Auto nur schwer erkennbar ist“, erklärt Späth. „Wir werden der Sache nachgehen“, versichert Natterer. Er hält es für angemessen, dass dort Tempo hundert erlaubt ist. „Ein gewisses fahrerisches Können müssen wir voraussetzen können“, fügt der Polizeisprecher hinzu.
An ein Überholverbot sei bisher nicht gedacht worden. Auch das werde man aber überprüfen, versichert Natterer. „Wir werden die Strecke unter die Lupe nehmen“ und prüfen, ob sie zum waghalsigen Überholen oder etwa auch zum Rasen verleite.
Ein ähnlicher Unfall ereignete sich im vergangenen Jahr
Seit der Einweihung des Streckenabschnitts der neuen B 464 im Juli 2010 seien insgesamt sechs Unfälle zwischen der Anschlussstelle Sindelfingen-West und Maichingen-Süd passiert. Ein ähnlicher Unfall wie jüngst hatte sich am 7. September letzten Jahres um 17.30 Uhr ereignet, als ein 18-jähriger Fahrer in der Linkskurve ebenfalls überholen wollte, den entgegen kommenden Wagen eines 67-Jährigen streifte und sich nach der anschließenden Kollision mit einem Lastwagen einen Knöchelbruch zuzog. Zu der traurigen Unfallbilanz mit den tödlich verunglückten Autofahrerinnen, für die an der Unfallstelle jede Hilfe zu spät kam, kommen noch eine schwer verletzte Person und eine Leichtverletzte. Als Unfallschwerpunkt gelte die Stelle bisher trotzdem nicht, sagt Natterer. Dafür müssten fünf gleichartige Unfälle in einem Jahr passieren oder fünf solcher Unfälle mit Verletzten binnen drei Jahren.

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Erneuter Unfall auf der B 464
Die Überlegungen dazu, die Straße sicherer zu machen, müssen mit Hochdruck vorangetrieben werden. Meine Frau und ich hatten gerade folgendes Erlebnis, bei dem es fast zu einer weiteren Frontalkollision gekommen wäre: Vor uns scherte ein Geländewagen an der Auffahrt Böblingen, Höhe Tierheim, auf die B 464 ein und fuhr unmittelbar über die doppelt durchgezogene Linie auf die Gegenfahrbahn in Richtung Holzgerlingen. Erst nachdem ich mehrfach Hupe und Lichthupe betätigt hatte, lenkte der Fahrer das Fahrzeug wieder auf die einspurige Strassenseite zurück und bedankte sich artig.
Überholen auf der neuen B464????
Natterer: „Wir werden die Strecke unter die Lupe nehmen“ und prüfen, ob sie zum waghalsigen Überholen oder etwa auch zum Rasen verleite. Herr Natterer, sind Sie die Strecke schon mal gefahren? Komplett 2 spurig, kurvig mit hohen Leitplanken und gigantischen Lärmschutzwällen. Man sieht kaum mal 100m geradeaus! Zu Berufsverkehrszeiten kommen bereits so viele Autos auf dem neuen Stück dass ein gefahrloses Überholen praktisch unmöglich ist. De facto muss man hinter einem 65km/h Kriecher hinterherzuckeln.
Unfälle
Die meisten Unfälle, wie auch der Unfall mit den zwei Toten, hätten in diesem Bereich schlicht und einfach verhindert werden können, indem die B464 durchgängig bis Renningen vierspurig gebaut worden wäre. Aber bei dem halbherzigen Straßenbau, der hier praktiziert wird, hatte solch ein Projekt keine Chance. Mittelbar Schuld am Tod dieser Menschen haben die Gegener des vierspurigen Ausbaus!