Polizeieinsatz am Marienplatz Schlagstöcke und Pfefferspray bei Mai-Demonstration

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Weil linke Demonstranten Pyrotechnik gezündet und sich mit Transparenten verhüllt haben, hat die Polizei dem Zug den Weg versperrt. Nahe des Marienplatzes kam es zum Einsatz von Schlagstöcken und Pfefferspray.

Bei einer so genannten „Revolutionären 1.-Mai-Demo“ kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten. Foto: dpa
Bei einer so genannten „Revolutionären 1.-Mai-Demo“ kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten. Foto: dpa

Stuttgart - Seit dem „Schwarzen Donnerstag“ werden viele Stuttgarter hellhörig, wenn die Begriffe Demonstration, Polizeieinsatz und Schlagstöcke fallen. Dennoch ist der Vorfall vom Mittwoch bei weitem nicht so brisant wie der am 30. September 2010, als Wasserwerfer gegen Stuttgart-21-Gegner eingesetzt worden waren und es zahlreiche Verletzte gab.

Unabhängig von der 1.-Mai-Demonstration des Deutschen-Gewerkschaftsbunds (DGB), fand am Mittwoch eine sogenannte „Revolutionäre 1.-Mai-Demonstration“ statt, die vom Schlossplatz über den Marien- bis zum Erwin-Schöttle-Platz geführt hat. Als die Teilnehmer kurz nach 13 Uhr auf der Hohenstaufenstraße in Richtung Marienplatz gingen, kam es zu einem zehnminütigen Polizeieinsatz. Wie auf Fotos zu sehen ist, wurde aus der Menge heraus Pyrotechnik gezündet. Zudem hatten sich einige Teilnehmer an der Spitze des Demonstrationszugs mit Transparenten verhüllt (auch das ist auf Fotos zu sehen). „Daraufhin wurde ein Anti-Konflikt-Team reingeschickt“, sagte ein Polizeisprecher.Um den Zug anzuhalten, haben Polizisten das Ende der Hohenstaufenstraße (kurz vor dem Marienplatz) zugestellt. „Demonstrationsteilnehmer haben Beamte getreten und mit Fahnenstangen angegriffen“, so der Polizeisprecher. Daraufhin sei es zu einem kurzen Einsatz von Schlagstöcken und Pfefferspray gekommen. Dabei erlitt eine Frau eine Platzwunde an der Stirn. Dass mit dem Schlagstock an den Kopf gehauen wird, sei „nicht üblich“, sagt der Polizeisprecher, „das ist in der Hektik passiert.“ Es sei auch nicht auszuschließen, dass die Frau durch einen Sturz verletzt worden ist. Auf Fotos ist mindestens ein weiterer verletzter Mann zu sehen. Ein ­Polizist habe zudem leichte Verletzungen an der Hand erlitten, so der Sprecher. Die von den Organisatoren gestellten Demo-Sanitäter, die den Zug begleitet haben, sprechen von 20 Verletzten.

Anzeige gegen den Versammlungsleiter

Laut Polizei wurde die Sperre nach sechs Minuten aufgehoben. Die Demonstranten seien weiter in Richtung Erwin-Schöttle-Platz gezogen. Drei vorläufig festgenommene Personen hätten kurze Zeit später wieder an der Demonstration teilgenommen. Der Versammlungsleiter werde angezeigt, weil er gegen die Auflagen verstoßen habe.

Aus der Perspektive der Demonstranten hat sich der Einsatz anders zugetragen. Traditionell gibt es schon bei der Einschätzung der Teilnehmerzahl unterschiedliche Angaben: Die Veranstalter sprechen von rund 700 Teilnehmern, die Polizei schätzt, dass es 250 waren. In einem Bericht, auf den die Veranstalter der „Revolutionären 1.-Mai-Demonstration“ im Internet verweisen, heißt es zu der Auseinandersetzung mit der Polizei: „Während der Demonstration gab es einen Angriff der Polizei, die erfolglos versuchte, Transparente zu beschlagnahmen, und die Demo kurze Zeit aufhielt. Bei den Auseinandersetzungen, bei der die Polizei Pfefferspray und Schlagstöcke einsetzte, wurden mehrere Demo-Teilnehmer verletzt.“

„Ein Polizist schlägt unvermittelt zu“

In einem Bericht der Stuttgart-21-Parkschützer „Bei Abriss Aufstand“ handelt der Großteil des Textes von dem Einsatz nahe des Marienplatzes. Darin wird eine Augenzeugin folgendermaßen zitiert: „Dann habe ich gesehen, wie ein Polizist unvermittelt mit seinem Schlagstock ausholt und den Anmelder der Demo in den Bauch schlägt.“