Backnang Schwerbewaffneter Polizeieinsatz in der Kritik

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Mit Maschinenpistolen im Anschlag haben Polizisten bei einer Fahndung einen Minderjährigen kontrolliert. Seine Mutter erwägt rechtliche Schritte – ein Sprecher verteidigt das Vorgehen.

Das Foto zeigt die Situation nach der Kontrolle: Der Junge steht wieder auf den Beinen. Foto: privat
Das Foto zeigt die Situation nach der Kontrolle: Der Junge steht wieder auf den Beinen. Foto: privat

Backnang - Backnang, am vergangenen Samstagnachmittag. Zwei Jugendfußballmannschaften wärmen sich am Karl-Euerle-Stadion auf, auch die Football-Mannschaft „Wolverines“ hat ein Spiel. Ein paar Jugendliche sitzen auf einer Bank am Spielfeldrand, um zuzusehen. Dann – so schildern es später Zeugen – spielen sich dramatische Szenen ab. Sechs Polizisten, alle in schwarzer Uniform und mit Schutzwesten, Helmen und Maschinenpistolen ausgestattet, stürmen über den Sportplatz heran, direkt auf die jugendlichen Zuschauer zu. Zumindest als sie auf die Jungen zurennen, richten sie ihre Waffen auf einen von ihnen, einen 13-Jährigen.

Seine Freunde sollen angeschrien worden sein, sich sofort zu entfernen. Der 13-Jährige habe sich laut den Zeugen erst mit erhobenen Händen auf den Boden knien, dann hinlegen müssen. Er wurde auf dem Boden fixiert und kontrolliert, danach ließen ihn die Beamten wieder ziehen.

Mutter: „Mein Sohn hat am ganzen Leib gezittert“

Die Mutter des 13-Jährigen erhebt nun Vorwürfe gegen die Polizei. „Mit Gewehren auf ein Kind zu zielen ist einfach zu viel“, sagt sie. Der Junge habe am ganzen Leib gezittert „und hat jetzt Angst, nach draußen zu gehen.“ Die Beamten hätten die Situation auch erst beobachten können, statt direkt auf den 13-Jährigen loszustürmen. Sie selbst war bei dem Vorfall nicht dabei, sondern hat unmittelbar danach von ihren Kindern davon erfahren – außerdem existiert Bildmaterial von der Aktion.

Lesen Sie hier den Kommentar unseres Redakteurs zum Thema.

Das Pech des Jugendlichen: Er trug eine schwarze Jacke und einen Pullover mit heller Kapuze. Genau wie ein Mann, der kurz zuvor beim Gymnasium in der Taus mit einer Pistole hantiert haben soll. Diese Beobachtung eines Zeugen hatte erst zu dem Polizeieinsatz geführt.

3 Kommentare Kommentar schreiben

Glauben Sie wirklich: "Wir müssen mal miteinander reden"; das dies die Lösung ist ?

Auf den Reflex, jeden Appell... : ....an den gesunden Menschenverstand ins Lächerliche ziehen zu wollen, ist Verlass. Haben Sie auch Sachargumente? Nichts ist ärgerlicher als die schwammige Hoheitswissen suggerierende Emotionalität, die mit dem Gestus der "Sorge" daherkommt. A´la de Mazaire: "...wenn Sie wüssten, was ich weiß, wären Sie aber sowas von verunsichert, dass ich Ihnen das nicht zumuten kann"....

Inkompetent und alarmistisch! : Es ist unfassbar, mit welcher sozialen Inkompetenz die Polizei mittlerweile vorgeht. Hier wird ein Kind traumatisch geschädigt - und als "Rechtfertigung" murmelt man dann hinterher irgendwas von "Bedrohungen" und "Täterbeschreibung", nie ohne Hinweis auf singuläre Großereignisse wie Winnenden. Egal wie diffus und unbegründet, man müsse schließlich "immer mit dem Schlimmsten rechnen". Dafür reicht ein anonymer Scherzanruf oder eine anonyme Mail. Wegen dieses Klimas werden auch Menschen erschossen, wie vor kurzem der Reha-Patient in Freiburg: irgendeiner braucht nur was von "Messer" faseln und schon aktivieren sich bei Polizisten offenkundig Ängste und Stigmata, die sie nur noch mit Geschrei und gezogener Waffe glauben bewältigen zu können. Und wehe, einer zuckt....die Politik ist hier gefragt. Dieser sinnfreie Alarmismus und Aktionismus muss endlich durch soziale Kompetenz und Besonnenheit ersetzt werden, bevor die Polizei selbst zur Bedrohung wird. M.Deeg Polizeibeamter a.D.

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