Polizeisiedlung in Stuttgart-Kaltental Anwohner wollen sichere Barriere zu Gleisen

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Die Bewohner der Polizeisiedlung in Stuttgart-Kaltental fürchten, im nächsten Doppelhaushalt 2017/18 wieder nicht bedacht zu werden. Sie fordern seit Jahren Verbesserungen der Verkehrssituation – zur Sicherheit ihrer Kinder.

Die Anwohner wollen eine ordentliche Abschrankung zu den Gleisen. Teilweise –  wie an dieser Stelle –  fehlt es gänzlich an einer Barriere. Foto: Sandra  Hintermayr
Die Anwohner wollen eine ordentliche Abschrankung zu den Gleisen. Teilweise – wie an dieser Stelle – fehlt es gänzlich an einer Barriere. Foto: Sandra Hintermayr

Kaltental - Der kleine Leon hat die weiße Stange, die den schmalen Weg von den Gleisen trennt, gar nicht im Blickfeld. Ungestreift würde er unten durch passen. „Die kleinen Kinder müssen sich nicht einmal bücken, um durchzuschlüpfen“, sagt Vera Marquez. An manchen Stellen fehlen selbst diese Abtrennungen zum Gleisbereich. Zusammen mit anderen Bewohnern der Polizeisiedlung fordert Marquez eine ordentliche Abschrankung zu den Schienen. „Unsere Priorität ist die Sicherheit unserer Kinder“, sagt die junge Mutter. Wegen der schmalen Zufahrt zu den Wohnhäusern allerdings ist der Platz für eine stabile Barriere gering. Beim Einparken auf ihren Grundstücken müssen die Autofahrer teils mit der Motorhaube in den Gleisbereich vorfahren, um genug Platz zum Rangieren zu haben. Die Lösung, so die Polizeisiedler, wäre eine Verlegung der Gleise in Richtung Böblinger Straße. „Ein halber Meter würde vermutlich schon genug Platz schaffen, um eine Abschrankung einzurichten“, sagt Dagmar Marquez.

Zustimmung signalisiert, aber bislang nicht gehandelt

Seit mehr als 30 Jahren versuchen die Siedler, mit ihren Anliegen bei der Verwaltung Gehör zu finden. Bislang allerdings ohne Erfolg. Die Situation zwischen Kaltental und Südheim hat sich über die Jahre allerdings stark verändert. „Wir haben einen Generationenwechsel: Fast 20 Kinder leben inzwischen hier“, sagt Jörg Weber. „Muss erst etwas passieren, damit gehandelt wird?“, fragt Anette Reiber. „Wir wollen uns nicht bereichern. Es geht uns nicht darum, mehr Platz zum Parken zu schaffen. Es geht um das Wohl unserer Kinder“, erklärt Dagmar Marquez den Wunsch nach einer stabilen Barriere zu den Schienen. „Wenn sich das auch umsetzen lässt, ohne die Gleise zu verlegen, wäre das auch in Ordnung“, ergänzt Weber.

Die Stadt habe bereits ihre Zustimmung signalisiert, berichten die Anwohner. „Von allen Seiten bekommen wir Verständnis für unser Anliegen, von allen Seiten wird uns Hoffnung gemacht, aber bislang ist nichts geschehen“, sagt Vera Marquez. Die Anwohner wünschen sich, dass sich die Verantwortlichen die Situation vor Ort anschauen, das Gespräch mit ihnen suchen.

Anwohner fürchten, erneut durchs Raster zu fallen

Die Siedler haben die Sorge, dass sie beim nächsten Doppelhaushalt 2018/19 wieder einmal hinten runter fallen. „Jetzt, wo die Haushaltsplanungen anstehen, wollen wir unsere Anliegen noch einmal ins Gedächtnis rufen“, sagt Anette Reiber. Aus diesem Grund wollen die Bewohner der Polizeisiedlung den Stadträten vor der Gemeinderatssitzung am Donnerstag, 19. Oktober, Infoflyer und Schokoriegel mitgeben. Mit Schokolade hatten die Siedler bereits im vergangenen Jahr Erfolg: In den Stadtbahnen zwischen Heslach Vogelrain und Kaltental hatten sie an die Fahrer und Fahrgäste Kinderschokolade ausgeteilt. Ein Banner mit dem Spruch „Danke fürs Langsamfahren“ richtete sich an die Stadtbahnfahrer und rief sie zum Bremsen im Bereich der Polizeisiedlung auf. „Viele tun wirklich langsam, wenn sie bei uns vorbeifahren, gerade dann, wenn wir mit den Kindern draußen sind“, beobachtet Vera Marquez. Ein Umstand, für den nicht nur die Eltern in der Siedlung dankbar sind – vor allem, so lange es keine stabile Abschrankung zu den Gleisen gibt.

Polizeisiedlung ist Teil des Sanierungsgebiets Kaltental

Einen Hoffnungsschimmer allerdings gibt es: Kaltental soll Sanierungsgebiet werden. Das heißt, dass für bauliche Maßnahmen Geld zur Verfügung gestellt wird, unter Umständen also auch für eine Verlegung der Schienen. Denn das Sanierungsgebiet umfasst auch die Polizeisiedlung.

Die Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) wollte die Gleise bereits 2016 sanieren. Wegen der Aufnahme in das Sanierungsgebiet wurde das allerdings aufgeschoben. „Aber die SSB wird nicht ewig warten. Wenn die Gleise saniert werden, werden Tatsachen auf Jahre geschaffen. Eine Verlegung der Gleise ist dann schwer durchsetzbar“, befürchtet Weber.

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