Porträt von Helen Schneider „Ich gehöre zu keiner Welt“

Adrienne Braun, 27.01.2012 14:49 Uhr

Stuttgart - Sobald ihr Name fällt, kommt immer dieselbe Reaktion: „Helen Schneider? DIE Helen Schneider?“ Genau, die Helen Schneider, die mit „Rock ’n’ Roll Gypsy“ und „Shadows of the Night“ ganz große Hits der achtziger Jahre landete. Das New Yorker Mädchen mit der schwarzen Lockenmähne, das Alfred Biolek in Deutschland bekannt machte. Helen Schneider ist derzeit in Stuttgart zu Besuch. Sie probt mit der Regisseurin Eva Hosemann „Verwandlungen“, ein Musikprojekt mit Texten von Anne Sexton. Am Samstag ist Premiere in der Rampe .

Helen Schneider und Hosemann haben sich über den Stuttgarter Musiker Mini Schulz kennengelernt, der auch in „Verwandlungen“ mit dabei ist. „Ich arbeite seit vielen Jahren mit Mini zusammen“, erzählt Schneider – in bestem Deutsch. Das wurde ihr keineswegs in die Wiege gelegt. Der Name verrät zwar, dass sie deutsche Wurzeln hat, aber sie ist „die vierte Generation einer New Yorker Familie“. Vor fünf Jahren ist Helen Schneider nach Berlin gezogen. „Das hätte ich schon viel früher tun sollen“, sagt sie, „ich fühle mich hier heimisch“. Berlin erinnere sie an New York, meint Schneider, „und gleichzeitig ist es überhaupt nicht wie New York“.

Tour mit Udo Lindenberg

Eigentlich ist es nur konsequent, dass Helen Schneider inzwischen hier lebt. Deutschland hat schon immer eine Rolle für sie gespielt. 1980 machte sie eine Tournee mit Udo Lindenberg. Sie war die erste westliche Künstlerin, die im Palast der Republik in Ost-Berlin auftreten durfte. Aber sie wollte nicht einfach nur singen und nahm auf dem Höhepunkt ihrer Karriere als Sängerin lieber Schauspielunterricht.

Prompt kam ein Angebot aus Berlin – unter der Bedingung, dass sie Deutsch lernt. Also belegt Schneider an der Berlitz School einen Intensivkurs. „Das empfehle ich nicht mal meinem schlimmsten Feind.“ Doch die Mühen haben sich gelohnt. Im Theater des Westens in Berlin tritt sie in „Cabaret“ auf und spielt an der Seite von Hildegard Knef.

„Musikalisches Theater“

In den vergangenen Jahren hat Schneider viel „musikalisches Theater“ gemacht. Sie war am Broadway und wurde für die Rolle der Frida Kahlo als beste Musicaldarstellerin ausgezeichnet, sie hat ein Kinderbuch geschrieben und 2007 eine neue CD herausgebracht – „Like a Woman“. „Ich gehöre zu keiner Welt“, sagt Helen Schneider, „I belong to nobody.“ Genregrenzen scheren sie nicht. Eine Arbeit nimmt sie nur an, wenn sie eine Herausforderung darstellt. „Sie muss mich in die Lage bringen, etwas zu lernen“, sagt Schneider. Sie bezeichnet sich als „hard working girl“ – und man kann sich gut vorstellen, dass die zarte, freundliche Frau sehr diszipliniert sein kann.