Porträt von Luke Mockridge Wie Peter Frankenfeld auf Speed

Von Antje Hildebrandt 

Luke Mockridge ist ein Entertainer der alten Schule. Dabei ist der Sohn von Erich-Bill-Mockridge-Schiller gerade einmal 26 Jahre alt.

Luke Mockridge ist ein Bühnentier. Foto: dpa
Luke Mockridge ist ein Bühnentier.Foto: dpa

Berlin - Der Junge kann was. Singen, tanzen, Klavierspielen. Und mit Omas, mit Omas kann er auch. Neulich waren Hildegard und Edelgard zu Gast in seiner Sendung „Luke! Die Woche und ich“ (Sat 1). Siebzig und achtzig Jahre alt, aber noch gut in Schuss. Luke Mockridge, 26, hatte sie unter dem fadenscheinigen Vorwand eingeladen, er suche Darstellerinnen für einen Actionfilm: „Gangster-Oma“. Aus dem Film wurde zwar nur ein Clip, aber der war das Lakritzbonbon in dieser bunten Tüte mit Stand-Up-Comedy, Gesang, Small-Talk mit dem Publikum und Videos. Hildegard und Edelgard demonstrierten äußerst eindrücklich, dass sie sehr wohl in der Lage waren, den 1,89 Meter großen Gastgeber in die Tasche zu stecken. „Du sagst mir jetzt sofort, wer mein Enkel ist, sonst hänge ich Dich an den Eiern auf“, keuchte Edelgard und boxte den Moderator. Der sank lachend zu Boden.

Es war ein Bild, das ihn und sein Verständnis von TV-Unterhaltung gut beschreibt. Luke Mockridge, 1989 geboren in Bonn als Sohn einer italienischen Mutter und eines kanadischen Vaters, mag den Aha-Effekt, die Überraschung. Darum hat er in seiner Show auch einen Buzzer installiert. Zu Beginn jeder Folge sucht er sich ein Buzzer-Girl aus. Das schlägt Alarm, wenn er mal einen Gag versemmelt oder über das Ziel hinausschießt. Luke Mockridge sagt, es gäbe doch nichts Schöneres, als wenn ein Dritter in die laufende Sendung eingreife und Sand ins Getriebe der gut geölten Unterhaltungsmaschine bringe. „Erst dann atmet das Format.“

Seine Show, das ist mehr als nur ein Best of seiner Video-Clips, die er auf seinem YouTube-Kanal Snoozzze jede Woche hochlädt. Typischer Pennäler-Humor von der Stange, der auf den schnellen Lacher setzt, aber hey, dafür lieben ihn seine Fans, die Snoozzer. Über 333 000 haben seinen Kanal abonniert. Die Videos heißen „Peinliche Situationen, in denen man geblitzt wird“ oder „Böse Kommentare über Luke Mockridge“ („Und wann bringt der Mockridge seinen ersten Gag? Oh, schon vorbei“).

Er ist auch ein knallharter Geschäftsmann

Wozu braucht so einer überhaupt noch eine eigene TV-Show, wenn er seine Zielgruppe viel direkter über YouTube erreicht? Mockridge beantwortet diese Frage per Handy in seinem Auto, während er durch Süddeutschland kurvt, auf dem Weg zum nächsten Live-Auftritt in Freiburg. Er sagt, dass er in erster Linie Bühnenkünstler sei. Einer, dem es leichter falle, eine Geschichte vor 15 000 Zuschauern in einer ausverkauften Arena zu erzählen als mit einem Bier in der Hand auf einer Party. „Auf der Bühne bin ich, wie ich gerne wäre. Locker und aufgedreht.“ Das Internet und das Fernsehen seien für ihn nur Plattformen, um Fans für die Live-Auftritte zu sammeln, sagt Mockridge. Und so nüchtern, wie er das formuliert, ahnt man, dass in dem Vollblut-Entertainer auch ein knallharter Geschäftsmann steckt.

Luke, wer? Der Name Mockridge war lange nur der Generation der Edelgards und Hildegards ein Begriff. Luke ist der drittälteste Sohn von Bill Mockridge, Fans der ARD-Serie „Die Lindenstraße“ bekannt als Erich Schiller, Ehemann von Helga Beimer. In den neunziger Jahren ein „Super-Super-Super-Star“, sagt der Sohn und erzählt, dass die Familie nirgendwo vor Fans sicher war. „Sogar im Kanada-Urlaub hat er Autogramme auf Rastplätzen gegeben.“

Sein Super-Dad ist Erich Schiller aus der „Lindenstraße“

Super-Dad eben, im Nebenberuf: Komiker. Schon in den achtziger Jahren hatte Papa Bill mit dem Bonner Theater „Die Springmaus“ auch den Boom des Improvisationstheaters begründet, einem Genre, das es nach der Jahrtausendwende mit Formaten wie der „Schillerstraße“ auch ins Fernsehen schaffte. Luke Mockridge sagt, er habe eigentlich schon als Kind gewusst, dass er einmal in die Fußstapfen seines Dads treten würde. „Ich war kein besonders selbstbewusstes Kind. Meine Brüder waren alle cooler, sportlicher, schneller. Meine Waffe war der Humor.“

Zwei seiner fünf Brüder sind Schauspieler geworden. Studenten der Berliner Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“. Eine Talentschmiede, die in dem Ruf steht, sie breche ihre Schüler, um exzellente Schauspieler aus ihnen zu machen. Luke Mockridge sagt, das wäre nicht sein Ding gewesen. Er hat seinen Bachelor in Kommunikationswissenschaften gemacht, bevor er als Autor und Comedian durchstartete. Seine Ochsentour durchs Fernsehen begann mit Shows wie „TV Total“ und „Switch reloaded.“ Im Sommer 2016 stand er mit seinem Clan für die TV-Serie „Die Mockridges – eine Knallerfamilie“ (WDR) vor der Kamera. Für viele Zuschauer dürfte es ein Déjà-vu gewesen sein. Die Sendung erinnert an die „Lindenstraße“, featuring Luke als Sunnyboy.

Mockridge junior hat Qualitäten, von denen man dachte, sie seien im deutschen Fernsehen längst ausgestorben. Er ist keiner dieser austauschbaren Moderationsroboter, die ihren Text von Karten ablesen und auf Knopfdruck nur noch den Tonfall ändern müssen. Man muss sich ihn vorstellen wie einen Peter Frankenfeld on Speed. Kein Wunder also, dass er, der Traum vieler dreizehnjähriger Teenager, auch bei der Generation der Omas ankommt.