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Kultur
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Portrait eines Tatort-Kommissars Ein Mann ohne Marotten

Ulla Hanselmann, vom 17.01.2010 09:55 Uhr
Sebastian Bezzel ist zurzeit auch in Vilsmaiers "Nanga Parbat" zu sehen. Foto: apd
Sebastian Bezzel ist zurzeit auch in Vilsmaiers "Nanga Parbat" zu sehen. Foto: apd
München - Entschuldigung, wie kommen wir von hier zum Marienplatz?" "Zum Marienplatz möchten Sie? Das ist ganz einfach", antwortet der große blonde Mann mit der Sonnenbrille, weist mit dem rechten Arm die Fußgängerzone entlang und fängt an zu erklären. Die auswärtige Familie zieht erwartungsvoll von dannen, augenscheinlich nicht ahnend, wer ihr da so freundlich den Weg gewiesen hat. Und auch im Café ein paar Schritte weiter in der Fußgängerzone am Münchner Hauptbahnhof gibt es keine neugierigen Blicke von der Seite auf den Enddreißiger in Jeans, dunkelblauem Sakko und braunen Lederschuhen, der sich beim Erzählen immer wieder eine Zigarette anzündet.

An der Fernseh- und Kinopräsenz von Sebastian Bezzel kann es nicht liegen: Im Kino ist er gerade als Extrembergsteiger im soeben angelaufenen Vilsmaier-Film "Nanga Parbat" zu sehen. Im Bayerischen Fernsehen startet im Frühjahr die zweite Staffel von "Franzi" - in der Erfolgs-Serie über die Irrungen und Wirrungen einiger Mittdreißiger spielt er Franzis (Jule Ronstedt) Jugendspezl Flocki. Und seit sechs Jahren immerhin ermittelt er zweimal im Jahr sonntags im Ersten, wenn die Kollegen aus Konstanz dran sind, an der Seite von Eva Mattes als inzwischen zum Hauptkommissar beförderten Kai Perlmann.

Durch diese Rolle im Bodensee-Tatort ist er dem breiten deutschen Fernsehpublikum bekannt. Doch Sebastian Bezzel ist keiner, der auffällt, eher der nette Typ von nebenan, die Idealbesetzung als Schwiegersohn: gutaussehend, aber bodenständig, einer, bei dem man vielleicht erst auf den zweiten Blick die sinnlich-schweren Lieder, das klare Profil erkennt. Etwas Jungenhaftes haftet ihm an, trotz seiner stattlichen Statur und der sanften Rundung überm Hosengürtel, trotz seiner 38 Jahre. Als Schwiegersohn ist der gebürtige Garmisch-Partenkirchener allerdings inzwischen vergeben: im vergangenen September hat er seine langjährige Freundin Johanna Christine Gehlen, mit der er in Hamburg lebt, auf Mallorca geheiratet.

Bezzel ist ganz ander als sein Alter Ego


Und auch Kai Lorenz Perlmann ist nun mal keiner, der über die Stränge schlägt. Ein Mann ohne Marotten, nichts Verzweifeltes oder Abseitiges ist an dem dran. Für Konturen sorgt allenfalls seine schnöselige Art: Perlmann, das ist der Cabriofahrer mit Sonnenbrille, das Handy am Ohr, der Single und eitle Charmeur, der Designermöbel in der Wohnung rumstehen hat und gerne ausgeht. "Das ist ein Typ, der auf dem Internat war, auf Salem vielleicht, und sein Vater hat einen hohen Posten in Stuttgart", charakterisiert Bezzel sein Alter Ego - in dem er sich keinesfalls wieder erkennt: "Mir war es wichtig, den Beleuchtern und Technikern im Team klar zu machen, dass ich da ganz anders drauf bin."

Perlmann ist gediegen-konservativ hinter seiner Coolness, einer von der Sorte, die ein Taschentuch auf die Treppe legen, bevor sie sich drauf setzen. Ganz anders als die unkonventionelle Klara Blum, die sich beim Ermitteln ganz auf ihre Intuition verlässt. Kollegin Mattes nennt er eine "gute Freundin" - eine "Naturschauspielerin", die auf ihn abgefärbt habe: "Durch sie bin ich lockerer vor der Kamera geworden." Auf das merkwürdig gekünstelte Du-Sie-Verhältnis, das die beiden Konstanzer Ermittler pflegen, lässt er nichts kommen. Während Blum den Jüngeren duzt, bleibt Perlmann ihr gegenüber hartnäckig beim "Sie". "Das drückt seinen Respekt für einen Vorgesetzten aus", argumentiert Bezzel.

Inzwischen hat er sich warm geredet; seine anfängliche Einsilbigkeit ist verflogen; später wird er gar noch über Glauben, Kirche und den Dalai-Lama sinnieren. Doch erst einmal geht es um Handfestes. "Der Partner ist das allerwichtigste beim Schauspielern", sagt er, "das ist wie beim Fußball: Ein gut geschlagener Pass, dem anderen in den Lauf, so muss es sein", so wie mit Eva Mattes eben, und dann fängt er plötzlich an, vom Spitzenspiel des FC Bayern gegen Barcelona im vergangenen Jahr zu schwärmen: "Das war Perfektion, keine kalte, sondern etwas Lebendiges."

Bei einer Rolle kommt es ihm auf Qualität an


Der Fußball als Fundgrube für Lebensweisheiten - Bezzel steht dazu, genauso wie zu seiner Gewohnheit, einen Mittagsschlaf zu machen, dessen erfrischende Wirkung er schätzt. Die Eltern stammen aus München, in Garmisch-Partenkirchen ist er groß geworden, sein Vater hat als Ornithologe dort die staatliche Vogelwarte geleitet. Die Ausflüge nach München als Kind seien immer aufregend gewesen, und auch heute gehe ihm jedes Mal das Herz auf, wenn er in der Stadt an der Isar sei.

Und dem Bayerischen habe er seine großen Schritte zu verdanken: zuerst die Ausbildung an der Bayerischen Theaterakademie, dann das Engagement beim Staatsschauspiel, die erste Fernsehhauptrolle in "Geier im Reisrand", und schließlich der Wechsel auf die Kinoleinwand, wo er sich mit Rollen wie dem verbissenen Bobfahrer Gamser in "Schwere Jungs", oder, ganz gegensätzlich, des Macho-Polizisten Günther in der Münchener Komödie "Stellungswechsel" das Etikett "junges Gesicht des neuen bayerischen Films" erspielt hat.

In Dialekt zu drehen, damit hat er kein Problem: "Das wirkt oft authentischer." "Ich bin keiner von der hohen Kunst, ich sehe mich als Volksschauspieler, der unterhalten will", stellt Bezzel klar. Freilich: auf Bayern will er sich nicht festlegen lassen, beim Begriff Heimat denkt er zuallererst an Essen und an Freunde; er schwärmt von Hamburg, dem Ottenser Kiez, wo er mit seiner Frau wohnt, zollt Berlin Respekt, wo er sechs Jahre gelebt und mit Erfolg bei der RTL-Serie "Abschnitt 40" vor der Kamera gestanden hat: Seine Antihelden-Rolle als beziehungsuntauglicher Hauptmeister Ulf brachte ihm eine Nominierung für den Deutschen Fernsehpreis ein.

Qualität, das ist es, worauf es ihm bei einer Rolle ankommt, und die erkennt er in den Konflikten einer Figur, aber auch schlicht in der Tatsache, welche Kollegen mit von der Partie sind und wer inszeniert. "Wenn Sepp Vilsmaier anruft, dann mache ich mit, keine Frage!"

Hintergrund


"Tatort":
In dem Fall "Polizistinnenmörder" (am Sonntag um 20.15 Uhr im Ersten) präsentiert sich der Bodensee-Tatort dieses Mal als abenteuerliche Mischung aus Western, Roadmovie und Krimi: Klara Blum irrt mit ihrem eidgenössischen Kollegen Reto Flückiger (Stefan Gubser) und dem verhafteten deutschen Waffenhändler Uwe Meiners (Michael Brandner) durch deutsch-schweizerisches Grenzland. Die Ermittler sollen den Mordverdächtigen, der eine Polizistin getötet haben soll, nach Deutschland überführen. Doch dann geraten alle drei unter Beschuss – Meiners Schweizer Komplizen wollen sie loswerden. In Konstanz arbeitet in der Zwischenzeit Kai Perlmann an der Aufklärung der Hintergründe. Dabei beschleicht ihn der böse Verdacht, dass es in den Reihen der Polizei einen Maulwurf gibt.

Internet:
Wer einen "Tatort" mal verpasst, kann jetzt die jüngste Folge sieben Tage nach dem Sendetermin kostenlos im Netz abrufen; außerdem gibt es im Internet – unter daserste.de/tatort/ – einen Livestream parallel zur Ausstrahlung.
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Kommentare (1)
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JAN
17
21:49 Uhr, geschrieben von konstanzfan
tatort
der dümmste TATORT seit vielen jahren. schäm dich brezzel
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