Prävention vor Hörschäden Hörtest mit dem iPhone
Rainer Klüting, 28.08.2010 14:14 Uhr
 Foto: StZ
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Oldenburg - Manchmal, wenn man aus der Disco kommt, aus einer lauten Fabrik, einem fonstarken Konzert oder einem Vuvuzela-Event mit Fußballbegleitung hat man den Eindruck, die Ohren seien verstopft. Man schüttelt sich, reibt am oder im Ohr, aber es hilft nichts. Alle Geräusche kommen wie durch Watte. Das sind die Momente, in denen der eine oder die andere erschrickt und sich fragt, ob das wohl wieder besser wird. Meistens wird es das ja, glücklicherweise.

Regelmäßige Kontrolle unerlässlich


Eine Gehörkontrolle ab und zu würden Ohrenärzte aber begrüßen. Denn Gehörschäden kommen schleichend und fallen erst unzweifelhaft auf, wenn es schwierig wird, Gesprächen zu folgen. Eine besonders einfach Methode, sein Gehör zu überprüfen, gibt es im Prinzip seit zwei Jahren. Man braucht nur per Telefon - es muss ein Festnetztelefon sein - die Telefonnummer 0900/1217221 anzurufen und kann binnen jeweils fünf Minuten erst das eine und dann das andere Ohr prüfen.

Das kostet 99 Cent pro Anruf und Ohr und liefert einen groben Hinweis wie "Ihr Hörvermögen bei diesem Hörtest ist normal" oder "Bei diesem Hörtest verstehen die meisten Menschen etwas besser als Sie" (www.hoertest-per-telefon.de »).

Bisher waren es allerdings hauptsächlich Menschen über 50, die wissen wollten, wie gut ihre Ohren noch sind, berichtet Stephan Albani, der Geschäftsführer der Firma Hörtech in Oldenburg, die den Test entwickelt hat. Deshalb haben die Mitarbeiter der Firma den Test nun auf das iPhone gebracht.

App soll auch Spaß bringen


Das Progrämmchen mit dem orthografisch schwurbeligen Namen HearContrOL hat auf jeden Fall einen Vorteil: Es kostet nur 1,59 Euro - für beide Ohren und für beliebig viele Tests. Man kann es mitnehmen, mit Freunden gemeinsam ausprobieren und sogar ein bisschen als Spiel betrachten. Das wäre genau das, was Stephan Albani beabsichtigt hat.

Die beiden Großbuchstaben am Ende des Namens sind übrigens das Autokennzeichen von Oldenburg. Hier gibt es die Universität und das Hörzentrum Oldenburg, die beide hinter der gemeinnützigen Hörtech GmbH stecken. Für Seriosität ist also gesorgt, was das App angenehm von vielen anderen in Apples App-store unterscheidet. Das App erklärt sich selbst mit eingeblendeten Texten, und es sagt auch, dass es keinen Ohrenarzt ersetzen, sondern nur erste Hinweise geben kann.

Dann hört man eine Stimme, die jeweils drei Ziffern spricht, die man anschließend über eine Tastatur eintippen muss. Die Stimme kommt durch ein Rauschen von konstanter Lautstärke und wird von Zifferngruppe zu Zifferngruppe immer leiser, bis man sie hinter dem Rauschen nicht mehr versteht. Der Test hat deshalb nur Sinn, wenn die Umgebung absolut ruhig ist.

Jede Störung kann das Ergebnis verfälschen. Das gilt in gleichem Maße für den Test am Festnetztelefon. Fängt der Proband an, die Ziffern zu raten und falsch einzutippen, wird die Stimme wieder etwas lauter. Nach fünf Minuten ist klar, wo die Verständnisschwelle liegt. Dann kommt die Beurteilung.

Test soll jüngeren Menschen nahegebracht werden


"Die Autoren sind sehr renommiert", sagt Assen Koitschev, Leitender Oberarzt am Stuttgarter Olgahospital und Chef der Abteilung für Ohrenheilkunde. Er begrüßt den Versuch, den Test ausdrücklich jüngeren Menschen nahezubringen. Obwohl Ohrenärzte viel feinere Tests kennen, gefällt ihm so ein Verstehenstest mit Störgeräusch, denn der sei "näher an der Realität".

Schließlich ist ja das Sprachverstehen vor Hintergrundgeräuschen das Problem, das viele Menschen zuerst bemerken. Koitschev kann sich sogar vorstellen, dass das iPhone eine bessere Testbasis ist als ein normales Telefon, weil die akustische Qualität aller iPhones etwa gleich ist. Das bestätigt Michael Buschermöhle von Hörtech. Man habe den Test auf das iPhone anpassen können.

Im wiederholten Selbsttest mit iPhone und Festnetztelefon kamen unterschiedliche Ergebnisse heraus, was sich aber auf unerwünschte Nebengeräusche zurückführen lässt - und vielleicht auf den falschen Testmoment. Koitschev empfiehlt, den Test in erholtem Zustand zu machen, und in einer Umgebung, in der man sich gut konzentrieren kann. Und: "Wer nicht Deutsch kann, wird nichts damit anfangen können." Bleibt der Test hartnäckig negativ, ist dringend ein Gang zum Ohrenarzt zu empfehlen.

Die Bewertung: * * * *


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