Premiere in der Tri-Bühne Rosa Balistreri, die starke Frau aus Sizilien

Von Cord Beintmann 

In ihrer neuen Produktion „Ich, Rosa, die Starke“ erinnert die Stuttgarter
Tri-Bühne an eine vergessene Sängerin. Rosa Balistreri war eine sizilianische Volkssängerin, die auch politische engagierte Texte vortrug.

Pier Angelo De Lazzer, Angelina Albano, Antonio Lo Bello, Serena Bellini, Steffen Kuhn, Lucia Prestandrea, Salvatore Catania (v.li.) Foto: Michael Schill
Pier Angelo De Lazzer, Angelina Albano, Antonio Lo Bello, Serena Bellini, Steffen Kuhn, Lucia Prestandrea, Salvatore Catania (v.li.)Foto: Michael Schill

Stuttgart - Neun aufeinandergestapelte Obstkisten balanciert Edith Koerber und betritt so die Bühne ihres Theaters. Ein Foto im Bühnenhintergrund macht klar, was das soll. Es zeigt Rosa Balistreri, auch sie mit neun Kisten, denn die 1927 geborene Sizilianerin war die Tochter eines fahrenden Händlers. Mit 15 Jahren bekam sie die ersten Schuhe ihres Lebens, mit zwanzig lernte sie lesen und schreiben. Später wurde Balistreri eine bedeutende Volkssängerin und Liedermacherin. In Deutschland ist sie kaum bekannt, und das war Grund genug für die Tri-Bühne, ihr eine Hommage mit dem Titel „Ich, Rosa, die Starke“ zu widmen (Künstlerische Leitung: Lucia Prestandrea und Edith Koerber).

Liebevoll italienisiert zeigt sich die Bühne. Da stehen Kisten mit Orangen und Zitronen, eine Staffelei zeigt wechselnde Bilder und ein Plakat die Trinakria, einen Frauenkopf mit drei Beinen, das geheimnisvolle Symbol Siziliens. Eine Sängerin in schwarzem Kleid tritt auf, die Stuttgarterin Lucia Prestandrea. Sie hat eine sehr warme, ausdrucksvolle Stimme, und am schönsten klingt die Stimme bei den leisen, zarten Passagen.

Zwischendrin erzählt Edith Koerber aus Rosa Balistreris unglaublichen Leben. Der trunksüchtige Vater drangsaliert sie, Lucias Mann verspielt die Aussteuer. Lucia sticht auf ihn ein und kommt für sechs Monate ins Gefängnis. Vom Sohn einer adligen Familie, in der sie als Dienstmagd arbeitet, wird sie schwanger und erleidet eine Totgeburt. Ein Leben mit Brüchen und gewaltigen Schwierigkeiten erlitt und erlebte Rosa Balistreri, die 1990 in Palermo starb.

Sie sang für die Anti-Baby-Pille und gegen die Mafia

Locker und mit Witz erzählt Koerber von Balistreri, die sizilianische Volkslieder interpretierte und auch selber Texte schrieb. In den Siebzigern war sie eine linke Liedermacherin, protestierte gegen Armut und Arbeitslosigkeit, sang für die Anti-Baby-Pille und gegen die Mafia. Das Herz-Schmerz-Pathos mancher Verse berührt. „Tief in meinem Innern habe ich eine Feuersbrunst./Und mein Herz gehört dir und ist nicht mehr meins.“

Zu hören sind schöne, eingängige Melodien sizilianischer Volkslieder ohne jeglichen Folklore-Schmalz, aber auch straffe, stark rhythmisierte Klänge. Serena Bellini spielt Flöte, Angelina Albano Geige und Mandoline, Salvatore Voi (Gitarre) singt, ebenso Salvatore Catania (Bass). Antonio Lo Bello und Steffen Kuhn sind die Percussionisten. Kuhn lässt einmal ganz herzzerreißend nur sein Xylofon erklingen. Pier Angelo De Lazzer (Gitarre, Bouzouki und musikalische Leitung) hat Rosa Balistreris Lieder souverän arrangiert.

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