Pressenhersteller Schuler wappnet sich für schwierige Zeiten

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Die Zahl der Mitarbeiter bei dem Göppinger Pressenhersteller geht zurück. An drei Standorten in Deutschland wird die Produktion aufgegeben. Doch am Firmensitz in Göppingen wird weiter investiert.

Beim Pressenhersteller Schuler  sinkt die Zahl der Mitarbeiter. Unser Bild zeigt die Arbeit an einem Antriebsrad für eine Presse. Foto: dpa
Beim Pressenhersteller Schuler sinkt die Zahl der Mitarbeiter. Unser Bild zeigt die Arbeit an einem Antriebsrad für eine Presse.Foto: dpa

Göppingen - Stefan Klebert ist keiner, der die eigenen Erfolge lauthals in die Welt hinausposaunt. Und doch sagt der Vorstandsvorsitzende des Göppinger Pressenherstellers Schuler AG, „Schuler steht so gut da, wie seit Jahrzehnten nicht“. Damit meint er nicht zuletzt die Eigenkapitalquote des Unternehmens. Diese stieg in den vergangenen fünf Jahren von 23 Prozent auf 34 Prozent der Bilanzsumme.

Dennoch weiß Klebert, dass diese Verbesserung kein Grund zur Sorglosigkeit sein kann: „Die Zeiten werden schwieriger“, meint der Vorstandschef. Dies dürfte sich schon in diesem Jahr zeigen: Schuler rechnet mit einem Rückgang des Umsatzes von 1,2 Milliarden Euro auf etwa eine Milliarde Euro. Dies dürfte durchaus realistisch sein. Bei einer Milliarde Euro nämlich lag der Auftragseingang im vergangenen Jahr. Und da große Pressen eine lange Produktionszeit haben, dürfte es in diesem Jahr kaum Aufträge geben, die sich noch auf den Umsatz auswirken.

Bei sinkenden Aufträgen wird nach Meinung von Klebert auch das Ergebnis deutlich zurückgehen. Auch um sich auf schwierigere Zeiten vorzubereiten, will Schuler die Produktion in Deutschland von sieben auf vier Standorte reduzieren. In Baden-Württemberg wird die Produktion in Weingarten und in Waghäusel beendet, ähnliches gilt für das nordrhein-westfälische Netphen. Dies bedeute aber nicht, dass diese Standorte komplett geschlossen würden, sagte Klebert. So sollen Mitarbeiter aus diesen Standorten auch weiter bei Kunden Pressen aufbauen und auch etwa für den Service zuständig sein. Insgesamt sind 450 Mitarbeiter betroffen, man versuche, den Stellenabbau möglichst sozialverträglich zu gestalten, erklärte Klebert. Bereits im vergangene Jahr sank die Zahl der Mitarbeiter weltweit von 5420 auf 5180 Beschäftigte. In Deutschland ging die Zahl der Beschäftigten von 4200 auf 3950 zurück.

Diese Stellenstreichungen, die Konzentration der Produktion in Deutschland auf nur noch vier Standorte, die Schließung der Produktion in Shanghai sowie eine Reorganisation der Sparte Automotive und Abschreibungen auf Anlagevermögen schlugen in der Bilanz des vergangenen Jahres mit 73 Millionen Euro zu Buche. Später wird mit einer jährlichen Ersparnis von 35Millionen Euro gerechnet. Rechnet man diese Kosten heraus, wäre das Ergebnis vor Zinsen und Steuern nicht gesunken, sondern auf knapp 116 Millionen Euro gesteigen. Ein wichtige Weichenstellung im vergangen Jahr war der Erwerb von 51 Prozent am chinesischen Pressenhersteller Yadon.

Dieses Unternehmen mit 1000 Mitarbeitern und einem Umsatz von 120 Millionen Euro stellt kleinere Pressen her als Schuler. Die Chinesen haben vor allem Kunden, die anders als bei Schuler, nicht aus der Autoindustrie kommen, sondern beispielsweise aus der Klimatechnik. Yadon soll Schuler helfen, neue Kunden in China, aber auch in anderen Ländern zu finden.

Von dem schwächeren Wirtschaftswachstum in China lässt sich Schuler nicht beeindrucken. Finanzvorstand Norbert Broger wies darauf hin, bei einem Wachstum um 6,6 Prozent im vergangene Jahr sei das Bruttoinlandsprodukt um 680 Milliarden Dollar (rund 624 Milliarden Euro) gestiegen. Dieses Plus entspreche dem gesamten Bruttoinlandsprodukt der Schweiz. Im Jahr 2005 sei das Bruttoinlandsprodukt in China zwar um elf Prozent gewachsen. In absoluten Zahlen aber sei dies lediglich ein Plus um 200 Milliarden Dollar gewesen. Trotz des Zukaufs in China investiert der Pressenhersteller auch in Deutschland. So soll 2017 in Göppingen ein 40 Millionen Euro teures Technikzentrum den Betrieb aufnehmen, Anfang Januar wurde ein Forschungs- und Vorführzentrum eingeweiht, in das 6,5 Millionen Euro gesteckt wurden. Stahl wird dort auf 930 Grad erhitzt und beim Abkühlen gehärtet. Dadurch könnten für Autoteile dünnere, leichtere und dennoch festere Stahlbleche verwendet werden, sagte Klebert.

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