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Prewo in Obertürkheim Seit 100 Jahren in Familienhand
Simon Leißler, 28.01.2012 12:00 Uhr
Erwin Prewo und seine Tochter Miriam.Erwin Prewo und seine Tochter Miriam. 
Erwin Prewo und seine Tochter Miriam. Foto: Heinz Heiss
Erwin Prewo und seine Tochter Miriam.Erwin Prewo und seine Tochter Miriam. Erwin Prewo und seine Tochter Miriam. Foto: Heinz Heiss

Obertürkheim - Es war das Jahr, in dem die Titanic unterging, als ein 25-jähriger Stuttgarter Schreinermeister entschied, sich selbstständig zu machen. Eugen Prewo wollte unabhängig sein, etwas Eigenes auf die Beine stellen. Er baute in Uhlbach ein Haus für seinen Schreinerbetrieb. Auch wenn der Betriebssitz inzwischen nach Obertürkheim umgezogen ist, die Firma Prewo gibt es heute noch, und sie ist nach wie vor in Familienhand. In diesem Jahr feiert die Prewo GmbH und Co. Innenausbau KG ihr hundertjähriges Bestehen.

Viel Zeit, seine neue Firma aufzubauen blieb dem Gründer Eugen Prewo damals nicht, die Weltgeschichte kam dazwischen. 1914 begann der Erste Weltkrieg. Der Jungunternehmer wurde eingezogen. „Das muss eine sehr harte Zeit gewesen sein“, sagt Erwin Prewo, der Enkel von Eugen Prewo und heutige Eigentümer der Firma. „1913 wurde mein Vater geboren, auch den musste mein Großvater zurücklassen.“ Aber Eugen Prewo kehrte unversehrt aus dem Krieg zurück. Das Firmengebäude war kaum beschädigt, und so konnte es mit dem Betrieb weitergehen.

„Nach 1945 waren Möbel erst einmal vollkommen unwichtig“

Sprichwörtlich alles von der Wiege bis zur Bahre fertigte Prewo in den Anfangsjahren. Die Produktpalette umfasste alle Arten von Möbeln, ebenso wie Särge. Alles veränderte sich jedoch mit dem Zweiten Weltkrieg. „Nach 1945 waren Möbel erst einmal vollkommen unwichtig“, erzählt Erwin Prewo. „Die Gebäude im Land waren so beschädigt, dass es erst einmal darum ging, Wohnungen zu bauen.“ Sein Großvater habe sich deshalb auf die Herstellung von Fenstern und Türen spezialisiert und konnte den Betrieb auf diese Weise in der Nachkriegszeit über Wasser halten.

1956 übernahm Eugens Sohn Erich das Ruder. Wie sein Vater war er gelernter Schreinermeister. Er hielt an der traditionellen Ausrichtung des Betriebes fest. Das führte allerdings bald zu Konflikten mit seinem Sohn Erwin. „Ich habe mich mit meinem Vater viel gestritten“, erinnert sich der heutige Eigentümer Erwin Prewo. „Er sagte immer, den Schreinerberuf gäbe es schon so lange, was solle da noch Neues dazukommen? Das ist aber die falscheste Einstellung, die ich je gehört habe.“

Mit den Konflikten zwischen den Generationen klarkommen

Nachdem 1980 Erwin Prewo von seinem Vater als Geschäftsführer eingesetzt worden war, eskalierten die Streitigkeiten: Zu verschieden waren die Ansichten zwischen dem alten Schreinermeister und dem jungen studierten Holztechniker und Betriebswirt. „Das Geheimnis, dass ein Betrieb über so lange Zeit in der Familie bleibt, ist, dass man mit den Konflikten zwischen den Generationen klarkommt“, sagt der heute 63-Jährige. „Bei meinem Vater und mir hat das nicht mehr funktioniert, und so ist er ausgestiegen.“ Erwin Prewo änderte den Schwerpunkt des Betriebes, weg von Fenstern und Türen und hin zu Möbeln für alle Räume mit dem Fokus auf Küchen.

Außerdem zog er um. Neue Maschinen und Ausstellungsräume benötigten mehr Platz. 1995 wurde die Firma in ein neues Gebäude in der Hafenbahnstraße in Obertürkheim verlagert. Die Erfahrungen mit seinem Vater haben den Firmenchef geprägt. Für die Ideen seiner eigenen Nachfolgergeneration will er offen sein. 2008 ist seine heute 36-jährige Tochter Miriam als gleichberechtigte Geschäftsführerin in den Betrieb eingestiegen, und auch sie hat in der kurzen Zeit der Firma bereits ihren eigenen Anstrich verpasst.

„Mit ihr begann die Kreativphase“, sagt Erwin Prewo. Die studierte Innenarchitektin, die zuvor in einer finnischen Möbelschreinerei gearbeitet hatte, will mit der Firma noch stärker in Richtung Design gehen. „Ich halte es für das Wichtigste, mit dem respektvoll umzugehen, was da ist, es aber trotzdem auch an den Zeitgeist anzupassen“, sagt Miriam Prewo. Auf ihre Initiative hin wurde der Betrieb um ein Planungsbüro erweitert, in dem in enger Absprache mit den Kunden individuelle Konzepte zur ganzheitlichen Raumgestaltung entworfen werden können.

Dass ihr Vater sie bei ihren Ideen bisher tatsächlich immer unterstützt und nicht ausgebremst hat, weiß Miriam Prewo sehr zu schätzen: „Wir ergänzen uns. Ich profitiere von seinem betriebswirtschaftlichen Know-How, er von meinem gestalterischen.“ Neben dem Wunsch ihres Vaters, es besser zu machen als dessen Vater seinerzeit, sieht Miriam Prewo aber auch noch einen weiteren Grund für die gute Zusammenarbeit. „Ich denke, es läuft bei uns auch deshalb besser, weil ich als Tochter toleranter bin“, sagt sie schmunzelnd.

Auch nach einem Jahrhundert Firmengeschichte ist der Blick der Prewo GmbH in die Zukunft gerichtet. Vater und Tochter wollen noch einiges mit dem Familienbetrieb erreichen, auch Expansion ist ein Thema. „Das Ziel ist es, den lokalen Bereich etwas zu verlassen und uns zu vergrößern“, sagt Erwin Prewo. Seine Tochter Miriam ergänzt: „Aber wir wollen auch nicht zu groß werden. Der persönliche Charakter soll auch künftig erhalten bleiben.“

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