Privatisierung der Raumfahrt
Raumtransporter im Wettstreit
Alexander Stirn,
19.12.2010 09:43 Uhr
Mutet futuristisch an, absolviert aber schon Testflüge: das Touristenraumschiff Space Ship Two des britischen Milliardärs Richard Branson. Foto: dpa
Washington - Die amerikanischen Spaceshuttles sind wahre Dauerläufer. Mehr als 830 Millionen Kilometer haben die Raumfähren in den vergangenen drei Jahrzehnten zurückgelegt. Ein paar weitere Kilometer kommen im nächsten Jahr hinzu, doch dann ist endgültig Schluss: Noch drei Flüge, und die altersschwachen Shuttles werden für immer eingemottet. Es ist das Ende einer Ära, zugleich aber auch die Hoffnung auf einen radikalen Neubeginn in der bemannten Raumfahrt. Denn künftig sollen private Firmen die amerikanischen Aktivitäten im All prägen.
Raumschiffe für die US-Weltraumbehörde Nasa zu bauen war bisher ein äußerst lukratives Geschäft: Das Geld floss reichlich, Folgeaufträge waren garantiert, und wenn mal etwas schieflief oder ein Projekt ins Stocken geriet, wurde artig weiter gezahlt. Eine Handvoll Firmen teilte sich die einträglichen Regierungsaufträge. Die Nasa ihrerseits plante, besaß und betrieb die Raumfähren.
Entsprechend hoch waren die Kosten. Als die wiederverwendbaren Shuttles in den 1970er Jahren entworfen wurden, sollten sie eigentlich einen einfachen und billigen Zugang zum Weltall garantieren. Mehrere Starts pro Monat waren geplant. Doch daraus wurde nichts: Der Wartungsaufwand zwischen den Flügen erwies sich als immens, teure Fehlplanungen und ein riesiger bürokratischer Wasserkopf kamen hinzu. Am Ende des Shuttleprogramms wird die Nasa wahrscheinlich 175 Milliarden Dollar in das Projekt gesteckt haben. Jeder Flug kostete damit umgerechnet rund eine Milliarde Euro.
Das soll künftig anders werden. Die bemannte Raumfahrt in den USA steht vor der Privatisierung. Statt sich wie bisher selbst um alle Kleinigkeiten zu kümmern, will die Nasa verstärkt Aufgaben delegieren und Dienstleistungen einkaufen. Die Idee: private Firmen sollen in Eigenregie Raketen und Raumkapseln entwickeln, die genauso sicher und zuverlässig, aber deutlich billiger sind als die bisherigen staatlichen Projekte. Im Gegenzug gibt es finanzielle Aufbauhilfe von der Nasa.
Erst wenn die privaten Unternehmen ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis gestellt haben, wird die Weltraumbehörde wieder aktiv. Sie kauft den Firmen Transportkapazitäten oder Sitzplätze zum Festpreis ab - ganz so, als wäre das Raumschiff ein Charterflieger in den Sommerurlaub. Sämtliche finanziellen und logistischen Risiken bleiben beim Erbauer des Raumschiffs. Nur wenn alles problemlos funktioniert, macht dieser satte Gewinne.
Raumschiffe für die US-Weltraumbehörde Nasa zu bauen war bisher ein äußerst lukratives Geschäft: Das Geld floss reichlich, Folgeaufträge waren garantiert, und wenn mal etwas schieflief oder ein Projekt ins Stocken geriet, wurde artig weiter gezahlt. Eine Handvoll Firmen teilte sich die einträglichen Regierungsaufträge. Die Nasa ihrerseits plante, besaß und betrieb die Raumfähren.
Private Firmen sollen in Eigenregie Raketen entwickeln
Entsprechend hoch waren die Kosten. Als die wiederverwendbaren Shuttles in den 1970er Jahren entworfen wurden, sollten sie eigentlich einen einfachen und billigen Zugang zum Weltall garantieren. Mehrere Starts pro Monat waren geplant. Doch daraus wurde nichts: Der Wartungsaufwand zwischen den Flügen erwies sich als immens, teure Fehlplanungen und ein riesiger bürokratischer Wasserkopf kamen hinzu. Am Ende des Shuttleprogramms wird die Nasa wahrscheinlich 175 Milliarden Dollar in das Projekt gesteckt haben. Jeder Flug kostete damit umgerechnet rund eine Milliarde Euro.
Das soll künftig anders werden. Die bemannte Raumfahrt in den USA steht vor der Privatisierung. Statt sich wie bisher selbst um alle Kleinigkeiten zu kümmern, will die Nasa verstärkt Aufgaben delegieren und Dienstleistungen einkaufen. Die Idee: private Firmen sollen in Eigenregie Raketen und Raumkapseln entwickeln, die genauso sicher und zuverlässig, aber deutlich billiger sind als die bisherigen staatlichen Projekte. Im Gegenzug gibt es finanzielle Aufbauhilfe von der Nasa.
Sämtliche Risiken bleiben beim Erbauer des Raumschiffs
Erst wenn die privaten Unternehmen ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis gestellt haben, wird die Weltraumbehörde wieder aktiv. Sie kauft den Firmen Transportkapazitäten oder Sitzplätze zum Festpreis ab - ganz so, als wäre das Raumschiff ein Charterflieger in den Sommerurlaub. Sämtliche finanziellen und logistischen Risiken bleiben beim Erbauer des Raumschiffs. Nur wenn alles problemlos funktioniert, macht dieser satte Gewinne.
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Sparen durch private Raumfahrt?
Private Raumfahrt-Unternehmen haben bislang nur sehr eingeschränkte Dienste anbieten können. Bemannt schaffen sie nur suborbitale Flüge, also eine Art Wurfparabel wie eine Interkontinentalrakete. Der echte Raumflug in eine stabile Umlaufbahn ist weitaus anspruchsvoller. Es sind weitaus höhere Schubkräfte erforderlich und viel mehr Zuverlässigkeit bei allen Systemen und Komponenten. Man denke nur an die Wiedereintrittstechnologie, mit der sich noch keiner der privaten Unternehmer richtig beschäftigt hat. Es steht zu befürchten, dass die privaten Unternehmen später ähnlich hohe Kosten und Aufwendungen haben werden, wenn sie in der gleichen Liga spielen wie heutzutage die NASA. Und was mit den Aktienkursen solcher Firmen passiert, wenn ein Unglück passiert, bei dem Menschen ums Leben kommen, kann man sich leicht ausmalen. Obamas Raumfahrtpolitik ist keine. Sie ist weder industriepolitisch noch technologisch begründet, sondern stellt den verzweifelten Versuch dar, Geld zu sparen, um das außer Kontrolle geratende Haushaltsdefizit einzudämmen. Alleine durch den "Anti-Terrorkampf" in Afghanistan und im Irak sind die USA in den letzten Jahren finanziell sozusagen mehrfach bemannt zum Mars geflogen - von den Riesensummen für die Bankenrettung und Wirtschaftsförderung ganz zu schweigen. Ohne einen übergreifenden politischen Konsens über Ziele, Kosten und Zweckmäßigkeit bemannter Raumflüge wird das nichts. Erst wenn die Chinesen eine bemannte Mondlandung durchführen, dürfte sich die Situation in den USA durchgreifend ändern. Bis dahin dauert es aber noch einige Zeit. Die Europäer spielen in dieser Hinsicht keine nennenswerte Rolle. Wer sich über die Trägheit des NASA-Apparates beklagt, sollte einen Blick auf die Europäische Raumfahrtagentur ESA werfen, die auf den Konsens von 18 Staaten angewiesen ist, bevor sie ein großes Vorhaben beginnt. Die Europäer machen vielerorts mit, bauen aber vergleichsweise wenig eigene Systemkompetenz auf und bieten sich dadurch nur als Juniorpartner für Amerikaner, Russen und später Chinesen an.