Privatsphäre Strenge Auflagen für Facebook

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Facebook muss die Privatsphäre seiner Nutzer stärker respektieren als bisher. Für 20 Jahre wird das Netzwerk unter Aufsicht gestellt.

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg hat eine eigene Vorstellung von Privatsphäre. Foto: dapd
Facebook-Gründer Mark Zuckerberg hat eine eigene Vorstellung von Privatsphäre.Foto: dapd

Washington - Die Internetplattform Facebook muss mehr Rücksicht auf die Privatsphäre ihrer mehr als 800 Millionen Nutzer nehmen. Die US-Verbraucherschutzbehörde FTC hat in einer bahnbrechenden Entscheidung den Betreiber des größten sozialen Netzwerks im Internet zu mehr Transparenz beim Umgang mit den Nutzerdaten gezwungen. „Facebook muss seine Innovationen nicht zwangsläufig auf dem Rücken der Privatsphäre seiner Kunden vorantreiben. Wir werden sicherstellen, dass dies nicht der Fall ist“, sagte FTC-Chef Jon Leibowitz, als er in Washington die Auflagen präsentierte, die nach einem Monat, in dem noch Einsprüche möglich sind, rechtskräftig werden.

Von einer „ungewöhnlich aggressiven Kritik“ sprach das „Wall Street Journal“. Die New York Times nannte die Anweisungen „scharf formuliert“. Die Behörde warf Facebook beispielsweise „unfaires und unehrliches Verhalten“ vor. Facebook darf nun seine Standardeinstellungen zur Privatsphäre nicht mehr verändern, ohne dass die Nutzer in jedem Einzelfall ausdrücklich zustimmen. Die Behörde störte es auch, dass Daten von gelöschten Profilen von Facebook weiter ausgewertet wurden. Künftig müssen diese spätestens nach 30 Tagen von den Servern verschwinden. Über einen Zeitraum von 20 Jahren muss die Firma alle zwei Jahre ihren Umgang mit privaten Informationen von einem unabhängigen Gremium überprüfen lassen. Facebook hatte sich zuvor jahrelang gegen derartige Eingriffe gewehrt. Doch spätestens seit der Konkurrent Google Anfang dieses Jahres zu einer ähnlichen Vereinbarung gezwungen wurde, haben die staatlichen Regulierer deutlich gemacht, dass sie nicht mehr auf Selbstverpflichtungen von Facebook vertrauen wollten.

Systematische Täuschung der Nutzer?

Die staatlichen Aufseher sprechen von einer oft systematischen Täuschung der Nutzer. Das Versprechen, dass externe Anwendungsprogramme, die so genannten Apps, nicht auf Kundendaten zurückgreifen können, wurde ebenso missachtet wie die Ankündigung, dass Anzeigenkunden nie ungefragt auf Nutzerdaten zugreifen sollten. Facebook will die Entscheidung akzeptieren. „Wir haben eine ganze Reihe von Fehlern gemacht“, sagte Gründer und Firmenchef Mark Zuckerberg. Ein Grund dafür dürften die in dieser Woche bekannt gewordenen Pläne für einen Börsengang Anfang des kommenden Jahres gewesen sein. Mit der Entscheidung der Regulierer ist nach Monaten der Unsicherheit endlich klar, in welchem Maß Facebook seine Praktiken ändern muss. Trotz aller gegenteiligen Beteuerungen hat das Geschäftsmodell immer darauf beruht, dass Facebook aus der Mitteilungsfreude seiner Nutzer Kapital schlug.

Auslöser für die Beschwerde von Datenschützern bei der FTC waren Änderungen in den Einstellungen zur Privatsphäre, die Facebook im Jahr 2009 eingeführt hatte. Namen, Bild, Ort, Geschlecht und die Liste der „Freunde“ auf den Facebook-Profilen wurden damals allgemein zugänglich gemacht, auch wenn die Nutzer zuvor andere Einstellungen gewählt hatten. Dies war ein weiterer Schritt in einer Entwicklung, bei der Facebook seinen ursprünglich simplen Schutzwall für die Privatsphäre immer komplizierter machte. Die Begründung von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, dass man damit nur den komplexer werdenden Kundenwünschen entgegenkomme, überzeugte die Kritiker nicht. Immer wieder zeigte der heute erst 27-jährige Zuckerberg wenig Verständnis für ein Konzept der Privatsphäre, das für ihn im Internetzeitalter überholt war. „Wenn die Menschen mehr von sich mitteilen, wird die Welt offener und sie wird enger verknüpft. Und eine offenere und enger verknüpfte Welt ist eine bessere Welt“, schrieb er im Mai 2010 in einem Beitrag in der „Washington Post“, ohne sich für den damals heftig kritisierten Zugriff auf private Daten zu entschuldigen.

Inzwischen scheint die Firma für den entstandenen Imageverlust sensibler geworden zu sein. Die Regulierungsbehörde ist auf die Kooperationsbereitschaft des Unternehmens angewiesen. Selbst wenn Facebook alle neu aufgestellten Spielregeln bricht, würden sich die angedrohten Bußgelder zusammengenommen in einem Jahr auf höchstens 41 Millionen Dollar (rund 31 Millionen Euro) summieren. Für eine Firma, deren theoretischer Börsenwert auf 100 Milliarden Dollar veranschlagt wird, wäre das nur Taschengeld. Der Datenschützer Marc Rotenberg vom Electronic Privacy Information Center in Washington, das die Beschwerde gegen Facebook eingelegt hat, nennt den Beschluss dennoch symbolträchtig: „Der Rest der Branche kann dessen Konsequenzen nicht ignorieren.“

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