Pro & Kontra Kulturförderung Kontra: Wer stark ist, hat Freunde, von Nikolaus Bachler

Von Nikolaus Bachler und Klaus Zehelein 

Eine der lebendigsten Zeiten für das Theater waren die 1920er Jahre, in denen die Intendanten auf volles Risiko und Unternehmertum setzten. In den sechziger bis neunziger Jahren hat sich das Theater sehr verändert und ist dabei weitgehend in die Hände von Leuten geraten, die aus der Wissenschaft und der Theorie kamen. Dabei sind zwei Dinge passiert: Es kam zu einer Ideologisierung des Theaters und zu einer Haltung, in der Einnahmen und Ausgaben in keinem direkten Zusammenhang mehr stehen. Das kommerziell Erfolgreiche wird seither als unkünstlerisch diskreditiert. Diese Anspruchs- und Versorgungshaltung dem Staat gegenüber ist kritisch und für Theatermacher auch demütigend.

Wir hören bis heute die Kassandrarufe der älteren Herren, die sich nie wirklich um Gelder bemühen mussten und bei dem Thema sofort den Untergang des Abendlandes ausrufen, während es in Wirklichkeit nur um die Verteidigung der eigenen Pfründe und der Staatspension geht. Diese hypokritische Prüderie in Sachen Geld gibt es nur in Deutschland. Ich glaube an die kreative Haltung, die durch eine Mischung aus staatlichen Mitteln, Sponsoren und Mäzenatentum gestützt wird. Je mehr wir dabei selbst leisten, umso besser. Die Bayerische Staatsoper ist in Deutschland die Kultureinrichtung mit dem mit Abstand höchsten Mäzenaten- und Sponsorenanteil, der vier Millionen Euro im Jahr ausmacht. Der Versuch der Einflussnahme ist eine Mär. Mir hat noch nie jemand hineingeredet. Unsere Oper ist deshalb so gut ausgestattet, weil sie so viel selbst einnimmt. Mit einem Eigenfinanzierungsanteil von fast 40 Prozent sind wir Spitzenreiter.

Laut der Statistik des Deutschen Bühnenvereins haben wir in München einen Betriebszuschuss von 98 Euro pro Zuschauer. In Berlin sind es 266 Euro, in Stuttgart 177 Euro. So viel zum Thema Luxus. Theater ist kein zimperliches Metier. Wenn wir stark sind in dem, was wir tun, werden wir Freunde haben: Publikum, Mäzene, Politiker. Auch bei der Uraufführungsserie der neuen Oper „Babylon“ standen die Menschen mit „Suche Karte“-Schildern vor ausverkauftem Haus. Und auch der von Herrn Zehelein als Oberlehrer der Nation kritisierte Pavillon 21 war eine einzigartige Erfolgsgeschichte. Dort gab es unter anderem so wichtige Theaterabende wie die letzte Produktion von Christoph Schlingensief oder die Uraufführung von Miroslav Srnkas „Make No Noise“. Das Projekt hat in der ganzen Welt einen gigantischen Aufmerksamkeitseffekt gehabt. Es entstand aus einer vorbildlichen Zusammenarbeit von öffentlicher und privater Seite. Mit Kosten von drei Millionen Euro für drei Jahre hat der Pavillon sein Soll definitiv erfüllt. Ja, ihn wird es nun nicht mehr geben. Aber die Metallteile verwerten wir sogar noch für Bühnenbilder wieder.