Pro Stuttgart 21 im Internet Bei Facebook in der Mehrheit
Thomas Faltin, 20.10.2010 13:49 Uhr
Die Pro-Stuttgart-21-Gruppe auf Facebook Foto: http://www.facebook.com/fuer.s21
Die Pro-Stuttgart-21-Gruppe auf Facebook Foto: http://www.facebook.com/fuer.s21
""Bei der ersten Demo hatten wir nicht einmal ein Megafon.""
Steffen Kauderer über die Szene der Befürworter

Stuttgart - Es kann sich nur noch um Stunden handeln: Dann wird die Seite "Für Stuttgart 21" » in der Internet-Gemeinschaft Facebook 100.000 Unterstützer haben. Wie Alexander Steinwand, der am Dienstag auf dem virtuellen Schwarzen Brett fragte: "Hat jemand 'ne Idee für Plakate für die Großdemo am Samstag?" Die Interessengemeinschaft "Bürger für Stuttgart21" hat diese Facebook-Seiten gegründet, der Vorsitzende Sven Willing betreut sie: "Natürlich beruht die Zahl der Freunde nur auf Mausklicks und ist damit nichts Repräsentatives", sagt er selbst einschränkend. Dennoch wertet er es als "wahnsinnigen Erfolg", dass man die Facebook-Seite der Gegner » binnen weniger Wochen überflügelt hat - dort haben sich bisher 80.000 "Freunde" gemeldet.

Die sozialen Marktplätze im Internet werden für Befürworter wie Gegner von Stuttgart 21 immer wichtiger: Dort diskutiert man, dort kündigt man Veranstaltungen an, dort veröffentlicht man mehr oder minder brisantes Material. Doch längst haben auch die Befürworter den Weg ins wahre Leben gefunden. Immer mehr Menschen, die dem Bahnprojekt positiv gegenüberstehen, wollen dem wort- und aktionsmächtigen Widerstand der Gegner etwas entgegensetzen. Seit September haben sich so mehrere Gruppen gegründet, die Zahl der Teilnehmer an den Pro-Demonstrationen an den Donnerstagen ist zuletzt auf 5000 gestiegen, und vor kurzem haben sich vier dieser Gruppen zu einem Bündnis zusammengeschlossen.

Finanziert, das beteuern alle Vereinigungen, werde man ausschließlich durch Spenden und durch die Abgabe von T-Shirts oder Buttons. Und alle sehen sich als Bürgerbewegung und nicht als Ableger einer Partei, auch wenn in mancher Unterstützerliste CDU-, SPD- und FDP-Mitglieder auftauchen und auch wenn beispielsweise Steffen Kauderer, der Vorsitzende der Gruppe "Laufen für Stuttgart" und selbst Mitglied der Freien Wähler, eine Spende seiner Vereinigung nicht abgelehnt hat.

Die Befürworter wollen eine FAZ-Seite


Auch in der Professionalität versuchen die Befürworter gegenüber den Gegnern aufzuholen. "Bei der ersten Donnerstagsdemo hatten wir nicht einmal ein Megafon", sagt Steffen Kauderer - jetzt hält wie bei den Freitagsdemos der Gegner im Schlossgarten ein Autokran die Tonanlage. Auch die Aktionen werden vielfältiger. Die Idee von Joggingläufen zum Marktplatz stammt von Steffen Kauderer und Christian List. Zweimal in der Woche sind laut Sven Willing 20 bis 50 Befürworter in der Stadt unterwegs, um Anti-Stuttgart-21-Aufkleber von Straßenlaternen und Parkbänken zu kratzen. Und die Gruppe "Wir für Stuttgart 21" » sammelt Spenden, um möglichst große Anzeigen schalten zu können: "Wir wollen jetzt Firmen anschreiben, um vielleicht eine ganze Seite in der FAZ finanzieren zu können", sagt Eugen Wondratsch.

Das Befürworter-Bündnis wird übrigens von Werbeagenturen unterstützt, laut den Gruppen auf privater Basis. Christian List leitet selbst eine Agentur - er erhalte aber kein Geld für seine Tätigkeit für das Bündnis, betont Steffen Kauderer.

Die vorerst größte Aktion des Bündnisses soll die Demonstration am Samstag um 15 Uhr auf dem Schlossplatz werden - die Befürworter erwarten 10.000 Teilnehmer; es reden Bahnchef Rüdiger Grube und Ex-ministerpräsident Erwin Teufel. Ihr Erstarken hat die Befürworter auch selbstbewusst gemacht: Für das Bündnis sitzt Florian Bitzer in den Schlichtungsgesprächen, man fordert nun aber einen zweiten Platz. Wobei "stark" bei Facebook immer relativ ist: Auch der Juchtenkäfer "Super-Juchtie" » hat auf seiner Seite bereits 5300 Freunde.
Kommentare (121)
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NOV
22
Michael Reiling, 15:17 Uhr

Stuttgart 21

Habe nun ach! alles studiert S21, wie sich’s gebührt Von links nach rechts Mit heißem Bemühn. Ist Schwarz was Schlecht`s Ist gut, was grün? Da steh ich nun, ich armer Tor, und bin so klug, wie nie zuvor! Als Nichtstuttgarter, der wie die überwiegende Mehrheit der Bundesbürger über das Projekt Stuttgart 21 bestens informiert ist, der – wie die überwiegende Mehrheit der Bundesbürger und Berliner Politiker aus dem linken /grünen Spektrum - alle Gutachten (pro und contra) sorgfältig gelesen, alle demokratischen Entscheidungen für dieses Projekt verfolgt, sämtliche Urteilsbegründungen der Gerichte studiert, alle Schlichtungsübertragungen verfolgt hat, komme ich zu dem Schluss: DAS PROJEKT MUSS GESTOPPT WERDEN! Zusätzlich sollten folgende Maßnahmen ergriffen werden: • Die Stadt Stuttgart erklärt sich durch Volkstabstimmung – ob auch Bundesbürger mitstimmen sollten, müsste noch geklärt werden - zur „Freien Bundesstadt“ (Name: „Bad Grünstadt“). • Regierungssitz ,Verwaltung und Justiz von Baden-Württemberg wird nach Baden verlegt ( die Stadt der 48-er Revolution Rastatt oder die Stadt der Verfassung Karlsruhe wird neue Hauptstadt von Baden-Württemberg). • In der –nach griechischem Vorbild – neuen Stadt (Neopolis) wird eine sog. Chlorokratie eingeführt, in der einfachheitshalber nur eine Partei- die GFP (Grüne- Friedens- Partei) regiert. • Wegen schlechter Erfahrungen aus der Vergangenheit mit Arbeiter- und Bauernstaaten wird aus „Neopolis“ ein Kulturstaat, in dem nur „Kulturschaffende“ und Gebildete (nach Platon die „Philosophen“) das Sagen haben. • Damit alle Bürger die Chance auf gleiche Bildung und damit auch das Recht auf Mitsprache haben, werden alle bisherigen Schulformen abgeschafft. Es gibt nur noch eine Schulform: die 16-jährige integrierte „Grüne Reformschule“. Noten und Sitzenbleiben, Arbeiten, Klausuren, Prüfungen werden abgeschafft. Wer 12 Jahre freiwillig die Schule besucht hat, bekommt automatisch einen Abschluss, wer es 14 Jahre aushält, einen Abschluss „cum laude“, wer es sogar 16 Jahre übersteht, den Abschluss „summa cum laude“. Jeder Abschluss berechtigt zur Bewerbung an einer Hochschule. • „Grünstadt“ wird, was die Energieversorgung betrifft, autark. Hunderte Windräder auf den Höhenzügen der Stadt und in den Vorgärten der Häuser, Solaranlagen auf den Dächern sorgen für Wind- und Sonnenenergie. Die Einfuhr von Strom aus dem deutschen und europäischen Stromnetz wird verboten. • Das Heizen mit fossilen Brennstoffen ist untersagt. • Autos sind im gesamten Stadtbereich verboten. Für den Straßenverkehr sind nur noch Fahrrad, Tretroller, Pferd oder Maulesel erlaubt • Jeglicher Zugverkehr ist untersagt. Die Deutsche Bundesbahn wird verpflichtet, ihr Schienennetz um „Grünstadt“ herum zu legen. • Der Hauptbahnhof wird wieder aufgebaut und „Museum der ökologischen Revolution“ . • Es gibt keine Unterschiede bei den Einkommen. Auf Privateigentum (Stadtwohnungen, Häuser, Grundstücke) wird verzichtet. Jeder Bürger hat die gleichen Einkünfte. Ausnahme: Hartz IV – Empfänger (falls es solche noch geben sollte) erhalten mehr Einkommen als die übrigen Einwohner. • Aus Kostengründen werden Institutionen und Bauwerke, die nur von einer Minderheit genutzt werden ( z.B. Museen, Theater, Konzerthäuser und Kirchen), keine Unterstützung mehr vom Bürgerhaushalt) • Die „Großtierhaltung“ in der „Wilhelma“ wird allmählich abgebaut: Im Tiergarten , aber auch im gesamten Stadtgebiet sollen sich allmählich so seltene Tiere wie der Juchtenkäfer, der Halsbandsittich, die Kastanienminiermotte, der Marderhund, Waschbär, Mink, Nandu, Ochsenfrosch, Asiatischer Marienkäfer, der 1-Million-Dollar-Käfer und besonders der „Rothe Paradiesvogel“ heimisch fühlen. Auch das sind Tiere, die ein menschenwürdiges Leben verdient haben. • Weil in dieser Staatsform die Menschen nur friedlich miteinander umgehen und die Gesetze und Verordnungen, über die sie ja selbst abgestimmt haben, gewissenhaft achten, braucht die Stadt auch keine Polizei mehr. So regeln z. B. Bankräuber ihre „Interessen“ mit den Bankangestellten auf friedliche Weise) • Für eine Übergangszeit sollten folgende Personen die Führung übernehmen (nach dem Vorbild von Platons „Politeia“: • Oberster Regent der Philosoph und Oberlehrer: W. Kretschmann. Als Philosoph besitzt er eine von Natur aus gegebene Intelligenz. • Als Berater fungieren die Mitglieder der Grünen-Fraktion • Die Wächter zeichnen sich vor allem durch eine starke emotionale Komponente ihres Charakters aus und es wohnt ihnen eine von Natur aus eine gewisse Erzürntheit inne. Für dieses „Wächter-Amt“ eignen sich besonders international angesehene W. Sittler und der Parkschützer M. von Herrmann, die Erinye Claudia, die Rothe, und Betroffenheits-Cem Özdemir. Mit ihrer zur Schau gestellten Betroffenheit gelingt es ihnen leicht, Andersdenkende oder andere Störenfriede zu „befrieden“. • Da es nur noch Gebildete gibt, braucht die „Neopolis“ auch keine Arbeiter und Handwerker mehr. Ich bin gespannt, wie sich die Dinge entwickeln werden und glaube, dass diese neue Stadtform auch bald zum Vorbild für andere Städte in der Bundesrepublik werden wird. Z.B. Tübingen mit ihrem Oberphilosophen Palmer. Michael Reiling Bonndorf

OKT
24
Joachim, 04:32 Uhr

@Georg42

Kleine Korrektur: der Hinweis (den ich ja auch gelobt habe), dass die Befürworter nicht wesentlich dicker seien als die Gegner, war nicht von mir, sondern von "platz". Im Übrigen bin ich nicht Befürworter, sondern Gegner. Nach der Bloßstellung der traurigen Kapazität des Kellerbahnhofs durch Herrn Palmer mehr denn je.

OKT
23
georg42, 12:40 Uhr

kommentar von joachim 21.1o.10

hallo joachim, deinen Hinweis - so viel dicker als ihr sind wir auch nicht - finde ich - Gegner S21 - einfach super. Herzlichen Dank für diesen Lacher in diesen scheinbar düsteren Zeiten. Wir Gegner und ihr Befürworter könnten sich sicher auch auf anderen Ebenen gut verständigen! Oben bleiben, auch für Jene, welche in den Untergrund wollen! Georg42

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