Pro und Kontra Schulnoten Klare Sprache – oder reine Willkür?

Von Arnold Rieger 

An Schulnoten scheiden sich die Geister – und die Meinungen unserer Kommentatoren. Während der eine für einen klaren Maßstab plädiert, argumentiert der andere, einen solchen Maßstab gebe es doch gar nicht.

Schüler leiden oft an Zensuren – oder ist es eher die Art, wie Erwachsene damit umgehen? Foto: dpa
Schüler leiden oft an Zensuren – oder ist es eher die Art, wie Erwachsene damit umgehen? Foto: dpa

Stuttgart - Pro: Schüler brauchen klare Maßstäbe statt blumiger Formulierungen, meint Arnold Rieger:

Zensuren in der Schule gehören abgeschafft. Tore im Fußball haben ausgedient. Und Siegertreppchen sind reif für die Müllhalde. – Das alles ist natürlich kompletter Unfug. Wettbewerb gehört zum Leben wie Gemeinsinn und Eigennutz. Wo Menschen beieinander sind, wollen sie sich vergleichen und ihre Kräfte messen. Ob im Sport, im Beruf und bei hunderterlei anderer Gelegenheit. Und dazu bedarf es Skalen und Maßstäbe, um abzulesen, wer wo steht.

Die Schule ist ein idealer Ort, um dies einzuüben. Natürlich kann das hart sein. Physik 4+, Deutsch 5: Kinder und Jugendliche müssen auch lernen, mit Misserfolgen umzugehen. Doch wer sich mit ihnen unterhält, wird schnell erkennen, dass sie selbst eine klare Bewertung wollen. Kein Geschwurbel nach Art der Personalchefs, das ja auch wieder nur Chiffren enthält für die Einschätzung einer Leistung. Anstatt um den heißen Brei zu reden, sollte man ihnen klar sagen, wie es um ihre Leistungen steht. Es liegt dann an Lehrern und Eltern, dies im Gespräch einzuordnen.

Es liegt an den Erwachsenen

Überhaupt sind am Schülerleid nicht die Zensuren Schuld, sondern es ist die Art, wie Erwachsene damit umgehen. Wenn sie ihrem Nachwuchs das Gefühl vermitteln, dass Wertschätzung strikt an Noten gekoppelt ist, machen sie etwas falsch. Mit ein bisschen Erfahrung weiß man ohnehin, dass Schulnoten nicht gleichbedeutend sind mit Erfolg oder gar Zufriedenheit im späteren Leben. Sie abzuschaffen, hieße aber einen Schonraum aufzubauen, der mit der Lebenswirklichkeit nichts zu tun hat.