Prostitution in Stuttgart Sexgewerbe soll gezügelt werden

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Ärger im Leonhardsviertel: Die Bewohner hadern mit den Sexclubs.  "Hier herrscht die übelste Form der Prostitution", sagt die Bezirksvorsteherin.

Was hinter diesen Türen vor sich geht, das lockt viele Männer an. Foto: Heiss 4 Bilder
Was hinter diesen Türen vor sich geht, das lockt viele Männer an.Foto: Heiss

Stuttgart - Nach jahrelangen Protesten, nach einer Unterschriftensammlung und einer Demonstration hatte die Bürgerinitiative "Rettet das Leonhardsviertel" Erfolg: Der Stuttgarter Gemeinderat beschloss einen langen Katalog von Maßnahmen, mit denen das Sexgewerbe aus dem Altstadtquartier zwar nicht vertrieben, aber doch gezügelt werden sollte. So wollte man in Zukunft keine neuen Vergnügungslokale mehr genehmigen, Hausverkäufe mit einem städtischen Vorkaufsrecht belegen, in Einzelfällen Häuser erwerben. Und die Stadt wollte ihren Immobilienbestand in dem Viertel selbst modernisieren, um dort die Wohnqualität zu verbessern.

Das war im Juli 1984. Eine "heile Welt" werde man im Leonhardsviertel zwar nicht einrichten können, sagte damalige Oberbürgermeister Manfred Rommel in der entscheidenden Ratssitzung, aber es solle doch verhindert werden, dass sich die Lebensqualität der dort lebenden Bürger noch weiter verschlechtere.

Die Klagen aus dem Quartier mehren sich

Manches ist seither geschehen, zweifellos, aber nicht nur Gutes. Inzwischen mehren sich die Klagen aus dem Quartier über die Zustände wieder. Sprachrohr dieser Stimmen ist die Bezirksvorsteherin Veronika Kienzle (Grüne), die seit Längerem fordert, dass sich die Stadt der Probleme des Viertels wieder stärker annimmt. "Hier herrscht die übelste Form der Prostitution", stellt Kienzle fest. "Keiner will das Milieu herausdrängen", betont sie. "Aber das Nebeneinander von Milieu und Bürgern funktioniert nicht mehr."

Die Verhältnisse im Leonhardsviertel haben sich seit einigen Jahren verändert, besser gesagt: verschärft. Der Straßenstrich ist intensiver geworden. Inzwischen sind die Prostituierten, die vor allem aus Rumänien, Bulgarien und Ungarn stammen, in dem Quartier rund um die Uhr anzutreffen. "Früher gab es auch Zeiten, da war da tote Hose", sagt ein langjähriger Beobachter des Gewerbes. "Jetzt gibt es keine Ruhezeiten mehr." Ein weiteres Indiz für die Entwicklung: der Preisverfall bei den Sexdiensten, die Freiern inzwischen schon für 30 Euro, mitunter bereits für 20 oder 15Euro angeboten werden. "Das hat's früher nicht gegeben", sagt ein Insider. "Selbst die Junkies, die Outlaws des Gewerbes, haben sich nicht so billig verkauft."

Prostituierte werden dirigiert und drangsaliert

Im Leonhardsviertel ist heute auch ein früher nicht bekannter Typus von Zuhälter anzutreffen. Er ist ebenfalls osteuropäischer Herkunft und hält sich nicht mehr im Hintergrund, sondern ebenfalls auf der Straße auf, um dort die Prostituierten zu dirigieren und zu drangsalieren. Diese Aktivitäten beeinträchtigen das Leben der Anwohner und das Geschäft der Gastronomie in dem Quartier. Die negative Entwicklung hat verschiedene Gründe.

Die Osterweiterung der Europäischen Union ist eine Ursache, aber auch Gesetzesänderungen in Berlin haben daran mitgewirkt. So habe das Prostituiertengesetz der rot-grünen Bundesregierung aus dem Jahr 2002, das die rechtliche und soziale Lage der betroffenen Frauen verbessern sollte, sein Ziel tatsächlich verfehlt, das Handeln der Behörden gegen Auswüchse des Sexgewerbes aber nachhaltig erschwert, sagen Fachleute. So gilt Prostitution heute als Dienstleistung, Zuhälterei ist nicht mehr strafbar, sofern sie nicht mit der Ausbeutung der Dirnen verbunden ist.

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9 Kommentare Kommentar schreiben

Probleme selbstgemacht: Die Ursachen liegen ja wohl eher in der sozialen Ausgrenzung sexueller Dienstleistungen, was dazu führt, das sich das ganze Gewerbe im halblegalen bis illegalen Rahmen bewegt. Würde Prostitution gesellschaftliche anerkannt, würde den Damen und Herren, die diese Dienstleistung anbieten wollen, eine vernünftige Ausbildung und einen anerkannten Mindeststandard zuteil, dann wäre schon viel gewonnen. Nicht vertreiben ist angesagt, sondern Inklusion und Professionalisierung.

Noch viel schlimmer...: ...ist die Porsche-Fertigung in Zuffenhausen, denn dort entstehen (O-Ton Kretschmann) 'pornografische' Produkte, Lohnsklaven werden dort mit der Zahlung zusätzlicher Erfolgsprämien ausgebeutet, kapitalistische Abgründe, die die grün-rote Seele aufwühlen

'Die Globalisierung bringt nicht Reichtum zu den armen Ländern sondern Elend zu den reichen Ländern. Also zur generellen Bevölkerung, die Superreichen bleiben natürlich superreich, bzw werden eher noch superreicher. ': http://blog.fefe.de/?mon=201105 Wo er Recht hat, hat er Recht. Und die Analyse der 'BCG' sollte man dann auch gleich lesen. Vielleicht fällt ja Hr. Schooster noch was ein, 'bevor er geht'. Aber: 'Nun ja.'

@ RB: 'Huren werden von osteuropäischen Zuhältern 'dirigiert' und 'drangsaliert'...Dienstleistungen für 15 EUR. Wo leben wir eigentlich mittlerweile? Zustände wie im Slum eines Drittweltlandes. Mal ehrlich: ich habe von Europa, insbesondere Osteuropa, die Nase gestrichen voll. Ebenso von Globalisierung und Privatisierung. Diese Irrlehren werden entweder geregelt abgewickelt oder sie werden im Chaos untergehen. Beim allgemeinen Zustand unserer Demokratie und ihrer handelnden Akteure tippe ich leider eher auf Letzteres.' Do hent Se wüscht Recht.

@ Bürger - das passt hervorragend zu Stuttgart: Wen wundert es. Die ganze Stadt verkommt doch. Man muss nur ins Europaviertel oder auf den zerstörten Boantzbau schauen. Recht wird in Stuttgart mittlerweile ausgelegt wie man es persönlich gerne hätte. Also nicht wundern...

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