Protest der Privatschulen Schulausflug der besonderen Art
Inge Jacobs, Fotos: Achim Zweygarth, vom 20.01.2010 10:27 Uhr
Gute Laune trotz klirrender Kälte: Privatschüler demonstrieren für "endlich faire Bedingungen". Foto: Zweygarth
Stuttgart - Mit Trillerpfeifen und unzähligen Transparenten machen rund 20.000 Demonstranten in Stuttgart lautstark und raumfüllend auf ihr Anliegen aufmerksam. "Bildung statt Bahnhof", steht auf den Transparenten. Und: "Wir wollen keine Reichenschulen sein." Der dichte Protestzug, der am Hauptbahnhof startet, ist so lang, dass die Demonstranten die Stadteinwärts-Spuren der Konrad-Adenauer-Straße bis zum Charlottenplatz geschlagene zwei Stunden komplett blockieren - aber friedlich und "hochdiszipliniert", wie ein Polizeisprecher lobend feststellt.
Es ist ein Schulausflug der besonderen Art: Aus dem ganzen Land sind Schüler, Eltern und Lehrer in 110 Bussen und mit Bahnen nach Stuttgart gekommen, um pünktlich zu Beginn der Haushaltsberatungen im Landtag ihrer Forderung nach einer höheren Bezuschussung für Schulen in freier Trägerschaft Nachdruck zu verleihen.
"Mehr Geld" steht in Krakelbuchstaben auf einem selbst gemalten Schild, das die Drittklässlerin Lynn stolz hochhält. Und ganz klein drunter: "Für die Waldorfschule". Zusammen mit Schulkameraden ist das Mädchen aus Biberach in die Landeshauptstadt gereist. Weshalb? "Na, damit wir weiterbauen können", sagt die Waldorfschülerin selbstbewusst.
Was treibt Eltern dazu, ihre Kinder an Schulen in freier Trägerschaft anzumelden und hierfür auch noch jeden Monat Schulgeld zu bezahlen? Das ist für Lynns Mutter Christiane Guerra, die mitdemonstriert, keine Frage: "Die Waldorfpädagogik entspricht meinem Kind." Der Unterricht dort sei "nicht so kopflastig, sondern vielseitiger". In den staatlichen Schulen hingegen sei ihr das Leistungsdenken zu dominant: "Man fordert zu früh zu viel von den Kindern - und man beraubt sie damit ihrer Kindheit", sagt die Mutter.
"Weiter so!"
Währenddessen passiert der Protestzug das Königin-Katharina-Stift, das in städtischer Trägerschaft ist. An den Fenstern dort drängen sich die G8-Schüler, deren Eltern keinen Cent Schulgeld bezahlen müssen. Die "Katzenstiftler" drücken von innen rasch geschriebene Solidaritätsbotschaften an die Scheiben: "Weiter so!", steht darauf. Diese spontane Unterstützung quittieren die Demonstranten mit fröhlichem Trillern und Jubeln.
Auch ein "Waldorfpapa" aus Biberach ist zur Demo gekommen. Sein Sohn habe in der öffentlichen Grundschule nur Probleme gehabt. Seit viereinhalb Jahren sei er nun auf der Waldorfschule, seither laufe es gut. "Die Kinder stehen nicht so unter Druck", meint er. Sie gingen zwar länger in die Schule, "aber sie gehen gern hin". Ihm ist wichtig, dass jeder sein Kind in eine freie Schule schicken kann, "auch Leute mit wenig Geld - und dafür brauchen wir mehr Geld vom Staat".
Just um die Höhe der Landeszuschüsse wird im Landtag gefeilscht, als draußen der Protestzug vorbeizieht. Christian Schad, der Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Freier Schulen in Baden-Württemberg, fordert die Landesregierung auf, die Privatschulen wie versprochen mit 80 Prozent der Kosten für Schüler an öffentlichen Schulen zu unterstützen. Dafür müssten im Landeshaushalt jährlich 47,5 Millionen Euro mehr eingeplant werden. Derzeit betrage die Förderung jedoch nur zwischen 60 und 70 Prozent. Kultusminister Helmut Rau weist die Forderung zurück. "Allein für 2010 sind im Haushalt zusätzliche 45,8 Millionen Euro für die Privatschulen vorgesehen", erklärte er. Beschlossen ist dies freilich noch lange nicht.
"Da wird sich mehr gekümmert"
Arnold Zeeb-Zeller aus Asperg schickt seine Tochter auf das katholische St. Agnes-Mädchengymnasium nach Stuttgart: "Da wird sich mehr gekümmert", sagt er und verweist auf strukturelle Defizite im öffentlichen Schulwesen, die er in der Schule seines Sohnes erfahren habe. Dort sei er nie über Schulfeste informiert worden, auch ein Kontakt zu anderen Eltern habe kaum bestanden. Im Agnes-Gymnasium hingegen werde Wert auf soziale Projekte gelegt. Zeeb-Zeller räumt allerdings ein, dass private Schulen durchaus selektiv seien, denn dorthin gingen nur Kinder, deren Eltern die Bildung am Herzen liege. Dafür bezahlt er gern die rund 250 Euro Schulgebühr im Jahr. Die meisten Privatschulen sind teurer. 680 gibt es in Baden-Württemberg - mit rund 135000 Schülern. Allein in der Landeshauptstadt werden 18 Schulen in freier Trägerschaft betrieben. Rund 16 Prozent aller Stuttgarter Schüler an allgemeinbildenden Schulen besuchen sie.
Den Stuttgarter Privatschulen hat der Gemeinderat bereits die freiwilligen städtischen Zuschüsse von 60 auf 45 Prozent gekürzt. Nun drohen ihnen - wie auch allen anderen im Land - weitere Einbußen. Einzelne Schulen haben bereits angekündigt, die Elternbeiträge erhöhen zu müssen. Nicht nur Michael Wolf, Deutsch- und Physiklehrer am evangelischen Mörikegymnasium, befürchtet, dass dann die Schüler wegbleiben. Auch Steffen Schmid, Elternvertreter der freien Schulträger im Landeselternbeirat, warnt: "Man darf uns nicht mit Eliteschulen verwechseln - viele Eltern sparen sich das Schulgeld vom Mund ab."
Mittlerweile sind die Demonstranten am Schlossplatz angekommen. Es sind so viele, dass der Platz nicht reicht. Die Schüler finden das "cool", die Veranstalter sind zufrieden. Auf einem Transparent steht: "Wir sind keine Landeskinder zweiter Klasse." Der Druck auf die Politik wächst.
Privatschulen in Sachsen besonders gefragt
Schulen
Im vergangenen Schuljahr gab es nach Angaben des Statistischen Bundesamts in Deutschland 5014 private Schulen, das sind 55 Prozent mehr als im Jahr 1992. In den alten Bundesländern stieg die Zahl um 22,3 Prozent an, in den neuen Ländern hat sich die Anzahl verfünffacht. Von den 5015 Schulen in freier Trägerschaft sind 3057 allgemeinbildende Schulen, die anderen sind Berufsschulen. Die Klassen sind meist gleich groß wie in öffentlichen Schulen.
Schüler
Von den rund zwölf Millionen Schülern in Deutschland besuchten 2008 rund 7,8 Prozent eine freie Schule. Spitzenreiter ist Sachsen mit einem Anteil von fast 13 Prozent, Schlusslicht ist Schleswig Holstein (3,6 Prozent). Baden-Württemberg liegt mit 8,6 Prozent hinter Bayern (10,4) und Thüringen (9,0) auf dem vierten Platz. Allerdings ist in Thüringen der Anteil der privaten Berufsschüler (15,6) weit höher als im Südwesten mit 9,6 Prozent. Der Ausländeranteil an allgemeinbildenden Privatschulen liegt im Südwesten bei 4,2, deutschlandweit bei 4,0, in Bayern aber bei 9,4 Prozent. (Renate Allgöwer)
An alle Lehrer und Schüler,
Die diese sagenhafte Demo zuwege gebracht haben, Hut ab, vor solch großer Beteiligung,
Die Schulen!
Die Kindergärten!
Die Straßen!
Die Gleise der Bahn!
Die Züge der Bahn, stehen laufend man sollte sich nur die Schlagzeilen der letzten 2 Monate verinnerlichen, unsere gesamte Infrastrucktur, des gesamten Landes geht vor die Hunde!
Stuttgart 21, das Projekt einiger Wahnsinnigen!,
diese Bahnprojekt, welches in Wirklichkeit ein Immobilien Projekt ist,
wurde Kalkuliert mit 4,1 Milliarden €uro, die Tatsächlichen Kosten sind stand heute nicht zu überblicken, dieser Bahnhof wird auch zum Jahre 2019 nicht fertig Gestellt werden!
Kostensteigerungen um mehrere Milliarden, bei fragwürdiger Kalkulation und ohne weiteren Risikopuffer, keiner von den Projektpartnern will die Verantwortung für weitere Kostensteigerungen übernehmen
keine Angaben zur Wirtschaftlichkeit von Stuttgart 21; Finanzierungs-, Instandhaltungs- und Betriebskosten sind unbekannt bzw. werden nicht veröffentlicht
die Risiken für Klima, Grund- und Mineralwasser und Nesenbach Verlegung sind nicht ausreichend untersucht (siehe abgebrochene Probebohrungen).
Energie, Co2 und Feinstaubbilanz für Bau und Betrieb ungeklärt.
Zerstörung eines denkmalgeschützten Wiedererkennungssymbols in Form des Architekturkunstwerks Bonatzbau.
unterdimensionierte und kundenfeindliche Neuplanung durch Ingenhoven Entwurf (Aufzüge, Rolltreppen, Bahnsteigbreite, etc.) Nachteile für den Regionalverkehr.
Zerstörung der städtebaulichen Ordnung, einer in Jahrhunderten gewachsenen Stadt auf Dauer, die querdurchtrennung der Stadt durch den 8m hohen Tunnelwall,
Fällung von ca. 300 alten Bäumen und Zerstörung und Zerschneidung des Stadtparks
Komplette Ignoranz von Bahn und Politik gegenüber den Bürgern dieser Stadt und des Landes Baden Württemberg.
Verschuldung des Landes ins unermessliche, ihr Schüler, ihr jungen Leute von heute Ihr seid die bezahlenden in der Zukunft, jawohl es geht um eure Zukunft, bundesweit!!!!!
aus diesem Grund würde ich euch gerne Einladen zu unseren Montags Demos.
Wir demonstrieren auch und schaffen immer so um die 3000 Demonstranten, dass ist zu wenig!
da dieses Thema auch euch Betrifft, bitte ich euch kommt Zahlreich!
mit 3000 Leuten können wir es nicht schaffen, mit eurer Hilfe erregen wir viel mehr Aufsehen, bitte kommt zu diesen Terminen, wir Demonstrieren gegen Stuttgart 21.
25-01-2010, 18:00 Uhr Nordausgang Hauptbahnhof Stuttgart
29-01-2010, 18:30 Uhr Nordausgang Hauptbahnhof Stuttgart,
an diesem Tag kommt Herr Grube, Vorstand der Bahn!
01-02-2010, 18:00 Uhr Nordausgang Hauptbahnhof Stuttgart
02-02-2010, 13:00 Uhr kleine Schalterhalle Hauptbahnhof Stuttgart
Kommt Zahlreich dies ist Eure Zukunft!!!!!
mit freundlichem Gruß
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JAN
20
23:08 Uhr, geschrieben von Familie B
Versprechen halten! Mehr nicht!
Eigentlich wurde schon alles zu diesem Thema gesagt. Rechnen sollte man können, einen klaren Blick sollte man haben, sehr geehrte Damen und Herren der Landesregierung!
Wäre auch nur ein Funken Verantwortung gegenüber den Kindern - übrigens der Zukunft dieses Landes, falls das vergessen wurde! - vorhanden, gäbe es gar keine Diskussion, dass gemachte Zusagen eingehalten werden und Eltern von Privatschülern NICHT DOPPELT zur Kasse gebeten werden!
Okay, die finanzielle Situation hat sich gegenüber dem Zeitraum, in dem dieses Zusagen gemacht wurden, verändert. Nicht zuletzt durch Stuttgart 21!!! - Das kann und darf aber auf gar keinen Fall bedeuten, dass KINDER darunter zu leiden haben!
Wäre das staatliche Schulsystem so gestaltet, wie es für die - auch für die innere! - Entwicklung der Kinder förderlich ist., würden private Schulen keinen derartigen Zulauf haben!
Dass sogenannte "Volksvertreter" (auch Eltern und Schüler privater Schulen gehören zum Volk!) sich überhaupt erdreisten, derartig mit einer Gruppe "ihres" Volkes umzugehen, ist mehr als beschämend. So wie in anderen Bereichen, werden auch hier Statistiken und Fakten von den Verantwortlichen "schön gerechnet", dass einem nur noch übel werden kann! Das nenne ich verantwortungslos und unaufrichtig in höchstem Maß!
Da fällt mir doch glatt die Frage ein: Was bitte würden Sie denn tun, wenn die 135. 000 Schüler von Privatschulen an die Türen der staatlichen Schulen klopfen? Haben Sie schon einmal daran gedacht, was aus den Schülern würde, die vielleicht plötzlich auf der Straße stehen, weil ihre Privatschule nicht mehr existieren kann????
Man kann nicht immer nur auf die Kinder und Jugendlichen schimpfen, weil sie sich nicht so entwickeln, wie es von der Gesellschaft gewünscht ist und sie sich fehlverhalten. Man muss auch etwas dafür tun, dass sie in Ruhe und einem gesunden Schulsystem zu verantwortlichen Erwachsenen werden. Dann ist die Zukunft unseres Landes gesichert! - Aber wirklich nur dann!
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JAN
20
20:48 Uhr, geschrieben von Schockierter Schüler
Bildung
Das Ziel der Bildung ist es nicht, Kindern und Jugendlichen Wissen zu vermitteln und sie zu reflektierten Individueen zu erziehen. Es geht doch nur noch darum, Leistungs-Zertifikate in Form von Noten zu erlangen und sich damit dann für Unis oder die Wirtschaft zu empfehlen. Wenn die Eins dann im Zeugnis steht, interessiert es ohnehin keinen mehr, ob dauernd hirnlos die auswendig gelernten Heftaufschriebe in Unterricht und Klausur wortwörtlich reproduziert wurden oder ob wirklich Begabung und Interesse vorliegt.
Die mündliche Beteiligung verkommt zum Ort der Profilierung notengeiler Durchschnittsschüler, deren Bedürfnis, auf simpelste und nivaeuloseste Fragen wieder und wieder mit vorhersehbaren Standardantworten zu reagieren, zum Schlaf aller ernsthaft Interessierten und Denkenden führt. Großteile der Unterrichtszeit werden dazu verschwendet, Situationen zu inszenieren, in denen aus irgendwelchen Verhaltensweisen, Referaten, Gesten auf den Wert der Variable "Leistung" bei verschiedenen Schülern geschlossen werden kann.
Z.B. werden im letzten G9-Zug jetzt Dinge aus dem Untericht gestrichen, weil man fürs Abitur nicht mehr wissen muss, als die G8-Kollegen. Das sieht doch eher nach der Sicherstellung von Chancengleichheit in einem Benotungsverfahren aus, als nach dem was Bildung eigentlich sein sollte: Vermittlung von Wissen. Das Gestrichene brauchen wir also nicht mehr, weil es im Abitur nicht verlangt ist. Wissen an sich ist also egal, nur das Abitur zählt, in dem sich jeder Streber mit durchschnittlicher Intelligenz seinen Einser-Schnitt holen kann, wenn er ein emsiger Pauker ist?
Dabei wird in der Interpretation des Grundgesetzes mit "Jeder hat ein Recht auf Bildung" immer von einem Bildungsbegriff ausgegangen, der sozusagen einem Gang durch die "Leistungs"evaluationshölle, einer Eintrittskarte zum Studieren/Arbeiten entspricht, aber an sich keinen Wert hat. Weil Bildung im eigentlichen Sinne dem Staat nichts bringt und auch kein Mensch dafür zahlen will. Wenn richtige Bildung, der Noten egal sind, versagt bleibt, kann das zwar im Sinne des Steuerzahlers sein, der nur für Dinge (Schüler) bezahlen will, die im später was bringen (Rente). Aber der demokaritsche und menschliche Wert der Bildung, der Grund, warum sie im GG steht, bleibt egal. Man finanziert nichts weiter als eine Massenverdummung, denn warum den schnöselhaften, elitär-überheblichen Forderungen entsprechen, die Demokratie eigentlich stellt?
Wenn schon eine Privatschule über den uneigentlichen Bildungsbegriff nicht hinaus ist (eigene Beobachtung), mit welch harter Hand wird dann erst in den Instituten des Staates der rein Lernwillige für dumm verkauft?
Da passt es natürlich ins Bild, dass eine leichte Linderung dieses Schreckens, wie sie die Privatschule leider nicht verbessern darf, schon als selbstherrlicher Schritt über alle Grenzen gilt, eine Selbstherrlichkeit, die auf der Gegenseite eine Arroganz-Allergie zum Vorschein bringt, welche sich nur mit der Forderung "Dafür zahlt ihr einmal, nein zweimal" beruhigen lässt.
Am Samstagnachmittag spielt der VfB Stuttgart bei Bayer Leverkusen. Und da der VfB vier Liga-Pleiten in Folge kassierte, stellt sich die Frage: Wird diese Serie nun ein Ende nehmen?
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