Protestmarsch gegen Stuttgart 21
Tausende demonstrieren schweigend
Thomas Braun und Jörg Nauke; Fotos: A. Vogt,
20.08.2010 23:40 Uhr
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Foto: Rudel
""So sinnvoll wie der Turmbau zu Babel"."
Renate Künast über Stuttgart 21.
Gegen 18 Uhr hatte sich der Protestzug in Marsch gesetzt. Statt lauter Vuvuzelas und Trillerpfeifen ertönten lediglich Gongs, gelegentliche Trommelschläge – und es war ein Abrissbagger zu hören, dessen Zähne sich beim Abbruch des früheren City-Air-Terminals in Beton und Stahl verbissen. Vorneweg und mittendrin sah man schwarz gekleidete Teilnehmer mit weißen Gesichtern. Auf dem großen Transparent, hinter dem die Grünenelite marschierte, prangte das Motto des Schweigemarsches: "Alles gesagt – Stuttgart 21 stoppen". Matthias von Hermann, der Sprecher der Parkschützer, die die Veranstaltung organisiert hatten, sagte, die Schwarzgewandeteten orientierten sich an Vorbildern aus dem Mittelalter – heute werde eben vor der "Pest Stuttgart 21" gewarnt. Auch aus den benachbarten Wahlkreisen bekannten sich Bürger mit Transparenten dazu, Stuttgart 21 schlecht zu finden. Auf Plakaten war unter anderen zu lesen: "Stille vor dem Sturm" und "Ihr kriegt uns nicht los – wir euch schon".
Eigene Lesart des CDU-Kreisgeschäftsführers
Die Spitze des Zuges machte vor dem Neuen Schloss halt – die Residenz gab eine ideale Kulisse für Fotografen und Kameraleute ab. Renate Künast, Winfried Kretschmann und auch der Vorsitzende des Verkehrsausschusses im Bundestag, Winfried Hermann, waren längst an der Bühne angelangt, da hatten die letzten im Protestzug noch nicht einmal begonnen loszulaufen. Kurz vor 19 Uhr legten die Demonstranten drei Schweigeminuten ein, anschließend wurde beim sogenannten Schwabenstreich eine Minute lang Krach geschlagen. Eine ganz anderes Bild vom Protestpotenzial wollte am Freitag der CDU-Kreisgeschäftsführer Roger Schenk für seine Parteifreunde zeichnen. Schenk versuchte in einem Rundschreiben samt Fotoanhang den Eindruck zu erwecken, der Protest sei gar nicht von einer breiten Bevölkerungsschicht getragen. Vielmehr zeigen die Bilder Personen aus der linken Szene, die nach einer durchwachten Nacht vor dem Bauzaun campieren. Besonderes Augenmerk legte der CDU-Fotograf auf einige Bierflaschen.
Schenk schrieb dazu: "Nachdem in der Presse und Öffentlichkeit gerne das Bild verbreitet wird, dass die Demonstranten angeblich aus allen bürgerlichen Schichten kommen, haben wir uns selber ein Bild gemacht." Die Parteifreunde erhielten eine "Auswahl von Eindrücken der Demonstranten aus den ,bürgerlichen Schichten‘ vor Ort". Schenks Bilanz: "Die Bilder sprechen für sich" – allerdings sprach auch die überraschte Reaktion des Kreisvorsitzenden Michael Föll Bände. Mit der Aussage "Das ist nicht meine Wahrnehmung, ich kenne dieses Schreiben nicht", distanzierte er sich von seinem Geschäftsführer. Auch CDU-Pressesprecher Hendrik Warda suchte gar nicht erst nach einer Ausrede: "Wir wissen, dass die Demonstranten aus allen Schichten kommen und respektieren auch den Protest." Die CDU bedauere, dass die Mail auf offiziellem Wege in die Briefkästen der Mitglieder geschickt wurde. "Der Text hat ja eine gewisse Ironie", sagt Warda, "man hat nur die Pointe vergessen."
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Tausende freuen sich still auf Stuttgart 21
Ist den Gegnern von Stuttgart 21 eigentlich mal in den Sinn gekommen, dass die Mehrheit der Bürger für Stuttgart 21 ist? Wir Freunde und Förderer von Stuttgart 21 brauchen nicht auf die Straße zu gehen, da das Projekt ja seit dem 02.02.2010 endlich realisiert wird. Stuttgart freut sich auf Stuttgart 21.
@Karl Heinz Siber: Klagen
Die Bahn wird als eigenständiges Unternehmen geführt. So sieht es das Gesetz vor. Daher kann die Bahn selbstverständlich gegen Entscheidungen des Bundes juristisch vorgehen. Die Eigentumsverhältnisse spielen dabei keine Rolle. Es kommt auch immer wieder mal vor, dass die Bahn gegen das EBA vorgeht, immerhin eine Bundesbehörde. Nach Ihrer Logik könnte es auch an dieser Stelle nie zu Klagen kommen.
Warum klagen? Nicht notwendig.
Keiner der vertragspartner will und kann noch mehr bezahlen als bisher zugesagt. S21 erledigt sich also von selbst. Stuttgart freut sich auf die Kapitulation und den Gesichtsverlust der S21-Lobbyisten.