Prozess wegen Kollision mit Radfahrern Tödlicher Unfall – von Handy abgelenkt?

Von Bartek Langer 

Ein Radfahrer ist ums Leben gekommen, ein zweiter wäre beinahe querschnittsgelähmt geblieben, als die beiden im August vor einem Jahr auf der Bundesstraße 295 im Kreis Böblingen zwischen Renningen und Weil der Stadt von einer Frau mit dem Auto angefahren wurden.

Die Frau bestreitet im Prozess, auf ihr Smartphone geschaut zu haben. Foto: dpa
Die Frau bestreitet im Prozess, auf ihr Smartphone geschaut zu haben.Foto: dpa

Stuttgart/Weil der Stadt - Ein Radfahrer ist ums Leben gekommen, ein zweiter wäre beinahe querschnittsgelähmt geblieben, als die beiden im August vor einem Jahr auf der Bundesstraße 295 im Kreis Böblingen zwischen Renningen und Weil der Stadt von einer Frau mit dem Auto angefahren wurden. Jetzt steht die 20-Jährige vor der 2. Großen Jugendkammer des Landgerichts.

Die Staatsanwaltschaft wirft der Frau aus dem Kreis Böblingen vor, die Radfahrer gerammt zu haben, weil sie offenbar durch ihr Handy abgelenkt gewesen sei. Als wäre das nicht genug, habe die Frau die Flucht ergriffen und nicht einmal einen Notruf abgesetzt. Einer der Männer erlag noch auf dem Weg ins Krankenhaus seinen Verletzungen. Die Frau muss sich nun unter anderem wegen versuchten Mordes durch Unterlassen, fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung verantworten.

Tour in Richtung Schwarzwald nimmt tragisches Ende

Die beiden Rennradfahrer waren an jenem Sonntagmorgen in Richtung Schwarzwald unterwegs. Doch auf der B 295 nahm ihre Tour ein tragisches Ende. Offenbar abgelenkt durch das Versenden von Whats-App-Nachrichten, das behauptet die Anklage, bemerkte die Autofahrerin die Männer am rechten Straßenrand nicht rechtzeitig und fuhr ungebremst auf sie auf.

Der hintere Fahrer prallte am Außenspiegel ab und wurde von seinem Rennrad geschleudert. Sein Mitfahrer stürzte auf die Motorhaube und prallte mit voller Wucht gegen die Windschutzscheibe. Doch statt Hilfe zu leisten, fuhr die 20-Jährige mit dem demolierten Wagen einfach weiter – unter anderem war der rechte Vorderreifen derart beschädigt, dass sie nur noch auf der Felge unterwegs war.

Für den 47-jährigen Radfahrer kam jede Hilfe zu spät. Er verstarb noch beim Transport mit dem Rettungshubschrauber. Laut den Ärzten hätte ihn aber auch eine frühere Hilfeleistung nicht gerettet. Der 37-Jährige hatte hingegen Glück im Unglück. Mehrere Operationen bewahrten den Mann vor einer Querschnittslähmung. Er hatte bei dem Unfall einen Wirbelbruch sowie eine Gehirnerschütterung erlitten .

Angeklagte streitet ab, aufs Handy geschaut zu haben

Bei ihrer Aussage konnte die 20-Jährige nicht viel zur Aufklärung des Tathergangs beitragen. „Ich kann mich nur noch an einen Knall erinnern. Dann wurde mir schwarz vor Augen“, sagte sie unter Tränen. Nachdem sie den Riss in der Windschutzscheibe bemerkt habe, sei sie in Panik geraten. Daheim angekommen habe sie eine ältere Schwester angerufen, die wiederum die Polizei verständigt habe.

Was zuvor auf der kerzengeraden Strecke passierte, könne sie sich bis heute nicht erklären. Sicher war sich die junge Frau hingegen, dass sie nicht durch ihr Handy abgelenkt gewesen sei. An einer roten Ampel kurz zuvor habe sie zwar zwei Nachrichten abgeschickt. „Aber beim Losfahren habe ich das Handy auf der Mittelkonsole abgelegt und nicht wieder in die Hand genommen“, sagte die Frau.

Der Bietigheimer, der den Unfall überlebt hat, leidet bis heute an den körperlichen Folgen des Unfalls. Auch beruflich ist der Außendienstmitarbeiter stark eingeschränkt. Sein Mitfahrer war von Beruf Physiotherapeut. Er hinterlässt Frau und zwei Kinder. Auch die Witwe hat den Unfall bis heute nicht überwunden.

Nicht nachvollziehen konnte die Staatsanwältin, warum sich die Angeklagte gegen die vorläufige Einziehung ihres Führerscheins gewehrt hatte. Die Frau meinte, dass sie weiterhin habe Auto fahren wollen, um ihre Angst vor dem Fahren nach dem Unfall schneller überwinden zu können.

Der Prozess wird fortgesetzt.