Prozessauftakt in Stuttgart
Alkohol und Imponiergehabe
Lukas Jenkner,
09.02.2010 12:29 Uhr
Juni 2009: nach einer Messerstecherei in einer Discothek sucht die Polizei nach Spuren. Foto: Stoppel
Stuttgart - Auf den ersten Blick wollen die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft nicht so recht passen zu den zwei jungen Männern, die auf der Anklagebank sitzen. Mustafa Arslan (alle Namen geändert) ist 24 Jahre alt, ausgebildeter Kfz-Mechatroniker und wollte eigentlich bald mit einem Studium an einer Fachhochschule beginnen. Seit sieben Jahren hat er eine feste Freundin. Auch das Leben von Thomas Wenzel (26) ist bisher unauffällig verlaufen. Er ist Groß- und Einzelhandelskaufmann und arbeitet zurzeit bei einer Baufirma im Schwarzwald.
Beide kennen sich seit ihrer Kindheit in Schönaich (Kreis Böblingen), bis zum Sommer 2009 zogen sie an den Wochenenden gerne mal zusammen durch die Discotheken, tranken Wodka mit Red Bull oder auch Jack Daniels mit Cola. Immer mal wieder, sagen sie, gab es einen Joint, gelegentlich "eine Nase Kokain".
Eine solche Nacht verbrachten die beiden jungen Männer mit zwei Bekannten auch am Samstag, 20. Juni 2009, bis in die frühen Morgenstunden des Sonntags, als sie dann gegen 6 Uhr in der Discothek Toy in der Königsstraße feierten. Doch die Nacht endete in einem Blutbad, nun stehen Mustafa Arslan und Thomas Wenzel deshalb wegen versuchten Totschlags vor Gericht.
Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, während einer Schlägerei mit mehreren Beteiligten auf zwei ihrer Kontrahenten mit Messern eingestochen und sie lebensgefährlich verletzt zu haben. Die beiden Opfer mussten mit einer Notoperation gerettet werden, sie leiden bis heute an den Folgen. Arslan sitzt in Untersuchungshaft, Wenzel wurde nach zwei Monaten wieder auf freien Fuß gesetzt. Einer ihrer Bekannten, der an der Messerstecherei maßgeblich beteiligt gewesen sein soll, ist in der Türkei untergetaucht.
Fest steht, dass alle Beteiligten ordentlich getrunken hatten. Auch bei den Opfern stellte die Polizei wenige Stunden nach der Tat 1,2 und 1,9 Promille fest. Klar ist außerdem, dass der Anlass der blutigen Auseinandersetzung nichtig war. Arslan und Wenzel hatten mit zwei jungen Frauen herumgealbert und dabei einen ihrer späteren Kontrahenten versehentlich mit Wasser bespritzt. Der erste Streit wurde noch geschlichtet, doch kurz darauf brach eine Schlägerei los, an der wohl alle ihren Anteil hatten.
Sein in der Türkei untergetauchter Bekannter habe plötzlich einem der Kontrahenten ins Gesicht geschlagen, sagt Arslan, der seinem Freund nur beigesprungen sein und keinesfalls zugestochen haben will. Er sei selbst von einem der späteren Opfer in den Schwitzkasten genommen und ins Gesicht geschlagen worden. Ein Messer will er nie gesehen, geschweige denn in der Hand gehabt haben. Thomas Wenzel schweigt vor Gericht zu den Vorwürfen.
Auch die beiden Männer, die später notoperiert werden mussten, sagen, dass sie zwar so etwas wie Stiche gefühlt, aber keine Messer gesehen haben. "Es wurde kalt und warm", sagt der eine, "dann habe ich überall Blut gesehen." Auch der zweite Mann berichtet dem Gericht, dass es plötzlich kalt geworden und er dann nach hinten gekippt sei. Von Freunden sei er vor die Discothek getragen worden, wo dann bald die Notärzte kamen.
Diese mussten damals nicht nur die beiden Opfer, sondern auch Mustafa Arslan versorgen. Denn auch er war bei der Messerstecherei schwer verletzt worden und lag danach eine Woche lang im Krankenhaus. Woher Arslans Verletzungen rührten, ist eine der Unklarheiten, denen die 9. Kammer des Landgerichts in dem anstehenden Verhandlungstagen nachgehen muss.
Womöglich hatte der in der Türkei untergetauchte Bekannte Arslan aus Versehen erwischt, als er zustach. Ein Rätsel stellen auch die diversen Messer dar, die wohl im Einsatz waren. Eines wurde gefunden, ein zweites hat eventuell einer der beiden Angeklagten entsorgt, bevor er ins Visier der Ermittler geriet. Ein drittes Messer gehörte möglicherweise dem noch flüchtigen Mittäter.
Bisher sind für den Prozess fünf weitere Verhandlungstage geplant. Ein Urteil wird am 10. März erwartet. Fest steht bereits jetzt: die unselige Kombination aus zu viel Alkohol, Messern und männlichem Imponiergehabe hätte am frühen Morgen des 21. Juni 2009 zwei junge Männer fast das Leben gekostet.
Beide kennen sich seit ihrer Kindheit in Schönaich (Kreis Böblingen), bis zum Sommer 2009 zogen sie an den Wochenenden gerne mal zusammen durch die Discotheken, tranken Wodka mit Red Bull oder auch Jack Daniels mit Cola. Immer mal wieder, sagen sie, gab es einen Joint, gelegentlich "eine Nase Kokain".
Eine solche Nacht verbrachten die beiden jungen Männer mit zwei Bekannten auch am Samstag, 20. Juni 2009, bis in die frühen Morgenstunden des Sonntags, als sie dann gegen 6 Uhr in der Discothek Toy in der Königsstraße feierten. Doch die Nacht endete in einem Blutbad, nun stehen Mustafa Arslan und Thomas Wenzel deshalb wegen versuchten Totschlags vor Gericht.
Es war viel Alkohol im Spiel
Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, während einer Schlägerei mit mehreren Beteiligten auf zwei ihrer Kontrahenten mit Messern eingestochen und sie lebensgefährlich verletzt zu haben. Die beiden Opfer mussten mit einer Notoperation gerettet werden, sie leiden bis heute an den Folgen. Arslan sitzt in Untersuchungshaft, Wenzel wurde nach zwei Monaten wieder auf freien Fuß gesetzt. Einer ihrer Bekannten, der an der Messerstecherei maßgeblich beteiligt gewesen sein soll, ist in der Türkei untergetaucht.
Fest steht, dass alle Beteiligten ordentlich getrunken hatten. Auch bei den Opfern stellte die Polizei wenige Stunden nach der Tat 1,2 und 1,9 Promille fest. Klar ist außerdem, dass der Anlass der blutigen Auseinandersetzung nichtig war. Arslan und Wenzel hatten mit zwei jungen Frauen herumgealbert und dabei einen ihrer späteren Kontrahenten versehentlich mit Wasser bespritzt. Der erste Streit wurde noch geschlichtet, doch kurz darauf brach eine Schlägerei los, an der wohl alle ihren Anteil hatten.
Sein in der Türkei untergetauchter Bekannter habe plötzlich einem der Kontrahenten ins Gesicht geschlagen, sagt Arslan, der seinem Freund nur beigesprungen sein und keinesfalls zugestochen haben will. Er sei selbst von einem der späteren Opfer in den Schwitzkasten genommen und ins Gesicht geschlagen worden. Ein Messer will er nie gesehen, geschweige denn in der Hand gehabt haben. Thomas Wenzel schweigt vor Gericht zu den Vorwürfen.
Messer will niemand gesehen haben
Auch die beiden Männer, die später notoperiert werden mussten, sagen, dass sie zwar so etwas wie Stiche gefühlt, aber keine Messer gesehen haben. "Es wurde kalt und warm", sagt der eine, "dann habe ich überall Blut gesehen." Auch der zweite Mann berichtet dem Gericht, dass es plötzlich kalt geworden und er dann nach hinten gekippt sei. Von Freunden sei er vor die Discothek getragen worden, wo dann bald die Notärzte kamen.
Diese mussten damals nicht nur die beiden Opfer, sondern auch Mustafa Arslan versorgen. Denn auch er war bei der Messerstecherei schwer verletzt worden und lag danach eine Woche lang im Krankenhaus. Woher Arslans Verletzungen rührten, ist eine der Unklarheiten, denen die 9. Kammer des Landgerichts in dem anstehenden Verhandlungstagen nachgehen muss.
Womöglich hatte der in der Türkei untergetauchte Bekannte Arslan aus Versehen erwischt, als er zustach. Ein Rätsel stellen auch die diversen Messer dar, die wohl im Einsatz waren. Eines wurde gefunden, ein zweites hat eventuell einer der beiden Angeklagten entsorgt, bevor er ins Visier der Ermittler geriet. Ein drittes Messer gehörte möglicherweise dem noch flüchtigen Mittäter.
Bisher sind für den Prozess fünf weitere Verhandlungstage geplant. Ein Urteil wird am 10. März erwartet. Fest steht bereits jetzt: die unselige Kombination aus zu viel Alkohol, Messern und männlichem Imponiergehabe hätte am frühen Morgen des 21. Juni 2009 zwei junge Männer fast das Leben gekostet.
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verurteilt und arbeiten ? und frei
hallo zusammen ich frage mich wie das geht ? der verurteilte hat 6 Jahre bekommen und arbeitet und ist auf freiem Fuss wie geht das denn ? da fehlt mir jegliches Verständniss ! zudem hat der Verurteilte noch seinen Führerschein ?? mit Kokain Konsum jemad abgestochen und hat seinen Führerschein unglaublich die deutsche Justiz funktioniert nicht mehr richtig gruss aus LB
grausames Bild
Es war ein grausames Bild an jenem Sonntag morgen. Wir kamen zufällig am Ort des Geschehens vorbei - waren zum Absperren beim jährlichen Stadtlauf eingeteilt. Das einer der mutmaßlichen Täter mit unter den Verletzten war, war zu diesem Zeitpunkt niemandem bekannt, was im Nachhinein ein komisches Gefühl auslöst. Es war insgesamt ein schrecklicher Anblick. Ein wunderschöner Sonntag morgen... zur falschen Zeit am falschen Ort. Was aus einem spritzer Wasser werden kann.... mit Alk und Drogen wohl eine unberechenbare Konstellation.
6 Uhr?!
der objektive leser fragt sich auch, warum man um 6 Uhr morgens (Ende Juni steht da schon die Sonne hoch am Himmel) mit über einem Promille Blutalkohol in/vor Discotheken rumlungern muß. Also, Lektion für "die Jugend": Geht ins Bett! (Das Koks wird wohl geholfen haben lange wach zu bleiben...?!).