Psychologie Am besten ist ein Wunschzettel

Von Frank Luerweg 

Wer sich viele Gedanken macht, das passende Präsent für die Lieben zu finden, liegt oft daneben. Das haben Wissenschaftler herausgefunden. Sicherer ist es, die Vorschläge auf einem Wunschzettel zu befolgen.

Welches Präsent bereitet am meisten Freude? Viel darüber nachdenken hilft nicht. Foto: dapd
Welches Präsent bereitet am meisten Freude? Viel darüber nachdenken hilft nicht.Foto: dapd

Stuttgart - Die Deutschen seien erbärmliche Schenker, verkündete das Internet-Auktionshauses Ebay im vergangenen Jahr. Auf mehr als 700 Millionen Euro bezifferte die Online-Plattform den Wert der ungeliebten Präsente unter hiesigen Weihnachtsbäumen. Nur die Briten seien noch schlechter. In der Tat kommt nach dem Auspacken oft die Ernüchterung. Doch woran liegt das? Immerhin haben die meisten Menschen einige Erfahrung auf diesem Gebiet – sowohl mit dem Schenken als auch mit dem Beschenktwerden.

Allerdings fällt es uns schwer, aus Fehlern beim Geschenkekauf zu lernen: Die Etikette verbietet es dem Beschenkten schließlich, sein Missfallen ehrlich zum Ausdruck zu bringen. Nach einer Erhebung des Marktforschungsunternehmens GfK sagt es nur jeder Fünfte frei heraus, wenn er ein Präsent nicht mag.

Warum greifen wir beim Schenken so oft daneben?

Zwei Wissenschaftler aus Singapur und den USA gehen in einer aktuellen Studie der Frage nach, warum wir beim Schenken so oft daneben greifen. Ihr Resümee: viele Menschen suchen zu sehr nach einer persönlichen Geschenkidee, anstatt sich an den explizit geäußerten Wünschen der Beschenkten zu orientieren. Und das geht oft in die Hose. Wer etwas verschenkt, muss investieren – zum einen Geld, zum anderen Zeit. Denn vor dem Kauf muss er sich überlegen, was er überhaupt verschenken möchte. Und dieser Teil des Schenkens ist vielen Menschen besonders wichtig. Schließlich weiß schon der Volksmund, dass es der Gedanke ist, der zählt. Der Hintergrund dabei: wer viel Zeit opfert, das Passende zu finden, der signalisiert damit in besonderem Maße seine Zuneigung. Und darauf kommt es beim Schenken schließlich an – selbst wenn das mühsam gefundene Präsent dann doch nicht auf die erwartete Gegenliebe stößt.

Die Wirtschaftswissenschaftlerin Yan Zhang und der Psychologe Nicholas Epley stellen diesen Grundsatz nun in Frage. In ihrer Studie im Fachmagazin „Journal of Experimental Psychology: General“ erläuterten sie, dass der Gedanke oft eben doch nicht zählt. Häufig bedenkt der Beschenkte gar nicht, wie viel Gehirnschmalz in die Auswahl geflossen ist. In einem solchen Fall ist ein schlechtes Geschenk in seinen Augen einfach ein schlechtes Geschenk – und zwar ohne mildernde Umstände.

Guten Freunden wird eher ein Fehlgriff verziehen

Eine Ausnahme gibt es allerdings: Fehlgriffe von guten Freunden stoßen paradoxerweise eher auf Gnade, als das ungeliebte Geschenk von einem flüchtigen Bekannten. Der vermutliche Grund: bei Menschen, die uns sehr nahe stehen, rechnen wir damit, dass sie etwas Passendes finden. Wenn sie das nicht tun, nehmen wir zumindest an, dass sie sich etwas bei der Auswahl gedacht haben. Damit wird ein solcher Fehlgriff eher verzeihlich.

„Gedanken sind unsichtbar“, schreiben die Autoren und ergänzen: „Es erfordert Mühe und Motivation, sie zu lesen.“ Eine Mühe, die wir uns allzu oft überhaupt nicht machen – zumindest nicht ohne guten Anlass. Ein solcher Anlass kann offensichtlich die Überraschung über das unpassende Präsent eines guten Freundes sein. „Ohne einen derartigen Auslöser bleiben die Gedanken, die hinter der Geschenkewahl stecken, unberücksichtigt.“

Schenken macht glücklicher als beschenkt zu werden

Für den Beschenkten zählt der Gedanke also nicht unbedingt – anders aber für den Schenkenden. Ohnehin gilt für viele Menschen: Etwas zu verschenken macht glücklicher als beschenkt zu werden. Das jedenfalls hat eine erst dieser Tage veröffentlichte Umfrage des Meinungs- und Marktforschungsinstituts Forsa im Auftrag des Berliner „Happiness Instituts“ ergeben. Demnach empfinden drei Viertel aller Deutschen mehr Lebensfreude durch Schenken. Dabei begründen 91 Prozent der Befragten dieses Glücksgefühl damit, „die Freude im Gesicht des Beschenkten zu sehen.“

Zhang und Epley dachten sich ein Experiment aus, um herauszufinden, warum für den Schenkenden schon die Gedanken wichtiger sind als für den Beschenkten. Dazu stellten sie aus 150 zufällig ausgewählten Museumsbesuchern Paare zusammen, von denen einer den anderen mit einem Artikel aus dem Museumsladen beschenken sollte. Dabei sollte es sich der Schenker entweder genau überlegen, womit er seinen Partner beglücken wollte, oder aber seine Auswahl nach dem Zufallsprinzip treffen. Anschließend sollte er angeben, wie nah er sich dem Beschenkten fühlte (den er übrigens nicht kannte). Ergebnis: diejenigen Teilnehmer, die lange über das Geschenk nachgedacht hatten, fühlten eine besondere emotionale Verbindung zu ihrem Partner.

Mehr Freude über Geschenke vom Wunschzettel

Vielleicht ist das auch der Grund, warum viele Menschen immer wieder mit viel Aufwand versuchen, ein persönliches Präsent für ihre Lieben zu finden. Denn das Gefühl sozialer Verbundenheit, so schreiben die Autoren, trage wesentlich zum eigenen Glück bei. Wer viel Mühe in das richtige Geschenk investiert, tut das also vermutlich auch aus ganz egoistischen Motiven: Es ist beglückender, selbst etwas Schönes für die Lieben zu finden, als sich einfach nach ihren explizit geäußerten Wünschen zu richten oder gar Geld zu verschenken. Wem es aber wirklich nur darum geht, dem Betroffenen eine Freude zu bereiten, der kann es sich guten Gewissens leicht machen: Laut einer US-Studie aus dem Jahr 2011 freuen sich Menschen über Dinge von ihrem Wunschzettel erheblich mehr als über eine persönlich mit viel Herzblut ausgesuchte Überraschung.

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