Psychologie Geld macht nur bedingt glücklich
Christian Wolf, 02.10.2010 11:03 Uhr
Für viele Menschen gibt es Wichtigeres als nur die Scheine in ihrem Portemonnaie. Foto: dpa
Für viele Menschen gibt es Wichtigeres als nur die Scheine in ihrem Portemonnaie. Foto: dpa
Stuttgart - Geld allein macht nicht glücklich, weiß der Volksmund schon lange zu berichten. Weisheiten wie diesen fühlt die sogenannte empirische Glücksforschung seit einigen Jahren auf den Zahn. Die noch recht junge Disziplin verbindet Biologie, Psychologie, Soziologie und Ökonomie miteinander. Mit Umfragen und Experimenten versucht sie das schwammige Gefühl dingfest zu machen und mit exakten Zahlen zu erfassen.

In Sachen Wohlstand scheinen ihre Ergebnisse ziemlich eindeutig: mehr Geld nach Hause zu bringen, macht nur bis zu einem gewissen Betrag glücklicher. Zu dieser Erkenntnis kamen kürzlich der Psychologe und Wirtschaftsnobelpreisträger Daniel Kahneman und der Ökonom Angus Deaton von der Universität Princeton im Fachblatt "Proceedings of the National Academy of Sciences".

Zwar waren die Befragten mit steigendem Einkommen insgesamt zufriedener mit ihrem Leben, glücklicher waren sie in ihrem unmittelbaren Erleben aber nur bis zu einer Grenze von rund 60.000 Euro. Wie häufig und wie stark sie im Alltag Freude, Stress oder Ärger empfanden, hing mehr damit zusammen, ob sie beispielsweise gesund waren oder Freunde hatten. Armut hingegen machte Menschen sowohl unzufrieden als auch unglücklich, betonen die Forscher. "Wir folgern daraus, dass Geld Lebenszufriedenheit kauft, aber kein Glück", so Kahneman und Deaton.

Mit steigendem Einkommen steigen auch die Ansprüche


Schon seit geraumer Zeit beschäftigt sich die empirische Glücksforschung mit dem sogenannten Wohlstandsparadoxon: Obwohl Menschen in westlichen Industrienationen im Laufe der letzten 50 Jahre real mehr als das Doppelte verdienten, sind sie nicht unbedingt glücklicher geworden. Erreicht man einen bestimmten Grad an Wohlstand, führt jedes finanzielle Mehr nicht automatisch auch zu mehr subjektivem Wohlbefinden. Doch warum ist das so?

Langzeitstudien zeigen nicht gänzlich überraschend, dass man sich an den Anstieg seines Verdienstes gewöhnt. Das Glücksniveau fällt nach einiger Zeit wieder auf den Stand vor der finanziellen Steigerung. "Unsere Ansprüche und Ziele passen sich an die tatsächliche Entwicklung an", bestätigt der Ökonom und Glücksforscher Karlheinz Ruckriegel von der Georg-Simon-Ohm-Hochschule Nürnberg. "Mit steigendem Einkommen steigen auch die Ansprüche, so dass daraus kein erhöhtes Wohlempfinden erwächst." Dieses Phänomen bezeichnen Glücksforscher auch als hedonistische Tretmühle. Man muss immer mehr verdienen oder konsumieren, um den gleichen Kick zu bekommen.

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