Pumptrack-Parcours am Stuttgarter Schattenring Buckelpiste der Mountainbiker plattgemacht

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Die Stuttgarter Mountainbiker sind sauer. Eine künstliche Buckelpiste unter der Schattenringbrücke ist nun flach wie die darüberliegende Straße – plattgemacht von der Straßenmeisterei Leonberg.

Mountainbiker müssen in Stuttgart nun auf andere Strecken ausweichen. Foto: dpa
Mountainbiker müssen in Stuttgart nun auf andere Strecken ausweichen.Foto: dpa

Stuttgart - Die Stuttgarter Mountainbiker sind platt. Wie der Name ihrer Sportart es vermuten lässt, mögen sie es eigentlich eher hügelig. Doch eine eigens angelegte Buckelpiste unter der Schattenringbrücke ist nun flach wie die darüberliegende Straße – plattgemacht von der Straßenmeisterei Leonberg.

Genehmigt war das Übungsareal im Schatten des Schattenrings nie, aber jahrelang geduldet. Das Regierungspräsidium veranlasste die Entfernung nicht wegen der Radfahrer, sondern wegen der Graffiti-Künstler, die sich dort an Brückenpfeilern ausgetobt hatten. Dass die Strecke, die unter Kennern der Szene Pumptrack genannt wird, illegal angelegt worden war, bestreitet keiner der Radler. „Das war uns klar – aber es hat ja auch jahrelang niemanden gestört“, sagt einer der Nutzer, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will.

Entfernung der Strecke wegen Graffiti und Müll

Die Strecke am Schattenring sei entfernt worden, weil es zunehmend Beschwerden über Graffiti und Verschmutzung gegeben habe. Das teilt ein Sprecher des Landratsamts Böblingen mit, das für die Straßenmeisterei Leonberg zuständig ist. Diese machte die Buckelpiste vor kurzem platt. Es habe nicht nur Kritik wegen Müll und Schmierereien gegeben, auch hätten sich Autofahrer abgelenkt gefühlt, wenn neben ihnen die Biker rollten. Zusammengenommen habe das dazu geführt, dass die Straßenmeisterei dem Treiben unter der Brücke ein Ende machte. Das habe sie in der Vergangenheit schon einmal getan, aus ähnlichen Gründen.

Die Strecke war vor acht Jahren angelegt worden. Pumptracks als Übungsstrecke kamen damals in Mode. Am Anfang habe lediglich ein kleiner Kreis von etwa zehn Radfahrern von den Hügeln unter der Brücke gewusst – und allen sei klar gewesen, dass das, was sie taten, eigentlich illegal ist. „Wir waren aber sehr vorsichtig, haben nie in der Nähe der Pfeiler gegraben. Auch hat von uns nie jemand Graffitis gesprüht oder Müll hinterlassen“, beteuert der Insider. Dass die Radler dort trainieren, sei Stadt und Ordnungshütern bekannt gewesen. „Ab und zu kam mal die Polizei vorbei“, berichtet der Mountainbiker. „Als die sahen, dass wir nur radeln, sind sie abgezogen“, sagt er. Die Beamten hätten gesagt, man habe sie wegen der Graffiti verständigt, nicht wegen der Mountainbiker.

Mountainbikerszene schüttelt den Kopf

Die Radfahrer wissen, dass es nicht erlaubt ist, in der Landschaft eigene Strecken und Sprünge anzulegen oder zu buddeln. Dennoch sind sie sauer, wenn man ihnen eine Strecke nimmt. So sei ein bekannter Singletrail bei Heslach eingeebnet worden. Der Weg sei ein beliebter Abstecher für viele Pendler gewesen, die auf dem Heimweg von der Arbeit Spaß haben wollten.

Die Stuttgarter Mountainbikeszene hat einen prominenten Fürsprecher: Fabian Scholz, deutscher Meister im Enduro-Mountainbiken. „Ich habe auch auf der Strecke trainiert, es war immer alles in Ordnung“, sagt er. Es gebe zwar in Cannstatt einen größeren, offiziellen Pumptrack, der sei aber „etwas runtergekommen“. Die Anlage in Weilimdorf sei auch schon „ein bisschen kaputt“. Mehr noch als über die fehlende Trainingsmöglichkeit regt sich Scholz darüber auf, „dass Radfahrer in Stuttgart immer kriminalisiert werden“. Man würde im Wald oft angeraunzt. Er hofft auf mehr Verständnis für seine Sportart – zumal ihm keine Unfälle mit Fußgängern bekannt seien.

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Plattgemachte Buckelpiste: Mir erschließt sich noch nicht der Zusammenhang zwischen den Mountainbikern und den Graffiti-Künstlern. Wenn den Mountainbikern geeignete Strecken abseits der Wanderwege zur Verfügung gestellt würden, gäbe es kein Ärger mit den Wanderern und die Mountainbiker müssten nicht "wild im Wald" fahren. Seid doch froh dass sich Jugendliche bewegen. In Italien ist dies schon so umgesetzt worden und es klappt wunderbar.

Plattgemachte Buckelpiste: Mir erschließt sich noch nicht der Zusammenhang zwischen den Mountainbikern und den Graffiti-Künstlern bzw. den Menschen die dort den Müll hinterlassen. Wenn den Mountainbikern geeignete Strecken zur Verfügung gestellt würden, wären diese Abseits von den Wanderer und niemand würde sich in die Quere kommen. Ebenso würden die Mountainbiker dann auf den Strecken bleiben und nicht "wild im Wald" herumfahren. Seid doch froh, wenn sich Jugendlichen bewegen! In Italien wurde das Ganze schon so umgesetzt und es funktioniert hervorragend.

Wenn man sonst nichts findet, über das man sich ärgern kann.: Ich bin Lehrerin an einer Körperbehindertenschule und Mountainbikerin und mit 33 Jahren sicher aus dem Jugendalter heraus. Mit dem Pumptrack unter der Brücke hatte Stuttgart eine tolle Trainingsmöglichkeit für schlechtes Wetter, prima geeignet für Technik-Einheiten. Gerne habe ich ihn für eine Runde nach der Arbeit genutzt. Niemand konnte sich beklagen, dass wir Dreck in die Stadt oder Bahn tragen. Ungestört von unverständlichen Blicken von Menschen, die diesen Sport nicht verstehen. Eine schöne Möglichkeit gemeinsam ein Paar Stunden Rad zu fahren. Müll habe ich dort übrigens nie liegen gesehen, Schaufeln und Besen wurden nach Möglichkeit versteckt, damit sie nicht weg kommen. Bunter wurden die Wände zunehmend, obwohl ich nie jemanden getroffen habe, der dort gesprüht hat. Die Biker waren es sicher nicht, die hatten dort immer anderes vor. Es war einfach eine friedliche Koexistenz. Einmal habe ich gelesen: "viel Spaß ihr Biker" oder so ähnlich. Ich fand's nett und habe mir immer gedacht: "Was für ein perfekter Platz für ihr und unser Hobby." Ein Ort, den niemand einsieht, außer er macht sich die Mühe von der Unterführung herauf zu klettern. Und doch scheint sich irgendein Schwabe dran gestört zu haben... Ist das nicht furchbar?

wär: doch witzig wenn die Radfahrer ihr Gewohnheitsrecht einklagen wollen

@ Günther Groß - Was für ein heller Kommentar: Gell, Sie wissen aber schon, dass die Müllentsorgung von uns Bürgern bereits an der Kasse bezahlt wurde? Was spricht gegen aufgestellte Mülltonnen? Die Umwelt würde es begrüßen! Noch besser wäre natürlich, den Müll zu vermeiden, nur ist das nicht immer realisierbar. warum es überhaupt solche Pisten braucht, ist mir schleierhaft. Ist Raudi sein so in Mode gekommen? Ob die illegalen Strasenrennen, oder hier Pisten für wild gewordene und todesmutige Mountainbiker, die Sau raus lassen muss gefördert werden und der Fußgänger hängt ohne Beweis geschädigt im Gipsbett. Was für ne verrückte Welt? vom Motzkigele

Danke: Frau Kienzle für den mehr als passenden Vergleich von "Kampfradlern" und "illegalen Strassenrasern". Ich sehe da kaum Unterschiede zwischen beiden Gruppen, beide eint der Hang zum Asozialen

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