Pumuckl-Erfinderin wird 90
"Hätte nie gedacht, dass ich so alt werde"
Nadia Köhler,
17.11.2010 07:43 Uhr
Foto: dpa
München - Als Erstes treibt sie Schabernack. "Das ist das Zimmer vom Pumuckl", sagt Ellis Kaut, nimmt die Türklinke in die Hand und taxiert ihr Gegenüber. Die Schrecksekunde des Gastes, das kleine ungewollte Hochziehen der Augenbraue - all das nimmt die alte, leicht gebückt gehende Dame wohl zur Kenntnis. Dann öffnet sie die Tür. Zu sehen ist kein komplett eingerichtetes Kinderzimmer für einen unsichtbaren Kobold, sondern ein lichtdurchflutetes, mit wertvollen Teppichen ausgelegtes Wohnzimmer, in dessen sonnigster Ecke ein gläserner Schreibtisch steht. "Hier habe ich den Pumuckl geschrieben", erklärt die Autorin. In den Augen blitzt der Schalk.
Ihr Blick sagt: Jetzt hab ich Sie recht erschreckt. Keine Sorge, Sie haben keine wirre Alte vor sich. Ellis Kaut wird 90 Jahre alt. Natürlich hat das Alter Spuren hinterlassen. Seit ihrem leichten Schlaganfall gibt sie keine Fernseh- und Radiointerviews mehr und liest nicht mehr öffentlich. Die Zunge wird ihr manchmal schwer. Doch von ihren Wesenszügen, die auch ihre Figuren kennzeichnen - Kater Musch, Schlupp vom grünen Stern und Pumuckl -, hat die Autorin nichts eingebüßt: Witz, Lockerheit und ein ganz eigener Blick aufs Leben machen Kaut zu einer spannenden Zeitzeugin.
"Ich habe ja nie gedacht, dass ich so alt werde. Ich dachte früher immer, ich sterbe mit 25", erzählt sie. 25 sei ihr als ein faires Alter zum Sterben erschienen, "da wäre immerhin noch die Liebe mit drin gewesen. Die Schulzeit allein, das hätte mir nicht gereicht", sagt sie schmunzelnd. Was sie im Rückblick so nonchalant formuliert, hat sie damals fast verzweifeln lassen: Ellis Kaut, die als Wickelkind mit ihren Eltern aus Stuttgart gekommen war, fürchtete während des Zweiten Weltkrieges im Luftschutzkeller um ihr Leben. Sie glaubte nicht daran, den Krieg zu überleben. "Alles war zerstört", sagt Kaut "man konnte von Schwabing bis zur Frauenkirche sehen." Die 25-Jährige überlebte. Zwei Monate vor Kriegsende brachte Kaut dann ihre Tochter Ursula auf die Welt. Ihr Mann kehrte erst Monate später von der Front zurück .
Eine noch heute spürbare, stark ausgeprägte Beharrlichkeit half der jungen Mutter dabei, sich durchzuschlagen. Dabei setzte sie kompromisslos auf ihre Kreativität. Bis zum Kriegsausbruch hatte sie als Schauspielerin gearbeitet. Während des Kriegs ließ sie sich an der Akademie der Bildenden Künste zu Bildhauerin ausbilden. Nach der Kapitulation hielt sie sich dann mit Porträtaufträgen und Sprechrollen in Hörspielproduktionen über Wasser. Dabei begegnete sie auch Karl Valentin. "Der Valentin war ein skurriler, ungemütlicher Mensch, der einem gehörig auf die Nerven gehen konnte", erinnert sich Ellis Kaut. Er habe so lange an etwas herumgetüftelt, bis man ihm habe sagen müssen: "Hör auf, sonst kommt nie etwas dabei heraus."
Ihr Blick sagt: Jetzt hab ich Sie recht erschreckt. Keine Sorge, Sie haben keine wirre Alte vor sich. Ellis Kaut wird 90 Jahre alt. Natürlich hat das Alter Spuren hinterlassen. Seit ihrem leichten Schlaganfall gibt sie keine Fernseh- und Radiointerviews mehr und liest nicht mehr öffentlich. Die Zunge wird ihr manchmal schwer. Doch von ihren Wesenszügen, die auch ihre Figuren kennzeichnen - Kater Musch, Schlupp vom grünen Stern und Pumuckl -, hat die Autorin nichts eingebüßt: Witz, Lockerheit und ein ganz eigener Blick aufs Leben machen Kaut zu einer spannenden Zeitzeugin.
"Ich habe ja nie gedacht, dass ich so alt werde. Ich dachte früher immer, ich sterbe mit 25", erzählt sie. 25 sei ihr als ein faires Alter zum Sterben erschienen, "da wäre immerhin noch die Liebe mit drin gewesen. Die Schulzeit allein, das hätte mir nicht gereicht", sagt sie schmunzelnd. Was sie im Rückblick so nonchalant formuliert, hat sie damals fast verzweifeln lassen: Ellis Kaut, die als Wickelkind mit ihren Eltern aus Stuttgart gekommen war, fürchtete während des Zweiten Weltkrieges im Luftschutzkeller um ihr Leben. Sie glaubte nicht daran, den Krieg zu überleben. "Alles war zerstört", sagt Kaut "man konnte von Schwabing bis zur Frauenkirche sehen." Die 25-Jährige überlebte. Zwei Monate vor Kriegsende brachte Kaut dann ihre Tochter Ursula auf die Welt. Ihr Mann kehrte erst Monate später von der Front zurück .
Sprechrollen in Hörspielproduktionen
Eine noch heute spürbare, stark ausgeprägte Beharrlichkeit half der jungen Mutter dabei, sich durchzuschlagen. Dabei setzte sie kompromisslos auf ihre Kreativität. Bis zum Kriegsausbruch hatte sie als Schauspielerin gearbeitet. Während des Kriegs ließ sie sich an der Akademie der Bildenden Künste zu Bildhauerin ausbilden. Nach der Kapitulation hielt sie sich dann mit Porträtaufträgen und Sprechrollen in Hörspielproduktionen über Wasser. Dabei begegnete sie auch Karl Valentin. "Der Valentin war ein skurriler, ungemütlicher Mensch, der einem gehörig auf die Nerven gehen konnte", erinnert sich Ellis Kaut. Er habe so lange an etwas herumgetüftelt, bis man ihm habe sagen müssen: "Hör auf, sonst kommt nie etwas dabei heraus."
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