Quartier am Karlsplatz
Neue Ideen
Thomas Borgmann,
19.05.2010 06:25 Uhr
Das preisgekrönte Modell des Büros Behnisch: im Vordergrund das Waisenhaus, der Karlsplatz und das Alte Schloss, dahinter die Markthalle. Foto: Michael Steinert
""Leider sind die Wettbewerbe zu einer Materialschlacht geworden, in der Genauigkeit nur vorgetäuscht wird.""
Architekt Stefan Behnisch
Die Mehrheit aus Grünen sowie CDU, FDP und Freien Wählern votiert für den Abbruch, sofern der Gedenkort an der Dorotheenstraße angemessen gestaltet wird. Der Stuttgarter Architekt Stefan Behnisch, dessen Büro den Wettbewerb für die Neuordnung am Karlsplatz gewonnen hat, präsentierte am Dienstag zum ersten Mal seinen Siegerentwurf, den er in den vergangenen Wochen bereits fortentwickelt hat. Behnisch sagte vor dem Gremium: "Meine Mitarbeiter und ich wissen, dass wir den Eingang zu dem geplanten Gedenkort nicht irgendwie zwischen noblen Geschäften anordnen können."
Deshalb schlage er vor, den Büroblock für die Ministerien an der Dorotheenstraße zu ebener Erde von Läden frei zu halten und stattdessen eine längere "Informationswand" einzurichten, die den Gedenkort nach außen sichtbar mache und auf die historischen Zusammenhänge hinweise. Außerdem werde er in diesem Baublock zu ebener Erde eine Passage von der Karlstraße in Richtung Charlottenplatz geben, um auch dadurch den Gedenkort deutlicher zu markieren. Seine Idee sei es, die Arkaden von der Markthalle her über die zwei Gebäude für das Hotel und die Ministerien fortzuführen.
Behnisch: "Der Wettbewerb kann nur Skizzen liefern"
Zu dem Architektenwettbewerb, den er gewonnen hat, sagte Behnisch: "Nach den Diskussionen der vergangenen Wochen möchte ich darauf hinweisen, dass solche Wettbewerbe nur Skizzen einer Idee liefern können. Leider sind die Wettbewerbe zu einer Materialschlacht geworden, in der Genauigkeit nur vorgetäuscht wird." Die eigentliche Planungsarbeit fange nach einem solchen Wettbewerb erst an. Dies gelte für die Gestaltung der Fassaden ebenso wie etwa für die schwierige Frage der Zu- und Ausfahrt zur Tiefgarage, die er jetzt vom Baublock an der Hauptstätter Straße abgerückt habe, um Fußgängern und Radfahrern genügend Platz zu lassen.
Die Sprecher der Ratsfraktionen lobten Behnischs Entwurf vor allem für die darin enthaltene Aufwertung der Sporerstraße von einem Hinterhof in einen attraktiven Platz. Kritisch bewertet wurden indessen die von den Bauherren - dem Land und dem Haus Breuninger - geforderten Baumassen, die jetzt 49.000 Quadratmeter Nutzfläche betragen und eine Gebäudehöhe bis zu 38 Metern vorsehen. Behnisch kündigte an, die "Dachlandschaften" und die Fassaden zu überarbeiten und appellierte an den Gemeinderat: "Sie müssen Vertrauen zu uns haben."
Der Baubürgermeister Matthias Hahn erklärte vor dem Ausschuss: "Wie es mit dem Bebauungsplanverfahren weitergeht, kann ich heute noch nicht sagen, denn die Bauherren sind mit der Herausgabe des für uns notwendigen Materials etwas spröde." Hahn verwies überdies darauf, dass man zunächst 47.000 Quadratmeter als feste Vorgabe gesetzt habe - 49.000 Quadratmeter seien für den Fall gedacht, "dass es eine herausragende städtebauliche Lösung gibt". Noch seien bei diesem Projekt viele Fragen offen.
Weitere Artikel


23 Mal Stuttgart – wir stellen Ihnen alle 23 Stadtbezirke vor >>



Waffelraster.
Um das Hotel Silber ist es mir leid. Auch heute noch, vernachlässigt und zerstört wie es ist, passt es viel besser zu Stuttgart, als diese sturen Waffelrasterbauten - und gleich zwei davon.. Die sind kalt und herzlos. Und so beliebig. Sie könnten an jedem beliebigen Ort auf der Welt stehen. Fällt den Herren Architekten nicht einmal etwa Originelleres ein, das zu der schönen Markthalle und zu Stuttgart passt. Herrn Sterling wäre bestimmt etwas eingefallen. Oder wollen die Politiker das nicht? Unsere Stadt ist doch etwas besonderes.