""Der Architektenwettbewerb ist, was das Thema Hotel Silber angeht, nur unbefriedigend verlaufen.""
Andreas Reißig (SPD)
Stuttgart - In die Debatte über die städtebauliche Neuordnung am Karlsplatz und die Zukunft der einstigen Gestapo-Zentrale Hotel Silber haben die Sozialdemokraten jetzt eine neue Variante eingebracht. Andreas Reißig, Kreisvorsitzender und Mitglied der Ratsfraktion, sagte am Dienstag: "Wir haben uns intensiv mit dem Ergebnis des Architektenwettbewerbs beschäftigt. Dabei sind wir der Frage nachgegangen: Wie kann das, was während der Nazizeit im Hotel Silber geschehen ist, angemessen dargestellt werden, selbst wenn das Gebäude Dorotheenstraße 10 abgerissen wird?" Der Vorschlag der SPD, der als offizieller Antrag an das Bürgermeisteramt gerichtet ist, lautet: "In dem Neubau für die Ministerien des Landes an der Ecke Holz- und Dorotheenstraße wird im ehemaligen Gestapokeller ein Gedenkort eingerichtet. Darüber entsteht auf rund 2000 Quadratmetern Fläche das auch von den verschiedenen Initiativen geforderte NS-Dokumentationszentrum für Baden-Württemberg." Der Siegerentwurf des Stuttgarter Architekten Stefan Behnisch sollte entsprechend ausgearbeitet werden. Auch die SPD-Landtagsfraktion, so betonte Kreischef Reißig, werde sich diesem Vorschlag anschließen und ihn im Landtag einbringen.
Zur Begründung für den Vorstoß seiner Partei sagte Reißig: "Der Architektenwettbewerb ist, was das Thema Hotel Silber angeht, nur unbefriedigend verlaufen." Deshalb vertrete die SPD die Ansicht, dass sich Stuttgart das Kölner NS-Dokumentationszentrum zum Vorbild nehmen und ein solches in den Neubau an dem historischen Ort integrieren müsse. Dabei unterstütze die SPD den Antrag der Grünen, eine Arbeitsgruppe zu gründen, die sich, mit Fachleuten besetzt, um das Konzept für ein Dokumentationszentrum bemüht. Außerdem sollten die an der NS-Geschichte arbeitenden, ehrenamtlichen Initiativen und Gruppen daran beteiligt werden. Es sei die Aufgabe des Landes, sich dem zu stellen.
Die SPD, so betont Andreas Reißig, stehe auch weiterhin zum neuen Stadtmuseum im Wilhelmspalais, wo allerdings die NS-Zeit nur ein Thema der Stadtgeschichte neben anderen sein könne. Das Bürgermeisteramt werde durch den Antrag aufgefordert, "alsbald in die notwendigen Verhandlungen mit dem Land einzutreten". Insgesamt werde sich die SPD-Ratsfraktion "wie bisher konstruktiv am Planungsprozess für den Karlsplatz beteiligen, weil wir zum Gelingen dieses Projekts beitragen wollen".
Schlecht gekennzeichnete Ausstellung der Modelle
Nach Ansicht der SPD-Ratsfraktion muss in der jetzt beginnenden Debatte über das Gesamtprojekt am Karlsplatz eine neue Lesart eingeführt werden: "Die Baumasse des siegreichen Behnisch-Entwurfs geht mit etwa 50.000 Quadratmetern Geschossfläche an die Obergrenze, wir aber sind von 47.000 Quadratmetern als Obergrenze ausgegangen", so der Stadtrat Manfred Kanzleiter. Deshalb sehe er noch einigen Spielraum. Die geforderten 2000 Quadratmeter für das Dokumentationszentrum würden die Wirtschaftlichkeit nicht wesentlich beeinträchtigen.
Unterdessen hat am Montag im Haus der Wirtschaft an der Willy-Bleicher-Straße die Ausstellung der elf Entwurfsarbeiten des Architektenwettbewerbs am Karlsplatz begonnen. Bereits an den ersten beiden Tagen kamen vor allem Architekten, ihre Mitarbeiter sowie Architekturstudenten, aber auch viele interessierte Bürger in die Schau, die noch bis einschließlich 20. März zu sehen ist. Heftige Kritik äußerten die Besucher am Erscheinungsbild der Sonderschau, die das Berliner Architekturbüro "Phase1" organisiert hat: "Keine der Arbeiten ist in den aufgestellten Kojen klar gekennzeichnet - man kann nicht erkennen, wessen Modelle und Entwürfe man da vor sich hat", sagte ein Besucher.
Die Ausstellungsmacher hätten es versäumt, die Wettbewerbsbeiträge der elf Architekturbüros aus dem In- und Ausland kenntlich zu machen, wie dies eigentlich üblich sei. Die gedruckt ausliegende Informationsschrift über den Wettbewerb und sein Ergebnis reiche nicht aus, um sich zu orientieren. Selbst renommierte Stuttgarter Architekten, die sich vor Ort über den Wettbewerb informieren wollten, hatten Mühe, die Arbeiten - vom Siegerentwurf des Büros Behnisch einmal abgesehen - zweifelsfrei zuzuordnen. Die Ausstellung ist täglich außer sonntags von 10 bis 18 Uhr zugänglich.
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