Rachida Dati Die Männer der Ministerin

Axel Veiel, 09.11.2012 14:40 Uhr

Paris - Eine gefühlte Ewigkeit ist es her, dass Rachida Dati nach den Sternen gegriffen, ja sie vom Himmel geholt hat. Wie im Traum sei es ihr vorgekommen, hat sie kürzlich erzählt. Vor fünf Jahren ist das kleine Wunder wahr geworden: Sie, das Vorstadtkind, aufgewachsen mit elf Geschwistern am Rand von Chalon-sur-Saône, der Vater ein marokkanischer Maurer, die Mutter eine algerische Hausfrau, war im Mai 2007 auf Geheiß des Präsidenten Nicolas Sarkozy an die Spitze des französischen Justizministeriums gerückt.

Aber es war kein Traum. Die Schönste im Kabinett war sie obendrein. Auf atemberaubend hohen Absätzen stolzierte sie durch Amtsstuben und Geschäftsstellen. Ein Liebling des Boulevards: Dati zierte die Titelblätter der Magazine und Gazetten, trieb mit feuerroten Lippen und aufreizendem Blick aus schwarz schimmernden Augen Auflagen in die Höhe. Als Sinnbild gelungener Integration wurde sie herumgereicht, als Beweis dafür, dass es in Vorstädten gestrandete Immigrantenkinder ganz nach oben bringen können.

Rachida Dati macht heute andere Schlagzeilen

Fünfeinhalb Jahre später scheint es, als sei das alles doch nur ein Traum gewesen – einer, dem ein schmerzliches Erwachen folgt. Dati belebt zwar noch immer den Boulevard. Aber auf ganz andere Weise: Sie macht nun Schlagzeilen als gestürzte Ikone; als allein erziehende Mutter, die der Richterschaft nicht mehr den Marsch bläst, sondern ihr ausgeliefert ist.

Hilfe suchend hat sich die 46-Jährige an das Amtsgericht von Versailles gewandt, von dem sie sich Beistand im Streit mit dem Vater ihrer dreijährigen Tochter Zorah erhofft oder jedenfalls Hilfe im Streit mit dem Mann, den sie für den Vater hält: Dominique Desseigne. Der 68-Jährige gebietet über 16 Luxushotels, 90 Restaurants und 39 Spielkasinos. Dati will, dass das Gericht die Vaterschaft des schwerreichen Unternehmers feststellt.