Radeln im Kessel Wie fahrradfreundlich ist Stuttgart?

Von Catherine Braumeister 

Stuttgart kann eine Menge vom Fahrradmekka Kopenhagen lernen. Denn fahrradfreundlich geht es bei uns im Kessel nicht gerade zu. Wir zeigen, warum.

In unserer Fotogalerie kann man sich ein Bild über die aktuellen Fahrradbedingungen in Stuttgart machen.  Foto: Christine Lehmann 8 Bilder
In unserer Fotogalerie kann man sich ein Bild über die aktuellen Fahrradbedingungen in Stuttgart machen. Foto: Christine Lehmann

Wer in Stuttgart aufs Rad steigt der lebt gefährlich. Denn Fahrradspuren sind in der autovernarrten, baden-württembergischen Landeshauptstadt längst nicht überall vorhanden. Trifft man auf eine, ist diese des Öfteren zu eng, endet abrupt im Nichts, oder rums – am Bordstein.

Häufig wird sie auch von Autofahrern zum Parken missbraucht und ist bei Schneefall nicht geräumt. Immer wieder ist der Fahrradfahrer gezwungen auf die Fahrbahn auszuweichen. Aber nicht nur Autofahrer werden für Stuttgarter Radliebhaber zur Gefahr, auch Fußgänger werden zum Hindernis. Denn an vielen Stellen verlaufen Radwege auf Bordsteinniveau und dann müssen sich Fußgänger und Radfahrer den Trottwar teilen.

Schlimme Lage im Rosensteinpark

Ein gutes Beispiel für die verzwickte Lage liefert der bei Radlern äußerst beliebte Rosensteinpark. Dort ist der Konflikt zwischen Fußgängern und Fahrradfahrern besonders gut spürbar. Denn hier hat die Stadt vorgesehen, dass sich Fahrradfahrer und Passanten den Weg teilen. Dass das auch mal ins Auge gehen kann scheint hier niemanden zu interessieren. Sowohl Fußgänger, als auch Fahrradfahrer sind zurecht entnervt. Dabei wäre es ein leichtes die Wege der Parkanlage durch eine durchgezogene Linie in Fußgängerspur und Fahrradspur zu teilen.

Häufig fehlt eine Fahrradspur

Aber nicht nur im Rosensteinpark haben es Fahrradfahrer schwer. Auch auf stark befahrenen Straßen wie Stuttgarts Robert-Mayer-Straße sind Fahrradspuren nirgendwo zu sehen. Gerade hier ist die Sicherheit von Radlern besonders gefährdet, da diese Straße sehr kurvig und schmal verläuft.

Die dort am Seitenrand parkenden Autos setzten nochmal einen drauf: aufgrund der kurvigen Beschaffenheit ist es für Radfahrer schier unmöglich eine sich öffnende Fahrertür rechtzeitig zu erkennen. Aber nicht nur offene Autotüren werden hier zum Problem, auch knappe Überholmanöver ungeduldiger Autofahrer bringen Stuttgarts Radler in Lebensgefahr. Denn leider halten sich nur wenig Autos an den vorgegebenen Mindestabstand beim Überholen von Fahrradfahrern.

Feinstaubalarm statt Fahrradwege

Das alles zeigt, Fahrradfahrer gelten in Stuttgart als Verkehrsteilnehmer zweiter Klasse. Dabei hätte es die Schwabenmetropole bitter nötig, das Fahrradfahren für ihre Stadtbewohner attraktiver zu gestalten um die unzumutbaren Luftverhältnisse zu verbessern.

Stattdessen greift man ein paar Mal im Jahr zu fragwürdigen Maßnahmen wie Feinstaubalarm. Nice try, aber damit löst man die Luftproblematik im Kessel nicht. Stuttgart mag zwar mittlerweile doppelt so viele Fahrradwege haben als vor 20 Jahren, aber das macht die Verkehrssituation für Fahrradfahrer noch lange nicht sicher, sondern lediglich halb so gefährlich.

Und mit halb so gefährlich wird man nicht viele Menschen dazu bekommen, das Auto stehen zu lassen und mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren.

Kopenhagen macht es vor

Unzählige Städte machen uns jeden Tag vor, dass es auch anders geht. Es ist Zeit, dass Stuttgart sich eine Scheibe von ihnen abschneidet. Das beste Beispiel liefert Kopenhagen. Die dänische Hauptstadt gilt als die fahrradfreundlichste Stadt der Welt. Hier müssen Fahrradfahrer nicht auf der Autospur fahren und sich gewagte Überholmanöver ungeduldiger Autofahrer gefallen lassen.

Während man in Stuttgart hier und da auf einen Fahrradweg stößt, ist in Kopenhagen die gesamte Stadt von breiten Fahrradwegen durchzogen. Das kommt bei den Bewohnern der Stadt extrem gut an. Mittlerweile nutzen rund 40.000 Menschen dort täglich ihr Fahrrad. Selbst Parlamentarier lassen ihr Auto zuhause stehen und treten den Weg zur Arbeit mit dem Fahrrad an.

Neben exzellenten Radwegen bietet Kopenhagen Radfahrern noch weitere Schmankerl. Diese reichen von Fahrradparkhäusern mit Pumpstation bis hin zu LED-Schildern die bei „Fahrradstau“ Ausweichrouten anzeigen.

In was für einer Stadt möchten wir leben?

Die Bewohner von Kopenhagen sind wahre Glückspilze. Sie erleben ihre Stadt nicht passiv aus dem Auto, sondern sind ein aktiver Teil von ihr. Sie schnuppern täglich die dänische Luft, spüren den Wind im Gesicht und hören fröhliche Stimmen und den Singsang der Vögel. Das könnten wir hier auch haben.

Also liebe Stuttgarter in was für einer Stadt möchten wir leben? Ich glaube die Antwort ist klar.

In diesem Clip sieht man Kopenhagens traumhafte Fahrradbedingungen:

Zur Verkehrssicherheit gehören nicht nur gute Fahrradwege, sondern auch Helm, Reflektoren, Licht und Co. Bei Stuttgarts Radsport Mayer findet Ihr das nötige Zubehör.