Radfahren in Stuttgart Radlerlobby kritisiert zu enge Wege

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Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club fährt mit OB Fritz Kuhn zu den Problemstellen der Stadt. Auf den rund acht Kilometern zwischen Bad Cannstatt und dem Stuttgarter Osten lassen sich viele Probleme für Radfahrer finden.

Der Foto: Gottfried Stoppel
Der Foto: Gottfried Stoppel

Stuttgart - Auf rund acht Kilometern zwischen Bad Cannstatt, Untertürkheim, Wangen und dem Stuttgarter Osten lassen sich die Probleme der Radfahrer in Stuttgart auf den Punkt bringen. Diese Orte hat der Kreisvorsitzende des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC), Frank Zühlke, dem Oberbürgermeister, Fritz Kuhn (Grüne) am Mittwoch auf einer Art Problemradtour präsentiert. Die Hauptkritikpunkte aus Sicht des ADFC sind ­ungünstige Ampelschaltungen, zu enge Radstreifen und eine Benutzungspflicht für Radwege, die den Anforderungen der Radler häufig nicht genügen.

„Wir machen diese Tour jetzt zusammen, damit ich etwas lernen kann“, sagte Kuhn vor dem Start am Mineralbad Leuze. „Ich will mir die Probleme zeigen lassen. Vorher kann ich noch keine fertigen Lösungen präsentieren“, meinte er.

Auf der Wunschliste des Clubs steht beispielsweise ein Radweg entlang des Mineralbads. „Der Weg auf der Wasenseite des Neckars wird sehr stark von Fußgängern genutzt und ist für Radfahrer nicht ideal“, sagte Zühlke, „das ist problematisch.“ Auch die Fraktionen im Gemeinderat haben sich zu diesem Thema bereits in Form von Anträgen geäußert. „Deren Inhalt ist je nach Partei völlig gegensätzlich“, erklärte der Radbeauftragte der Stadt, Claus Köhnlein.

Sichtschutz am Saunabereich kostet viel Geld

„Im Grunde ist es ein Konflikt Leute kontra Radfahrer“, fasste Kuhn zusammen. Der Bau eines Radwegs entlang des Mineralbads würde nach Schätzungen des Radbeauftragten rund 200 000 Euro kosten. „Da der Weg am Saunabereich des Bads vorbeiführen würde, müsste ein Sichtschutz geschaffen werden“, sagte Köhnlein, „das erklärt die hohen Kosten.“ Obwohl der OB nach eigener Aussage das Bad Berg bevorzugt, wird er sich die Lage im Leuze ansehen. „Dann kann man entscheiden“, sagte Kuhn, „das wird aber noch etwa ein Jahr dauern.“

Im Verlauf der gut zweistündigen Tour machten Zühlke und seine Mitstreiter unter anderem auf folgende Probleme aufmerksam: weniger Verbindungen zwischen Schlossgarten und Leuze wegen des Baus des Rosensteintunnels, ein zu schmaler Radschutzstreifen entlang der König-Karl-Straße in Bad Cannstatt, der linksseitige Radweg entlang der Augsburger Straße und die vielen dadurch erzwungenen Fahrbahnwechsel, die fehlende Beleuchtung entlang der Nähterstraße im Stuttgarter Osten und die Benutzungspflicht des aus Club-Sicht zu schmalen Radwegs entlang der Wangener Straße.

„Am Ende läuft es häufig auf eine ­Zielkonflikt hinaus“, sagte Kuhn. Die Situation der Radfahrer ließe sich deutlich ­verbessern, wenn sich die Autofahrer ­exakt an die Verkehrsregeln und Parkvorschriften halten würden, sagte der OB. „Doch das kann nur mit ständigen Kontrollen und Strafen erreicht werden.“ Werde aber zu häufig kontrolliert, steige die Ag­gres­si­vi­tät ­gegenüber den Radfahrern und sie würden weniger akzeptiert.