Radioaktive Fracht auf dem Neckar Castor-Transport mit radioaktivem Müll auf dem Neckar genehmigt

Von red/dpa/lsw 

Atommüll aus Obrigheim darf auf dem Neckar nach Neckarwestheim befördert werden. Noch in dieser Woche sollen die ersten drei Castoren beladen werden. Die Termine der radioaktiven Fracht sollen aber nicht öffentlich werden.

Die Baustelle für die geplante Schiffsanlegestelle am Neckar zur Überführung von Castoren, aufgenommen am 20.06.2016 vor dem Gemeinschaftskernkraftwerk in Neckarwestheim. Foto: dpa
Die Baustelle für die geplante Schiffsanlegestelle am Neckar zur Überführung von Castoren, aufgenommen am 20.06.2016 vor dem Gemeinschaftskernkraftwerk in Neckarwestheim. Foto: dpa

Obrigheim - Trotz der Proteste von Atomkraftgegnern hat das Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit den Transport von Castor-Behältern mit radioaktivem Müll auf dem Neckar erlaubt. Die Beförderung von 15 Behältern mit insgesamt 342 Brennelementen vom stillgelegten AKW Obrigheim zum Zwischenlager Neckarwestheim sei genehmigt, teilte die Behörde in Berlin am Dienstag mit. Es wäre der erste Transport hoch radioaktiver Abfälle auf einem deutschen Fluss.

Die EnBW Kernkraft GmbH will noch in dieser Woche mit der Beladung der ersten drei Behälter beginnen. „Wir sind auf den gesamten Ablauf sehr gut vorbereitet“, sagte Geschäftsführer Jörg Michels. Das Aktionsbündnis „Neckar castorfrei“ kritisierte die Genehmigung scharf und sprach von einer „Entscheidung gegen die Sicherheit“. Hingegen sagte Umweltminister Franz Untersteller (Grüne), er gehe bei der geplanten Beförderung von „höchsten Sicherheitsstandards“ aus.

Wann der etwa 50 Kilometer lange Transport am unteren Neckar erfolgen könnte, war zunächst unklar. Aus der Genehmigung ergebe sich, dass die EnBW und das beteiligte Transportunternehmen die Termine nicht bekanntgeben dürften, teilte EnBW mit. Die Beladung jedes einzelnen Behälters dauere einige Tage. Im Februar hatte das Unternehmen einen Probelauf mit Castoren ohne radioaktives Material unternommen.

Minister Untersteller spricht von guter Entscheidung

Atomkraftgegner protestieren seit langem gegen die Beförderung auf dem Neckar. „Es bleibt ein erhebliches Unfallrisiko“, sagte „Neckar castorfrei“-Sprecher Herbert Würth der Deutschen Presse-Agentur. Auch das Zwischenlager in Neckarwestheim biete keine ausreichende Sicherheit, im dortigen Steinbruch gebe es gefährliche Auswaschungen.

„Ein gekentertes Schiff kann nicht einfach so geborgen werden. Ein Unfall betrifft viele Kilometer Wasser und Tausende Menschen“, hatte die Landesvorsitzende des Umweltverbandes BUND, Brigitte Dahlbender, vor kurzem gesagt. Die Aktivisten wollen an diesem Sonntag (21. Mai) in Kirchheim am Neckar erneut gegen den EnBW-Plan demonstrieren.

Minister Untersteller sprach hingegen von einer guten Entscheidung. „Die Alternative, in Obrigheim ein weiteres Zwischenlager zu bauen, ist in der Abwägung die eindeutig schlechtere Lösung“, betonte er.

Etwa 80 Arbeiter und zahlreiche Polizisten sollen die Castoren begleiten. Immer wieder hatten Aktivisten in den vergangenen Jahren in Deutschland gegen solche Transporte auf der Schiene oder auf der Straße protestiert. Gelegentlich kam es zu Ausschreitungen. Der Transport durch die Firma Nuclear Cargo & Service aus Hessen kostet EnBW zufolge einen „unteren zweistelligen Millionenbetrag“.