Raidt-Kolumne Liebe Berliner Werbegötter!
Erik Raidt, vom 31.01.2010 08:32 Uhr
Stuttgart - Vom Bauch-Feeling her würde ich tippen, dass Ihr always ultrahippen Werber aus Berlin einen Bombenslogan hindrechselt, mit dem Stuttgart tourismusmäßig zur Rakete wird. Ihr habt von Stuttgart Marketing den Auftrag, Ihr werdet Eure Mission erfüllen. Und Ihr werdet schon noch rausfinden, auf welchem Planeten dieses verdammte Stuttgart liegt.
Werbesprüche brezeln uns sagenhaft auf. Städte, die keinen haben, könnten dank einer EU-Verordnung bald geschlossen werden, und der Killesberg auf den Gegenwert einer amerikanischen Schrottimmobilie hinabsinken. Nie im Leben hätte ich meinen Jahresurlaub in Bottrop gebucht, wenn ich nicht von diesem steilen Spruch geködert worden wäre: "Bottrop - überraschend anders!" Das kann man für Bottrop nur hoffen. Wenn ich schon mal dort bin, wellnesse ich gleich in "Krefeld - Stadt wie Samt und Seide", bevor ich sanft schnurrend meinen Wagen auf dem Highway nach Hartz-IV-City lenke: "Neuss - Soziale Großstadt."
Tief im Westen, wo früher die Sonne verstaubte, macht heute Ihr, liebe Werbegötter, glänzende Geschäfte. Ganze Landstriche werden doch nur deshalb von ölreichen Scheichs und blutjungen Kätzchen russischer Oligarchen belagert, weil sie so genial vermarktet werden: "Lebendiges Hagen", "Essen - die Einkaufsstadt" und "Recklinghausen attraktiver". Toll, aber es geht noch besser: "Paderborn überzeugt."
Jetzt sind wir dran. Ich sehe Euch schon beim Meeting brainstormen. "Stuttgart, verflucht, das ist härter als Pforzheim! Hmm Fanta 4, hmm Daimler, hmm, wer um alles in der Welt ist Wolfgang Schuster?" Aber dann wird bei Euch ein Geistesblitz in den Konferenztisch einschlagen. Stuttgart, unser Motor Deutschlands, unsere Krampfader Europas, unsere Benz- und Stuggitown, unsere Großstadt zwischen Wald und Reben wird von Euch einen brandneuen Slogan verpasst bekommen.
Dann wird die Welt, dann werden endlich auch wir selbst wissen, wer wir wirklich sind. Stuttgart muss noch Stuttgarter werden! I feel scho a bissle Vorfreude.
Mit erwartungsvollen Grüßen,
Erik Raidt