Raidt schreibt Lieber Chefkoch Kuhn!

Erik Raidt, 14.03.2013 11:43 Uhr

Stuttgart - Kürzlich haben Sie beim Kochen ein gewisses Talent erkennen lassen. Sie hatten einen Bahnmanager zum gemütlichen Wettbrutzeln eingeladen. Dabei haben Sie, so wurde es anschließend in Expertenforen zumindest behauptet, den Herrn auf ganz kleiner Flamme von beiden Seiten gleichmäßig angebraten. Nach einer Weile zeichnete sich eine feine Röte im Gesicht des Bahnmannes ab, der schließlich Ihre Kochschule verließ, ohne auch nur einen Cent Trinkgeld zu hinterlegen. Es heißt, Ihr Gast sei nach den gemeinsamen Bemühungen gut durch gewesen.

Am Samstag lautet das Motto erneut: Kuhn kocht. Diesmal geben Sie bei der Langen Nacht der Museen im eigenen Haus den Kantinenchef. Sie machen’s von 20 Uhr an italienisch: Risotto con salsiccia e radicchio. In unseren Breitengraden könnte man sagen, dass Sie sich an einem Risotto mit Wurst versuchen. Aber, zugegeben, das hört sich für die postmaterialistisch orientierten urbanen Genussmenschen, die Sie gewählt haben, unerotischer an.

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In der Hexenküche

Die Chose wird für die nächtlichen Kulturwanderer übrigens auf Bildschirme übertragen. Seine letzte große Sternstunde hatte das Fernsehen aus dem Rathaus während der Schlichtungsgespräche. Damals überzeugte ein ehemaliger General der CDU als Deutschlands ältestes Showtalent. Heiner Geißler legte anschließend eine steile Karriere in verschiedenen Talkshows hin, während seine Stuttgarter Parteifreunde aus der Union seitdem im Paternoster nur noch abwärts fahren.

Jetzt stehen Sie, lieber Fritz Kuhn, dort, wo es in der politischen Hexenküche am heißesten zugeht und versuchen, sich nicht ständig die Finger zu verbrennen. Bisher haben die Restauranttester Sie noch nicht zerpflückt, aber das kann sich jederzeit ändern. Irgendwer arbeitet im Hintergrund bestimmt daran, Ihnen die Suppe zu versalzen. Aber vielleicht erledigen Sie das ja auch selbst. Ein Moment der Unachtsamkeit kann ein ganzes Gericht versauen.

Kochen mit Radicchio Schlauch

Zugegeben: Sie besitzen gastronomisch gesehen eine gesunde Grundausbildung. In jungen Jahren lernten Sie das Handwerk mit einem gewissen Radicchio (schwäbisch: Rezzo) Schlauch, der noch heute als Referenzgröße gilt. Der Mythos legt nahe, dass mehrere Italiener in der Stadt schließen mussten, weil Schlauch beim Probieren die Abendvorräte vernaschte. Schlauch jedenfalls schwärmt noch heute von den Kochabenden mit Ihnen, lieber Fritz Kuhn. Wer dabei kochte und wer aß, beantwortet sich ganz von allein.

Hungrige Grüße, Erik Raidt

 
 
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