Raidt schreibt Lieber Michael Föll!
Erik Raidt, 11.12.2010 11:21 Uhr
BM Michael Föll bei der Faschingseröffnung Foto: Steinert
BM Michael Föll bei der Faschingseröffnung Foto: Steinert
Stuttgart - Sie sind der oberste Monopoly-Spieler der Stadt. Diese Woche haben Sie alle Fakten auf das Spielbrett gelegt: Die Stadtkämmerei hat öffentliche Gebäude, Straßen und Plätze mit einem Preisschild versehen. Zum Schnäppchenpreis gibt es die Wagenburgröhre (15 Millionen Euro), während der Heslacher Tunnel mit 101 Millionen als Premium-Darkroom gelistet ist.

Investoren sollen bereits angefragt haben, ob sie Shoppingmalls in den Tunnels eröffnen können. Heute gebe es dort nur Staus, Einkaufszentren wären mal etwas Neues. Man könne sie notfalls auch in Würfelform bauen, hinterher weiß anmalen und Galeria Botticelli nennen, kein Problem. Einzige Voraussetzung: die Stadt müsse dafür sorgen, dass es genügend "Frei-Parken-Felder" gebe und die Tester des ADAC nie das Parkhaus betreten.

Finanzkonglomerate interessieren sich auch für die Eberhardstraße. Die kostet läppische 450.000 Euro. Unklar bleibt, ob darin das Standesamt enthalten ist und ob dieKnöllchen fürs Falschparken von der Steuer abgezogen werden können. Die Königstraße hingegen kostet, "mit zwei Brunnen", aber ohne Karstadt, neun Millionen. Frage: Darf der künftige Besitzer der "Stuttgarter Schlossallee" Straßenmusik verbieten? Und was passiert mit dem Mann, der die Namen von Tausenden von Stuttgartern auf ein Reiskorn geschrieben hat?

Doch lieber das künftige Zweitligastadion am Wasen


Die Besitztümer der städtischen Tochterunternehmen werden indes skeptischer beurteilt. Zu diesen zählt ein künftiges Zweitligastadion (59 Millionen Euro) und ein in dessen Nachbarschaft gammelnder Rummelplatz (acht Millionen). Beide Orte sind derart verödet, dass dort turtelnde Karnickel als Megaevent angekündigt werden.

Leichter haben es die Dichter von Immobilienprospekten bei den Grünanlagen am Killesberg (13Millionen): "Wohnen Sie in bester Halbhöhenlage, bundesweit bekannt aus der S-21-Protest-Berichterstattung." Aber der Teufel steckt im Detail. Im Höhenpark haust der Tazzelwurm. Es heißt, die Kleinbahn sei nicht mehr zeitgemäß...

Wo also beim Stuttgart-Monopoly investieren? Lieber auf dem Marienplatz (zwei Millionen) oder am Rathaus (20 Millionen)? Nach dem Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt schwanke ich noch.

Mit freundlichen Grüßen,

Erik Raidt
Kommentare (3)
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DEZ
11
K. Neumann, 21:30 Uhr

Herr Raidt, was Sie sagen wollten

war sicherlich, dass einem nur der bittere Sarkasmus bleibt, wenn in Politik und Verwaltung der blanke Zynismus regiert und das Volk, als wäre das nicht genug, der Narrenkappe dazu noch huldigt und sich zusammen mit dieser in der Narretei erfreut, an der nur einer profitiert. Und da dieser böse Witz Realität ist, bleibt einem das Lachen glatt im Halse stecken. Ich hätte statt einer Investition am Rathaus einen anderen Vorschlag, bzw. die Frage: was kostet es, solcher massen bekappte Herren aus dem Rathaus hinaus zu kaufen? Das wäre die beste Investition. Jedenfalls seitens des Bürgers. Aber dazu müsste der Bürger wohl Wolff & Müller heissen. oder um ganz sicher zu gehen Bilfinger Berger. Danke für den Artikel. Das Wort als Waffe des Machtlosen ist wie ein Regentropfen. Viele dieser Worte ergeben ein Rinnsal, das irgendwann zum Bach wird, der dann zu einem Fluss schwillt, der zum Meer beiträgt, dass das Übel mit einer einzigen grossen Welle wegzuschwemmen vermag.

DEZ
11
Harald Berner, 13:46 Uhr

Es gibt noch Schnäppchen

Besser gehts nimmer Herr Raidt! Dieser Mann, den eine marode CDU zum Finanzbürgermeister gemacht hat, der den TuS Stuttgart finanziell gegen die Wand fuhr, der einen Beratervertrag mit einer Baufirma (angeblich jetzt gekündigt) hat und der vermutlich noch mehr Dreck am Stecken hat! Wann kommen endlich die Fackelträger mit den Mistgabeln und jagen diesen "Herren" mit Schimpf und Schande aus dem Amt!

DEZ
11
Gerald, 12:31 Uhr

Preisspekulation, es gibt noch Schäppchen

Excellent Herr Raidt.