Raidt schreibt Lieber Platanenhocker!

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Sie haben der Kultur des öffentlichen Herumsitzens einen unschätzbaren Dienst erwiesen. Doch die Platane hat Ihnen eine ziemlich kalte Schulter gezeigt.

86-jähriger Platanenhocker im Stadtpark Foto: dapd
86-jähriger Platanenhocker im StadtparkFoto: dapd

Stuttgart - Die Hocketse wird demnächst in den Rang des Weltkulturerbes erhoben – ein großer Erfolg für Stuttgart, nachdem die Stadt in den vergangenen Jahrzehnten mit der Kehrwoche, der Wahl zur Dahlie des Jahres auf dem Killesberg und mit den Rudi-Häussler-Architekturruinen mehrfach knapp im Bewerbungsverfahren gescheitert ist.

Sie, lieber Platanenhocker, haben die kulturelle Bedeutung des Aussitzens auf einer erhöhten Position für Stuttgart noch einmal nachdrücklich unterstrichen. Anfang der Woche sind Sie auf einen der Bäume im Schlossgarten geklettert, um dort oben über Sinn und Unsinn von Tiefbahnhöfen zu meditieren.

Das Platanenhocken folgt einer Tradition, die zurückführt bis ins Jahr 422 – damals setzte sich der syrische Asket Symeon Stylites der Ältere in der Nähe von Aleppo auf eine Säule, auf der er den Rest seines Lebens verbrachte. Eine weniger asketische Variante des Aussitzens verfolgte viele Jahrhunderte später Helmut Kohl der Pfälzer. Für seine Verdienste wurde er zum Säulenheiligen der Deutschen Einheit ernannt. Kurze Zeit später erlebte die Herumhockerei als Pfahlsitzen in Freizeitparks eine Blüte, während über bodennahe Stuttgarter Brauchtumsveranstaltungen wie das Anna-Scheufele-Fest nur selten in der Tagesschau berichtet wurde.

Dienst erwiesen

Sie, lieber Wipfelstürmer, haben der Kultur des öffentlichen Herumsitzens nun einen unschätzbaren Dienst erwiesen. Sieben Stunden lang haben Sie auf der Platane ausgeharrt – leider wird es für immer ein Geheimnis bleiben, über was Sie sich dort oben mit dem Baum unterhalten haben. Die Platane hat Ihnen in dieser Nacht eine ziemlich kalte Schulter gezeigt: Es hatte 13 Grad unter Null, und am Ende musste dann doch die Feuerwehr kommen und Sie im Körbchen vom Baum hieven, nachdem kurzfristig Gerüchte die Runde gemacht hatten, Heiner Geißler turne durchs Geäst.

Aber das war nur eine optische Täuschung, nicht wahr. Im Baum hockten nur Sie, ein „Frozen Parkschützer“.

Mit freundlichen Grüßen, Erik Raidt

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168 KommentareKommentar schreiben

Werter Herr Raidt,...eine rundum gelungene Glosse: Sie sind ja ein würdiger Aspirant für das Autoren-Team Richling,Priol, Nuhr,Pelzig,Rebers, etc pp !!! Lassen Sie sich durch diese leider (!) zahlreichen “Netzwerk-Kommentare“ nicht beirren. Selbst als Laie ist diese Masche schnell zu durchschauen und der “rote“ Faden leuchtet grell. Auch das Bewertungs-Voting spricht da Bände. Es verbirgt sich dahinter alles Andere,… nur nicht die Meinung der Mehrheit der Bürger in BW,dass hat ja u.a. die VA eindrucksvoll bewiesen.

Diesem Chefredakteur ...: ist offenbar nichts mehr peinlich. Sonst hätte er sich für den Gossenbeitrag in dieser 'Zeitung' entschuldigt.

Als 'einfacher' Redakteur dieser Zeitung ...: ... wäre es mir unangenehm, meinen Namen im Impressum zu lesen.

Als Chefredakteur eine Zeitung...: wäre es mir unangenehm, einen solchen 'Artikel' in meinem Blatt stehen zu wissen.

Journalistische Grundsätze: Laut Wikipedia sind 'Die Achtung vor der Wahrheit, die Wahrung der Menschenwürde und die wahrhaftige Unterrichtung der Öffentlichkeit oberste Gebote der Presse.' Der obige Beitrag verletzt die Wahrung der Menschenwürde und stellt keine wahrhafte Unterrichtung der Öffentlichkeit ein. Solche und unzählige weitere Berichte der Stuttgarter 'Zeitung' führen dazu, dass man sich als denkender Bürger zurückversetzt fühlt in Zeiten als es keine freie Presse gab. In jedem Fall kann man sich das Geld für dieses Machwerk in Zukunft sparen und sich besser kostenlos im Internet informieren - z.b. auf den nachdenkseiten

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