Raidt schreibt
Lieber Stefan Mappus!
Erik Raidt,
03.09.2010 07:17 Uhr
Foto: dpa
Lieber Stefan Mappus,
während ich diese Zeilen an meinem kleinen Schreibtisch verfasse, bewegen Sie gerade Großes. Laut Ihrem Plan besichtigen Sie erst das Heuneburgmuseum in Herbertingen-Hundersingen und schunkeln anschließend auf einer Hocketse in Bad Saulgau-Eselsmühle. Seit Anfang der Woche kreuzen Sie in einem Bus quer durchs Land. Sie kommen in Bubsheim, Dörzbach und Bad Säckingen vorbei, wo Ihnen zu Ehren im Kursaal am Freitagabend womöglich der Marsch geblasen wird. Wenn ich die Stationen Ihrer Tournee sehe, fällt mir spontan das Intro meiner Lieblingsserie ein: der Weltraum, unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2010. Viele Lichtjahre von der Zivilisation entfernt dringt der baden-württembergische Ministerpräsident in Galaxien vor, die noch nie ein Mensch zuvor gesehen hat. Sie, lieber Stefan Mappus, reisen leider nicht an Bord der Enterprise. Sie müssen auf den altklugen Mr. Spock und den kurvigen Lieutenant Uhura verzichten.
Dafür kommandieren Sie vom Beifahrersitz des Mapbus herab. Doch, so hat Ihr Headquarter in der Villa Reitzenstein tatsächlich Ihren Bus getauft. Mapbus, was für ein abgefahrener Schenkelklopfer. Mit diesem Politrollator stellen Sie sich in eine große demokratische Tradition. Die Spannweite reicht vom Rheingold-Express, dem Wahlkampfzug Konrad Adenauers, bis zum Guidomobil, einem gelb-blauen Spaßtruck aus der frühen Mr.-Gaga-Phase Guido Westerwelles. Auf Ihrer Reise an die Randgebiete des Sommerlochs scannen Sie Ihre Wählerschaft für die Landtagswahlen. Bei Betriebsbesichtigungen und Sommerfesten erfasst modernste Abhörtechnik ständig Ihre Restlaufzeit. Big Map is listening to you. Sie plaudern mit dem Steinheimer Steppenelefanten, frühstücken in einer Fußgängerzone und besuchen im Rahmen der sozialen Fürsorge die Stuttgarter Kickers.
Eintrag im Terminkalender: der Degerlocher Patient. In der Kinderspielstadt Stutengarten haben die Jüngsten Sie schon mal dorthin verpflanzt, wo Sie ohnehin längst sitzen. Auf den Thron. Damit das auch so bleibt, touren Sie noch bis nächsten Freitag. Kein Wähler ist vor Ihnen sicher. Ihr Programm zum massenweisen Einsammeln der Stimmen ist ganz auf der Höhe der Zeit: Mapbus Street View.
Mit freundlichen Grüßen,
Ihr Erik Raidt
während ich diese Zeilen an meinem kleinen Schreibtisch verfasse, bewegen Sie gerade Großes. Laut Ihrem Plan besichtigen Sie erst das Heuneburgmuseum in Herbertingen-Hundersingen und schunkeln anschließend auf einer Hocketse in Bad Saulgau-Eselsmühle. Seit Anfang der Woche kreuzen Sie in einem Bus quer durchs Land. Sie kommen in Bubsheim, Dörzbach und Bad Säckingen vorbei, wo Ihnen zu Ehren im Kursaal am Freitagabend womöglich der Marsch geblasen wird. Wenn ich die Stationen Ihrer Tournee sehe, fällt mir spontan das Intro meiner Lieblingsserie ein: der Weltraum, unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2010. Viele Lichtjahre von der Zivilisation entfernt dringt der baden-württembergische Ministerpräsident in Galaxien vor, die noch nie ein Mensch zuvor gesehen hat. Sie, lieber Stefan Mappus, reisen leider nicht an Bord der Enterprise. Sie müssen auf den altklugen Mr. Spock und den kurvigen Lieutenant Uhura verzichten.
Dafür kommandieren Sie vom Beifahrersitz des Mapbus herab. Doch, so hat Ihr Headquarter in der Villa Reitzenstein tatsächlich Ihren Bus getauft. Mapbus, was für ein abgefahrener Schenkelklopfer. Mit diesem Politrollator stellen Sie sich in eine große demokratische Tradition. Die Spannweite reicht vom Rheingold-Express, dem Wahlkampfzug Konrad Adenauers, bis zum Guidomobil, einem gelb-blauen Spaßtruck aus der frühen Mr.-Gaga-Phase Guido Westerwelles. Auf Ihrer Reise an die Randgebiete des Sommerlochs scannen Sie Ihre Wählerschaft für die Landtagswahlen. Bei Betriebsbesichtigungen und Sommerfesten erfasst modernste Abhörtechnik ständig Ihre Restlaufzeit. Big Map is listening to you. Sie plaudern mit dem Steinheimer Steppenelefanten, frühstücken in einer Fußgängerzone und besuchen im Rahmen der sozialen Fürsorge die Stuttgarter Kickers.
Eintrag im Terminkalender: der Degerlocher Patient. In der Kinderspielstadt Stutengarten haben die Jüngsten Sie schon mal dorthin verpflanzt, wo Sie ohnehin längst sitzen. Auf den Thron. Damit das auch so bleibt, touren Sie noch bis nächsten Freitag. Kein Wähler ist vor Ihnen sicher. Ihr Programm zum massenweisen Einsammeln der Stimmen ist ganz auf der Höhe der Zeit: Mapbus Street View.
Mit freundlichen Grüßen,
Ihr Erik Raidt
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Big Map passt schon
In schöner Tradition. Einige sind hier aufgezählt. Warum glauben manche, dass wenn mit ihren ohnehin nicht gerade zierlichen Konterfei riesig auf einem Bus platziert, durch die Gegend fahrend, aufs gemeine Volk herabschauend, Sympathien gewinnen könnte??? Bäh! Mir kommt jedes mal die Galle hoch.
Volltreffer
Lieber Herr Raidt. Ihr Artikel erhält von mir die Note 1+ Besser kann man die Situation nicht beschreiben. Freue mich schon auf weitere Kommentare.
Schenkelklopfer
Ihr Text Erik Raidt, hintersinnig scharf, zum totlachen geil. So muss Politikbegleitung aussehen.