Raidt schreibt
Liebes Heslacher Hallenbad!
StZ,
09.01.2011 09:20 Uhr
Unser Kolumnist kann sich Guido Westerwelle sehr gut im Heslacher Bad vorstellen. Foto: Steinert
Liebes Heslacher Hallenbad!
Die Westerwelle, die in den vergangenen Tagen durch Stuttgart schwappte, ist wieder abgeebbt. Nur wer ganz leise ist, hört noch ein entferntes Blubbern und Plappern, wie es in der Nähe von eruptierenden Geysiren in Island manchmal zu vernehmen ist. Der schwere Schwefelgeruch von Königsmördern hat sich verzogen. Allmählich trauen sich die Schwäne wieder auf den Eckensee vor die Staatsoper. Die Luft scheint ihnen rein zu sein, frei von Freien Demokraten. Deren Lächeln bei der Rede des FDP-Parteivorsitzenden erinnerte manchmal an die Güte des Wolfs im Großmutterpelz.
Wenn ich ein Schwan wäre, wäre ich auch geflohen. Vielleicht nicht unbedingt zu Dir, liebes Heslacher Hallenbad.
Obwohl? Wenn ich mir näher anschaue, was heute Abend in Dir abgeht, würde ich es mir womöglich doch überlegen und vorbeiwatscheln. Du bittest Deine Besucher heute zur mitternächtlichen "Candlelight-Sauna, zahlreiche Kerzen im und am Schwimmbecken verwandeln das Bad in ein Lichtermeer". Der Abend wird mit einem Sektempfang eröffnet, auf die Saunagänger warten "kühle Überraschungen. Die Veranstaltung wird von Live-Gitarrenmusik untermalt".
Ich finde das großartig. Als ich in den achtziger Jahren im Vaihinger Hallenbad das Seepferdchen-Abzeichen erschwamm, sah die Welt noch anders aus. Der Bademeister fluchte wie ein Feldwebel, das Becken roch nach Chlor, und der Automat mit den Süßigkeiten hatte ständig Ladehemmung.
Heute zählt ein Bad nichts mehr, wenn es nicht mindestens eine Badelandschaft ist. Besser ein Tempel. Mit tibetischen Massagen, Dampfgrotten, Erlebnisduschen.
In diesen künstlichen Paradiesen fließt der Schweiß von Weltmännern. Ich kann mir Guido Westerwelle sehr gut in Deiner Candlelight-Sauna vorstellen, liebes Heslacher Hallenbad. Nach dem Schwitzen steigt er ins Becken, lässt sich auf dem Rücken liegend im Wasser treiben. Ab und an stößt er gegen eine Duftkerze. Im Halbdunkel die Umrisse zweier Schwäne. Am Beckenrand sitzt Elton John an einem weißen Klavier. Erst spielt er "Candle in the Wind" und dann "Bridge over troubled Water". Ist zwar nicht von ihm, passt aber so schön.
Die Parteifreunde sind so fern und der Vorsitzende völlig losgelöst. Er ist hüllenlos in Heslach.
Mit freundlichen Grüßen, Erik Raidt
Die Westerwelle, die in den vergangenen Tagen durch Stuttgart schwappte, ist wieder abgeebbt. Nur wer ganz leise ist, hört noch ein entferntes Blubbern und Plappern, wie es in der Nähe von eruptierenden Geysiren in Island manchmal zu vernehmen ist. Der schwere Schwefelgeruch von Königsmördern hat sich verzogen. Allmählich trauen sich die Schwäne wieder auf den Eckensee vor die Staatsoper. Die Luft scheint ihnen rein zu sein, frei von Freien Demokraten. Deren Lächeln bei der Rede des FDP-Parteivorsitzenden erinnerte manchmal an die Güte des Wolfs im Großmutterpelz.
Wenn ich ein Schwan wäre, wäre ich auch geflohen. Vielleicht nicht unbedingt zu Dir, liebes Heslacher Hallenbad.
Obwohl? Wenn ich mir näher anschaue, was heute Abend in Dir abgeht, würde ich es mir womöglich doch überlegen und vorbeiwatscheln. Du bittest Deine Besucher heute zur mitternächtlichen "Candlelight-Sauna, zahlreiche Kerzen im und am Schwimmbecken verwandeln das Bad in ein Lichtermeer". Der Abend wird mit einem Sektempfang eröffnet, auf die Saunagänger warten "kühle Überraschungen. Die Veranstaltung wird von Live-Gitarrenmusik untermalt".
Ich finde das großartig. Als ich in den achtziger Jahren im Vaihinger Hallenbad das Seepferdchen-Abzeichen erschwamm, sah die Welt noch anders aus. Der Bademeister fluchte wie ein Feldwebel, das Becken roch nach Chlor, und der Automat mit den Süßigkeiten hatte ständig Ladehemmung.
Heute zählt ein Bad nichts mehr, wenn es nicht mindestens eine Badelandschaft ist. Besser ein Tempel. Mit tibetischen Massagen, Dampfgrotten, Erlebnisduschen.
In diesen künstlichen Paradiesen fließt der Schweiß von Weltmännern. Ich kann mir Guido Westerwelle sehr gut in Deiner Candlelight-Sauna vorstellen, liebes Heslacher Hallenbad. Nach dem Schwitzen steigt er ins Becken, lässt sich auf dem Rücken liegend im Wasser treiben. Ab und an stößt er gegen eine Duftkerze. Im Halbdunkel die Umrisse zweier Schwäne. Am Beckenrand sitzt Elton John an einem weißen Klavier. Erst spielt er "Candle in the Wind" und dann "Bridge over troubled Water". Ist zwar nicht von ihm, passt aber so schön.
Die Parteifreunde sind so fern und der Vorsitzende völlig losgelöst. Er ist hüllenlos in Heslach.
Mit freundlichen Grüßen, Erik Raidt
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