Raidt schreibt Liebes Schilda!
Erik Raidt, vom 05.03.2010 13:56 Uhr
Stuttgart - Die Kreativen in der Stadt haben sich mal wieder ausgetobt. Nur Ignoranten kann es verborgen bleiben, dass die künstlerische Avantgarde dabei nicht im Kunstmuseum oder in der Staatsgalerie zu sehen ist. Die wahren Warhols sitzen im Stuttgarter Regierungspräsidium.
Anfang der Woche haben die Kunstkuratoren der Behörde eine lange geplante Außenausstellung eröffnet, deren Erfolg geradezu durchschlagend ist. Unter dem sinnreichen Titel "Durchfahrtsverbot für LkW" sind hochspannende Kunstschilder an Autobahnen und Bundesstraßen zu sehen. Sie erfüllen in geradezu perfekter Weise den Anspruch an moderne Kunst: Man schaut sie an und hat keine Ahnung, um was es eigentlich geht.
Die Schilder, die ukrainische Lastwagenfahrer davon abhalten sollen, künftig unsere aufblühende Stadt mit Feinstaub zu düngen, sind in ihrer schlichten Darstellungsform von berückender Schönheit. Sie greifen den Stil des niederländischen Malers Piet Mondrian auf, der die Welt einst mit seinen rot-gelb-blauen Quadraten beglückte. Schon früh erkannte der Stuttgarter Schokopionier Alfred Ritter das Potenzial dieser neuen Kunstströmung und variierte es in seinem großen Spätwerk "Traube-Nuss".
"Street Art"
Quadratisch, praktisch und gut bist auch Du, liebes Schilda in Stuttgart. Dank der abstrakten Malerei des Regierungspräsidiums verwandelt sich Stuttgart in ein Labyrinth, das sich Kafka nicht schöner hätte ausdenken können. Ich sehe die ersten Brummifahrer schon vor mir, die mit ihren Zwanzigtonnern durch Stuttgart donnern und sich angesichts des Schilderwaldes fühlen werden, wie Gregor Samsa, kurz bevor er sich in ein Ungeziefer verwandelte.
Liebes Schilda-Präsidium, wenn Du einen Eintrag auf Facebook hättest, würde ich mich sofort als Fan von Dir registrieren lassen. Deine Ideen zur Bekämpfung des Feinstaubs gehören im Kessel inzwischen zu den urbanen Legenden. Erst Anfang des Jahres hast Du mit einem Spezialfahrzeug eine Turbohaftcreme auf die Straße beim Neckartor auftragen lassen, um den Feinstaub auf die Fahrbahn zu pappen.
Jetzt festigst Du Deinen Ruf mit "Street Art". Das ist mutig, visionär und bis jetzt unerreicht. Ich bin jetzt schon gespannt auf Deine nächste Vernissage.
Mit freundlichen Grüßen,
Erik Raidt