Rasante "Räuber" fesseln das Publikum

Von HIER_FELL 

Fellbach. Vorzügliche Aufführung von Schillers Werk: Szenenapplaus und Bravo-Rufe im fast vollen Hölderlinsaal. Von Hans-Dieter Wolz

Fellbach. Vorzügliche Aufführung von Schillers Werk: Szenenapplaus und Bravo-Rufe im fast vollen Hölderlinsaal. Von Hans-Dieter

Auf der Bühne, gestaltet von Claudia Weinhart, erhebt sich eine schräge Spielfläche aus podestartig aneinandergereihten Truhen. Auf ihnen setzen sich junge Leute in Szene: Ein kalt dozierender Franz von Mohr (Julius Bornmann) mit 60er-Jahre-Frisur macht sich in seinen Allmachtsfantasien mit Stil, aber fies, daran, seinen kranken Vater zu beseitigen und seinem älteren Bruder Karl per Intrige die rechtmäßige Herrschaft über die Mohrsche Grafschaft zu entreißen. Studenten, die in Kleidung und Parolengeschrei aus den 68-ern stammen könnten, stören eine Vorlesung an der Uni und radikalisieren sich, als sie für sich keine Zukunft mehr sehen. Blindwütig, tobend, psychopatisch, und gar nicht edel ist der Anführer Karl von Mohr (Julian Weigend), der ausgetrickste Grafensohn. Er gibt sich als Rächer der Enterbten und gerät, seiner vorgeblichen Ideale zum Trotz, nur zum stets unzufriedenen, wenn auch bis zur Selbstverleugnung verlässlichen Herrscher über Kriminelle.

Gemeinsam überziehen diese Räuber böhmische Wälder mit Terror: Eine Mohr-Bande, teilweise im Guerilla-Outfit (Kostüme von Adriana Taratufolo), geboren aus Alkohol- und angedeutetem Drogenmissbrauch, dazu jugendlichem Rebellentum, streitet sich, rühmt sich, deklamiert und verstrickt sich schließlich in Fememorde: an der schwärmerischen, betont jugendlich umherhüpfenden Amalie (Kerstin Dietrich), und schließlich sogar am eigenen resignierenden Räuber-Hauptmann Karl.

Trotz solcher Aktualisierung hat diese hervorragende Aufführung, inszeniert von Christoph Brück, Schillers sprachgewaltige Texte behutsam und werkgetreu wiedergegeben. Sie hat die psychologische Charakterisierung der Personen scharf, weder wohlwollend noch nachsichtig, herausgearbeitet, auch wenn der Räuber Schweizer zur Schweizerin (Anna Kaminski) - super-emanzipiert an der Waffe und unter verfilzten Haaren dennoch adrett - mutiert ist. In weiteren Rollen spielten überzeugend und, wie alle Akteure unter großem Beifall, Hans H. Steinberg als Mohr senior, Wolfgang Grindemann als unterwürfiger, einfältiger Hermann sowie Achim Grauer, Sven Hussock und Aaron-Frederik Defant.