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Rastatt Daimler schafft 400 neue Stellen

Harry Pretzlaff, vom 28.07.2010 17:53 Uhr
 Foto: ap
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Stuttgart - Nach dem rasanten Aufstieg aus der Krise stockt der Autobauer Daimler erstmals wieder die Stammbelegschaft an einem deutschen Standort deutlich auf. In Rastatt sollen nach Angaben des Unternehmens rund 400 zusätzliche unbefristete Arbeitsplätze geschaffen werden. Darauf haben sich der Betriebsrat und die Werkleitung geeinigt. Derzeit arbeiten dort insgesamt 5300 Stammbeschäftigte und 300 Leiharbeiter.

Der Betriebsrat hatte bereits in den vergangenen Monaten darauf gepocht, dass das Unternehmen nicht nur Leiharbeiter einstellt, sondern auch wieder feste Stellen schafft. Bei Daimler gibt es eine Vereinbarung zwischen Unternehmensleitung und Betriebsrat, wonach höchstens acht Prozent der in der Produktion eines Werks Beschäftigten Leiharbeiter sein dürfen.

Daimler-Betriebsratschef Erich Klemm hatte Anfang Juli in einem Gespräch mit der Stuttgarter Zeitung bekräftigt, dass diese Regelung strikt eingehalten werden müsse. "Die Beschäftigung in Rastatt wird weiter wachsen. Und der Betriebsrat ist entschlossen, bei Überschreiten der Obergrenzen zusätzliche feste Stellen durchzusetzen", stellte Klemm damals klar.

Stellenschaffung wird als wichtiges Signal gewertet


Die nun beschlossene Schaffung von rund 400 zusätzlichen Stellen wertete Klemm gestern als wichtiges Signal: "Wenn Betriebsräte Einfluss nehmen, dann findet der Aufschwung nicht auf dem Rücken von Leiharbeitern statt", sagte Klemm. Die Festeinstellungen von Rastatt zeigten, so Klemm, dass Leiharbeit betrieblich klar begrenzt sein müsse, damit neu entstehende dauerhafte Arbeitsplätze nicht mit Leiharbeitern, sondern mit Stammbeschäftigten besetzt würden. Auch Werkleiter Peter Wesp wies wie Klemm darauf hin, dass Leiharbeiter und Mitarbeiter mit befristeten Verträgen nun eine langfristige berufliche Perspektive hätten. "Die Vereinbarung ist ein klares Bekenntnis zum Standort Rastatt", sagte Wesp.

Rund 300 der neuen Stellen erhalten Mitarbeiter, die bislang in Rastatt als Leiharbeiter beschäftigt sind, sowie Mitarbeiter aus dem Transporterwerk Ludwigsfelde, deren befristete Verträge in den nächsten Wochen ausgelaufen wären. Zudem sollen Daimler-Mitarbeiter aus anderen Werken, die lieber in Rastatt arbeiten wollen, dorthin wechseln. Darüber hinaus wurde auch vereinbart, dass alle Nachwuchskräfte, die 2006 und 2007 ihre Lehre in Rastatt begonnen hatten, in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis übernommen werden.

Die Aufstockung der Stammbelegschaft wird nicht nur mit der guten Nachfrage nach der aktuellen Generation der A- und B-Klasse begründet, sondern auch mit dem bevorstehenden Generationswechsel. Der Rastatter Betriebsratsvorsitzende Karlheinz Fischer wies gestern darauf hin, dass die Kapazität des Werks damit deutlich erweitert werde. "Die Programmplanung zeigt, dass das jetzt angeforderte zusätzliche Personal dauerhaft gebraucht wird", erläuterte Fischer.

Mehr Fahrzeuge sollen pro Schicht produziert werden


Mit dem Generationswechsel soll die Angebotspalette der A- und B-Klasse aufgefächert und der Absatz deutlich ausgeweitet werden. Von der nächsten Generation an soll es nicht nur zwei, sondern vier Baureihen mit dem Stern im Segment der kompakten Premiumfahrzeuge geben. Drei davon sollen in Rastatt, eine in einem neuen Werk in Ungarn vom Band laufen, das derzeit gebaut wird. Die Produktion der neuen Generation soll Ende nächsten Jahres anlaufen.

Mit den zusätzlichen Mitarbeitern sollen nach Angaben des Unternehmens in der zweiten Hälfte des laufenden Jahres mehr Fahrzeuge pro Schicht produziert werden. Außerdem werde von der ersten Hälfte des nächsten Jahres an in drei Schichten an sechs Tagen in der Woche produziert. Die Mitarbeiter behalten dabei jedoch ihre individuelle Fünftagewoche.

Mitarbeiterzahl soll weltweit stabil bleiben


Derzeit ist nicht absehbar, dass auch in anderen Werken des Autobauers die vereinbarte Obergrenze für die Beschäftigung von Leiharbeitern überschritten wird. "Wir bewegen uns in den anderen Werken im Rahmen der Vereinbarung mit dem Betriebsrat", sagte eine Sprecherin des Unternehmens. Insgesamt beschäftigt Daimler 2200 Leiharbeiter.

Daimler-Chef Dieter Zetsche hatte bei der Vorlage des Zwischenberichts für das zweite Quartal am Dienstag angekündigt, dass die Zahl der Mitarbeiter sowohl in Deutschland als auch weltweit in diesem Jahr stabil bleiben oder leicht steigen werde. Ende Juni lag der Personalstand mit weltweit 257.658 Mitarbeitern und 163.507 Mitarbeitern in Deutschland leicht über dem Vorjahresniveau.
Kommentare (1)
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JUL
28
22:08 Uhr, geschrieben von Mitarbeiter der MB Bank
Umstrukturierung
Alle Achtung Herr Dr. Zetsche, das ist ja ziemlich sozial was die Daimler AG für Planungen anstellt. Klasse, sind eben doch einer der besten Arbeitgeber im Land, der immer für seine Mitarbeiter da ist. ABER natürlich nur für die Mitarbeiter im Mutterkonzern, die lieben Töchterunternehmen betrachten wir mal nicht mit der Sozialbrille, da macht man eher mal einen Kahlschlag und versucht wie bei der Mercedes Benz Bank, bzw. Daimler Financial Service Mitarbeiter abzubauen, oder soll man besser sagen, demotivieren, vergraulen, rausekeln und spätestens 2012 mit Änderungskündigungen abspeisen. Morgen, 29.07.2010 wird wieder so ein Tag, da erfahren Mitarbeiter von ihren Vorständen was sie ihnen eigentlich noch wert sind. Da werden wieder hunderte von Kollegen belogen, betrogen und um ihre jahrelange Leistung die sie für das Unternehmen gebracht haben, billig abgespeist. Und spätestens dann fragt man sich natürlich, ist dieses Unternehmen, ist dieser Daimler Konzern wirklich noch sozial? Aber auch diese Frage wird irgendwann die Öffentlichkeit beschäftigen, spätestens wenn Mitte/Ende 2011 in Stuttgart auf einmal sehr viele meiner Kollegen auf der Strasse stehen werden, weil sie nicht das Glück haben, sofort einen neuen Arbeitsplatz zu finden, weil die Alleinerziehende Mutter nicht einfach mal kurz nach Saarbrücken oder Berlin umziehen kann, weil der Sohn seine pflegebedürftige Eltern nicht einfach in ein Pflegeheim abschieben, sondern selber pflegen will, weil der Behinderte nicht mehr einen Arbeitgeber finden wird, der ihm eine Chance gibt, aber auch die vielen Kollegen(innen) die nicht bereit sind ihre Heimat, das selbstgebaute Haus oder endlich die eben erst finanzierte Wohnung wieder aufgeben wollen. Aber das sind ja alles nur Menschen, was interessiert denn die Herren Dieter Zetsche, den Finanzvorstand Bodo Uebber oder den Vorstand der Daimler Financial Service Klaus Entenmann die Menschen? Einzig und allein was zählt ist nur das Konzernergebnis, da passt SOZIALE VERANTWORTUNG nicht dazu, oder haben Sie vielleicht schon mal Monopoly fair gewonnen, ich nicht!!
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