Rasterbrillen im Test Von Augenärzten nicht empfohlen
Alexander Günzler, 07.08.2010 10:26 Uhr
Augenärzte warnen vor den Gefahren der Rasterbrille. Foto: StZ
Augenärzte warnen vor den Gefahren der Rasterbrille. Foto: StZ
Stuttgart - In etwa so muss es wohl aussehen, wenn man die Welt durch den Brausekopf einer Gießkanne betrachtet. Doch nachdem sich meine kurzsichtigen Augen an die kleinen Gucklöcher vor meiner Nase gewöhnt haben, sehe ich die Buchstaben auf meinem rund zwei Meter entfernten Monitor tatsächlich schärfer. Und dies dank einer sogenannten Rasterbrille, die ausschaut als ob jemand vergessen hat, die Öffnungen für die Gläser aus dem Plastikgestell auszustanzen und stattdessen ein paar Dutzend Löcher hineingebohrt hat. Schärfer sehen ganz ohne geschliffene Gläser oder Kontaktlinsen - eine optische Täuschung oder ein medizinisches Wunder?

"Ein einfaches physikalisches Prinzip", sagt Egon Georg Weidle, Ärztlicher Direktor der Augenklinik am Stuttgarter Katharinenhospital. Rasterbrillen nutzen den sogenannten Lochblendeneffekt. Wie bei einer Kamera mit kleiner Blende wird das Licht durch die Löcher besser gebündelt und auf die Mitte der Netzhaut geleitet. Störende Randstrahlen werden so ausgeblendet und die Schärfentiefe erhöht. So sieht man zwar besser, jedoch - abhängig von der jeweiligen Sehschärfe des Anwenders - nicht 100 Prozent. "Das Prinzip funktioniert auch, wenn man die Augen zusammenkneift oder mit der Faust ein kleines Loch macht und hindurchschaut", erklärt der Experte.

Die Rundumsicht bleibt auf der Strecke


Da ich aber nicht mit einer Faust vor dem Gesicht herumlaufen will, setze ich weiterhin auf die Rasterbrille. Aus meinem Büro hinaus traue ich mich damit aber nicht, verschafft sie dem Träger doch das Antlitz einer Stubenfliege. Wohlfühle ich mich mit dem Gitter vor der Nase auch im Büro nicht. Wenn ich den Kopf drehe, wird es mir immer wieder leicht schwummerig. Die Sinneseindrücke "hell - dunkel - hell - dunkel" verschwimmen zu einem diffusen Grau. Zudem bleibt die Rundumsicht weitgehend auf der Strecke. Die Kollegin, die neben mir sitzt, nehme ich nur schemenhaft und verschwommen wahr. Kritiker und sogar Hersteller raten daher davon ab, mit der Rasterbrille komplexe Tätigkeiten auszuführen. Dazu zählen sie das Autofahren und die Bedienung von Maschinen. Ein Internethändler empfiehlt den Einsatz "während dem Fernsehen, Lesen oder am PC". Aber warum sollte ich da eine Rasterbrille einer normalen Brille oder Kontaktlinsen vorziehen?

Kommentare (2)
Anzeigen
SEP
22
A. M. Weiss, 07:02 Uhr

Rasterbrillen im Test??

Ich kann mich meiner Vorkommentatorin im Prinzip nur anschließen! Immer dann, wenn eine äußerst kostengünstige Alternative auftaucht, die tatsächlich den Eindruck macht, wirklich hilfreich sein zu können, dann treten ganz schnell die Herrschaften auf den Plan, die Angst vor eventuellen finanziellen Einbußen haben. Und sie schrecken auch nicht davor zurück, Furcht unters Volk zu bringen, damit die eigenen Einkünfte möglichst weiterhin gesichert bleiben. Man muss sich nur mal genügend umschauen, es herrscht fast überall das gleiche Prinzip: Geld regiert die Welt! Moral, Menschlichkeit und wahre Nächstenliebe bleibt dabei meist auf der Strecke. Hauptsache die Kasse stimmt! In diesem Fall bei Augenärzten und Optikern. Es heißt hier: "Rasterbrillen im Test". Was für ein Test bitteschön??? Wer einen mehrwöchigen Selbstversuch nicht wagt, ist wohl kaum dazu prädestiniert, einen wirklich kompetenten Artikel über Rasterbrillen im Test zu schreiben. Und die Aussage der Augenärzte: "Ein Nutzen ist nicht erkennbar, ein Schaden für die Augen sehr wohl möglich", könnte man auch folgendermaßen übersetzen: "Ein Unnutzen ist nicht erwiesen, ein Schaden für die Augen ebenfalls nicht."

OKT
18
Sonja Paintmeier, 10:54 Uhr

Hilfsmittel oder Heilmittel

Ich sah dem ganzen auch sehr skeptisch entgegen, aber wenn man genau drüber nachdenkt ist die "normale" Brille kein Heilmittel sondern nur ein Hilfsmittel und meist braucht man alle paar Jahre eine stärkere Brille. Das zweite was dagegen spricht ist, eine Brille kostet so 300 Euro aufwärts und wird von den Krankenkassen nicht übernommen. Warum sollen mir dann 30 Euro für eine Rasterbrille zu schade sein? Das Auge wird durch die Rasterbrille traniert, wie beim Muskeln tranieren im Fitnessstudio. Weiteres finde ich bis jetzt keine negativen Erfahrungsberichte im Internet über die Rasterbrille sondern nur positive. Stellt euch vor jeder Augenarzt würde jedem Patienten diese Rasterbrille empfehlen! Was würden dann die ganzen Brillenhändler und auch Brillenhersteller machen?