Ray Bradbury zum Neunzigsten Altes Gepäck in einer neuen Welt
Thomas Klingenmaier, 21.08.2010 16:51 Uhr
Ray Bradbury gilt heute längst als Klassiker der Science-Fiction und bei aufgeschlossenen Menschen auch als wichtiger Autor des 20. Jahrhunderts. Foto: AP
Ray Bradbury gilt heute längst als Klassiker der Science-Fiction und bei aufgeschlossenen Menschen auch als wichtiger Autor des 20. Jahrhunderts. Foto: AP
""Wenn die Geschichte gut ist, dann gibt es auch einen Markt für sie." "
Ray Bradburys Rat an junge Autoren



Die Geschichten passen nicht hundertprozentig zueinander, was allerdings kein Manko ist. Die Bilder, die Bradbury hier Kapitel um Kapitel aufruft, wirken wie Fantasien, von denen jede schon nach einem kurzen Blinzeln verschwindet und durch die nächste ersetzt wird, die dann wiederum sehr bewusst kleine Änderungen enthält. Bradbury sinniert: In so einer Koloniensituation, weit weg von der Erde und mit allem irdischen Gepäck, könnte manches an uns deutlicher werden. Letztlich aber vor allem dieses: dass wir als Zivilisation auch mit einer neuen Chance nichts anzufangen wüssten.

Erbe von Romantikern


Eine Art Roman aus Kurzgeschichten aufzubauen, das hat sich Bradbury bei Sherwood Andersons "Winesburg, Ohio" abgeschaut. Zugleich aber geht er in einem seiner Kapitel mit Andersons erfolgreichstem Nachfolger, Ernest Hemingway, böse ins Gericht. In diesem Abschnitt, der seinen späteren Welterfolg "Fahrenheit 451" vorwegnimmt, erfahren wir, dass auf der Erde, zumindest in den USA, längst Bücher und Filme verbrannt wurden, dass eine Hexenjagd auf Fantasie, auf Spielerei, auf alles Unpraktische und Unseriöse stattgefunden hat. Nur Hemingways sachlicher Stil wird in diesem Kapitel noch geduldet.

Da positioniert sich Bradbury als Erbe von Romantikern wie Edgar Allan Poe und auch von Deutschen wie Ludwig Tieck und E.T.A. Hoffmann. Er will Bilder von etwas zeigen, was es so nicht gibt, um die Aufmerksamkeit zu schärfen für das, was wir wiedererkennen - und um uns dabei das Gefühl zu geben, wir seien um etwas reicher geworden, was wir so anderswo nicht erlebt haben könnten. Um literarische Sortiermechanismen macht er sich damals keine Sorgen. Jungen Autoren rät er in einer Rede: "Wenn die Geschichte gut ist, dann gibt es auch einen Markt für sie."
Kommentare (0)
Anzeigen