Razzia im Rockermilieu in Stuttgart Fünf mutmaßliche Menschenhändler festgenommen

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Die Tatverdächtigen sollen Frauen mit Gewalt und Drohungen zur Prostitution gezwungen haben. Sie sollen Verbindungen zu den United Tribuns haben. Auf die Spur kam die Polizei ihnen nach den Ermittlungen rund um das Bordell Paradise vor zwei Jahren.

Erste Hinweise auf die Verdächtigen ergaben sich nach der Razzia vor zwei Jahren, bei der unter anderem der Club Paradise auf den Fildern durchsucht wurde. Foto: 7aktuell.de/Eyb
Erste Hinweise auf die Verdächtigen ergaben sich nach der Razzia vor zwei Jahren, bei der unter anderem der Club Paradise auf den Fildern durchsucht wurde.Foto: 7aktuell.de/Eyb

Stuttgart - Die Polizei hat vergangene Woche und an diesem Dienstag im Zuge einer Razzia fünf Personen festgenommen, die mutmaßlich als Menschenhändler agiert haben. Ihnen wird vorgeworfen, Frauen zur Prostitution gezwungen zu haben. Laut dem Landeskriminalamt haben die Tatverdächtigen offenbar Verbindungen zu der rockerähnlichen Bande United Tribuns. Insgesamt durchsuchte die Polizei 13 Wohnungen und Geschäftsräume. Schwerpunkte waren Mühlhausen und Feuerbach in Stuttgart sowie Fellbach, außerdem waren die LKA-Beamten in Konstanz im Einsatz.

Frauen mit Gewalt zur Prostitution gezwungen

Kriminalpolizisten, die im Bereich der organisierten Kriminalität ermitteln, brauchen mitunter einen sehr langen Atem. Das zeigt auch das Beispiel einer aktuellen Razzia des Landeskriminalamts. Den zwei Frauen und drei Männern im Alter von 22 bis 41 Jahren ist die Polizei im Zuge der Ermittlungen rund um das Großbordell Paradise in Leinfelden-Echterdingen auf die Spur gekommen.

Der Razzia dort im November 2014 war ebenfalls eine lange Phase der Ermittlungen vorausgegangen. Sie sollen die Frauen, die sie zur Prostitution zwangen, bedroht haben und auch gewalttätig gegenüber ihren Opfern geworden sein. Die Frauen mussten sich laut dem LKA zur Prostitution in verschiedenen Bordellen, Hotels, Terminwohnungen und auf Internetplattformen anbieten. Die Tatverdächtigen ­sollen unter anderem die Internetprofile gepflegt und die Termine mit Freiern ­verwaltet haben. Auch die Preise sollen sie Erkenntnissen der Ermittler zufolge ausgehandelt haben. Das Geld hätten die Frauen an die Hinterleute abgeben müssen, teilt das LKA mit. Waren die Frauen krank oder litten sie unter Schmerzen, hätten sie dennoch weiterhin ihre Dienste anbieten müssen.

Vorwürfe: Menschenhandel, Zuhälterei und Vergewaltigung

Von den dieser Tage durchsuchten 13 Wohnungen und Gewerberäume lagen elf in Stuttgart. Acht Wohnungen durchsuchten die Beamten in der Landeshauptstadt, und drei Geschäftsräume. Die Tatverdächtigen sollen ihre Geschäfte in Reisebüros abgewickelt haben, die sie betrieben. Bei den Razzien stellten die Ermittler nicht nur Computer, Datenträger und Geschäftsunterlagen sicher, sondern auch Insignien, die auf den Bezug zu der Bande United Tribuns hindeuten. Die Verdächtigen sollen diese offenbar zumindest unterstützt haben, sagte ein Sprecher des Landeskriminalamts. An den Durchsuchungen waren mehr als 100 Einsatzkräfte beteiligt, sie gingen gleichzeitig in die Gebäude in Feuerbach, Fellbach und Konstanz.

Die Meldung von den fünf Festnahmen ist schon der vierte Fall, in dem das LKA aufgrund von Ermittlungsergebnissen nach der Razzia im Paradise und weiteren Großbrodellen tätig wird. In diesem Jahr wurde im März und im September je ein Tatverdächtiger festgenommen. Im Oktober 2015 waren es vier Festnahmen.

Von nun festgenommen Personen wurde gegen vier ein Haftbefehl erlassen. Gegen sie wird wegen Menschenhandels zur sexuellen Ausbeutung, Zuhälterei und Vergewaltigung ermittelt.