Reaktor Neckarwestheim „Erhöhte Radioaktivität harmlos“

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Ein Anstieg der radioaktiven Emissionen in Neckarwestheim hat Atomkraftgegner alarmiert. Doch das Umweltministerium nennt die Werte unbedenklich. Die EnBW habe den Austausch eines defekten Brennelements im Vorfeld angekündigt.

Ein defektes Brennelement sorgt für Aufregung um das Kernkraftwerk Neckarwestheim. Foto: dpa
Ein defektes Brennelement sorgt für Aufregung um das Kernkraftwerk Neckarwestheim. Foto: dpa

Stuttgart - Das Umweltministerium wehrt sich gegen den Vorwurf, erhöhte radioaktive Emissionen aus dem Kernkraftwerk Neckarwestheim vertuscht zu haben. Dies sei „nun wirklich unzutreffend“, sagte ein Sprecher von Minister Franz Untersteller (Grüne) der StZ. Die Ursache der unbedenklich erhöhten Werte, der Austausch eines defekten Brennelements, sei von der EnBW als Betreiber „im Vorfeld kommuniziert“ worden, die Messdaten würden im Internet veröffentlicht.

Regionale Anti-Atom-Aktivisten hatten Anfang November Alarm geschlagen: Die aus Block zwei in Neckarwestheim entweichende Radioaktivität sei in den vorhergehenden Tagen massiv angestiegen, zeitweise bis auf das 23-fache des Üblichen. Erst dann hätten sich die Werte wieder auf den normalen Stand eingependelt. Außer einer Pressemitteilung des Betreibers habe es dazu weder von der EnBW noch von der Atomaufsicht „weitere Informationen oder Warnungen“ gegeben, kritisierte das Aktionsbündnis Energiewende Heilbronn.

Atomkraftgegner rügen hohe Grenzwerte

Die Radioaktivität war offenbar freigeworden, als der Druckbehälter zur Kontrolle der Brennelemente geöffnet wurde. Nach Angaben des Umweltministeriums waren die erhöhten Werte jedoch völlig unbedenklich: Sie hätten weniger als 0,1 Prozent der für den Betrieb genehmigten Tageswerte betragen, betonte der Sprecher. Die Atomkraftgegner argumentieren hingegen, die gesetzlichen Grenzwerte seien viel zu hoch. Sie dienten dem Schutz der Meiler und nicht dem Gesundheitsschutz der Anwohner, deren Krebsrisiko durch die Radioaktivität erhöht sei. Zugleich forderten sie Auskunft über die Ursache der Probleme mit den Brennelementen.

Die EnBW hatte die Untersuchung kurz nach einer Revision per Pressemitteilung angekündigt. Man nehme Block zwei vom Netz, „um die eingesetzten Brennelemente zu überprüfen und gegebenenfalls einen Austausch vorzunehmen“. Nach Abschluss der Maßnahme sei ohnehin eine weitere Presseerklärung geplant gewesen, sagte der Sprecher des Umweltministeriums. Selbstkritisch fügte er hinzu: „So, wie sich die Diskussion entwickelt hat, wäre es aber sicher nicht schlecht gewesen, zeitnäher nach dem Austausch des defekten Brennelements eine zweite erklärende Pressemitteilung zu veröffentlichen.“