Reaktorsicherheit in Deutschland Die Roboter stehen rund um die Uhr bereit

Von Hans-Arthur Marsiske 

Bei einem GAU kann der Kerntechnische Hilfsdienst in Karlsruhe ferngesteuerte Geräte losschicken. Der Betriebsleiter erläutert das Konzept.

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Karlsruhe/Stuttgart - Im Unterschied zu Japan verfügen Frankreich und Deutschland über Roboter und ferngesteuerte Fahrzeuge, die bei nuklearen Unfällen eingesetzt werden können. In Deutschland werden sie vom Kerntechnischen Hilfsdienst (KHG) in Eggenstein-Leopoldshafen bei Karlsruhe betrieben, einer Einrichtung, die 1977 von den Betreibern deutscher Kernkraftwerke, den Großforschungszentren und weiteren Unternehmen gegründet wurde, um bei einem Störfall rasch eingreifen zu können. Wie eine Katastrophe vom Kaliber Fukushima in Deutschland ausgehen würde, lässt sich nur schwer sagen. Im Gespräch erläutert Michael Gustmann, Betriebsleiter bei der KHG, die Notfallpläne.

Herr Gustmann, sind Sie nach dem Unfall in Fukushima aus Japan um Hilfe gebeten worden oder haben Sie Hilfe angeboten?

Die Kontakte sind gleich am Tag nach dem Erdbeben durch das Bundesumweltministerium, die japanische Botschaft in Berlin und das Auswärtige Amt geknüpft worden. Daneben gibt es persönliche Kontakte nach Japan, und der dortige Kontaktmann der KHG ist mit dem Kraftwerksbetreiber Tepco in Verbindung getreten.

Was können Sie an Hilfe anbieten?

Wir könnten aus unserem relativ umfangreichen Park der Manipulatorfahrzeuge einzelne Systeme zur Verfügung stellen. Der Fahrzeugpark der KHG ist ja relativ breit aufgestellt, und die Geräte überschneiden sich in ihren Fähigkeiten, so dass wir einzelne Maschinen vorübergehend durchaus entbehren können, ohne unsere Einsatzfähigkeit zu gefährden.

Wie schützen Sie Ihre Geräte vor der Strahlung? Ein dicker Bleimantel ist doch sicherlich zu schwer.

Wir haben zwei Konzepte. Fahrzeuge, die innerhalb von Gebäuden eingesetzt werden und in der Lage sein müssen, Treppen zu bewältigen, werden weitestgehend mit strahlenresistenter Elektronik ausgestattet, die für Anwendungen im Weltraum oder beim Militär entwickelt wurde. Bei den größeren Fahrzeugen für den Außenbereich verwenden wir handelsübliche Elektronik, stecken sie aber in ein Bleigefäß von der Größe eines Kühlschranks mit fünf Zentimeter dicken Wänden. Bei dem Raupenbagger bildet dieser Bleischrank das ohnehin erforderliche Gegengewicht, das sonst üblicherweise aus Beton besteht und sich im Heckmodul eines Baggers befindet.

Die Sensoren können Sie aber nicht komplett abschirmen.

Wir haben auf sehr vielen Fahrzeugen noch althergebrachte Röhrenkameras. Die bringen eine Strahlenbeständigkeit bis 100 Sievert pro Stunde mit, sind aber sehr voluminös und liefern nur Schwarzweißbilder. Einige neuere Fahrzeuge haben wir mit CCD-Kameras ausgestattet, die jedoch durch ein Gehäuse aus einer Wolfram-Blei-Legierung geschützt werden müssen und vor dem Objektiv eine Bleiglasvorlage haben.

Wie lange braucht ein Operator, um Ihre Roboter bedienen zu können?

Das hängt von der technischen Komplexität des Einzelsystems ab. Die Bedienung ist innerhalb weniger Tage oder maximal weniger Wochen erlernbar. Die Bedienungselemente des Raupenbaggers etwa sind identisch mit denen von jedem in der Bauindustrie verfügbarem Bagger. Als zusätzlichen Bedieneraufwand muss man nur den Umgang mit den Videobildern und den Betrieb der Fernsteuerstrecke schulen. Neben der eigentlichen Bedienung sehe ich als größere Schwierigkeit die Beherrschung von einem Mindestmaß an Troubleshooting. Man muss in der Lage sein, auftretende Probleme rasch zu lösen. Da kommt es sehr auf die Vorkenntnisse an, die die Schüler mitbringen.