Reaktorsicherheit in Deutschland Die Roboter stehen rund um die Uhr bereit
Hans-Arthur Marsiske, 07.04.2011 13:32 Uhr
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 Foto: KHG
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Karlsruhe/Stuttgart - Im Unterschied zu Japan verfügen Frankreich und Deutschland über Roboter und ferngesteuerte Fahrzeuge, die bei nuklearen Unfällen eingesetzt werden können. In Deutschland werden sie vom Kerntechnischen Hilfsdienst (KHG) in Eggenstein-Leopoldshafen bei Karlsruhe betrieben, einer Einrichtung, die 1977 von den Betreibern deutscher Kernkraftwerke, den Großforschungszentren und weiteren Unternehmen gegründet wurde, um bei einem Störfall rasch eingreifen zu können. Wie eine Katastrophe vom Kaliber Fukushima in Deutschland ausgehen würde, lässt sich nur schwer sagen. Im Gespräch erläutert Michael Gustmann, Betriebsleiter bei der KHG, die Notfallpläne.

Herr Gustmann, sind Sie nach dem Unfall in Fukushima aus Japan um Hilfe gebeten worden oder haben Sie Hilfe angeboten?

Die Kontakte sind gleich am Tag nach dem Erdbeben durch das Bundesumweltministerium, die japanische Botschaft in Berlin und das Auswärtige Amt geknüpft worden. Daneben gibt es persönliche Kontakte nach Japan, und der dortige Kontaktmann der KHG ist mit dem Kraftwerksbetreiber Tepco in Verbindung getreten.

Was können Sie an Hilfe anbieten?

Wir könnten aus unserem relativ umfangreichen Park der Manipulatorfahrzeuge einzelne Systeme zur Verfügung stellen. Der Fahrzeugpark der KHG ist ja relativ breit aufgestellt, und die Geräte überschneiden sich in ihren Fähigkeiten, so dass wir einzelne Maschinen vorübergehend durchaus entbehren können, ohne unsere Einsatzfähigkeit zu gefährden.

Wie schützen Sie Ihre Geräte vor der Strahlung? Ein dicker Bleimantel ist doch sicherlich zu schwer.

Wir haben zwei Konzepte. Fahrzeuge, die innerhalb von Gebäuden eingesetzt werden und in der Lage sein müssen, Treppen zu bewältigen, werden weitestgehend mit strahlenresistenter Elektronik ausgestattet, die für Anwendungen im Weltraum oder beim Militär entwickelt wurde. Bei den größeren Fahrzeugen für den Außenbereich verwenden wir handelsübliche Elektronik, stecken sie aber in ein Bleigefäß von der Größe eines Kühlschranks mit fünf Zentimeter dicken Wänden. Bei dem Raupenbagger bildet dieser Bleischrank das ohnehin erforderliche Gegengewicht, das sonst üblicherweise aus Beton besteht und sich im Heckmodul eines Baggers befindet.

Die Sensoren können Sie aber nicht komplett abschirmen.

Wir haben auf sehr vielen Fahrzeugen noch althergebrachte Röhrenkameras. Die bringen eine Strahlenbeständigkeit bis 100 Sievert pro Stunde mit, sind aber sehr voluminös und liefern nur Schwarzweißbilder. Einige neuere Fahrzeuge haben wir mit CCD-Kameras ausgestattet, die jedoch durch ein Gehäuse aus einer Wolfram-Blei-Legierung geschützt werden müssen und vor dem Objektiv eine Bleiglasvorlage haben.

Wie lange braucht ein Operator, um Ihre Roboter bedienen zu können?

Das hängt von der technischen Komplexität des Einzelsystems ab. Die Bedienung ist innerhalb weniger Tage oder maximal weniger Wochen erlernbar. Die Bedienungselemente des Raupenbaggers etwa sind identisch mit denen von jedem in der Bauindustrie verfügbarem Bagger. Als zusätzlichen Bedieneraufwand muss man nur den Umgang mit den Videobildern und den Betrieb der Fernsteuerstrecke schulen. Neben der eigentlichen Bedienung sehe ich als größere Schwierigkeit die Beherrschung von einem Mindestmaß an Troubleshooting. Man muss in der Lage sein, auftretende Probleme rasch zu lösen. Da kommt es sehr auf die Vorkenntnisse an, die die Schüler mitbringen.

Kommentare (6)
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APR
09
A. Einstein , 19:29 Uhr

Bitte keine Sicherheit vorgaukeln - die Atomkraftwerke bleiben ein Höchstrisiko!

Brunsbüttel - Das Kraftwerk hat wegen Störfällen die längsten Stillstandzeiten von allen Kraftwerken in Deutschland. 1978 entwich radioaktiver Dampf in die Atmosphäre. 2001 zerstörte eine Knallgas-Explosion ein Rohr in der Nähe des Reaktordruckbehälters. Ein Sicherheitsventil verhindert einen schweren Zwischenfall. -------------------------------------------------------------- Das AKW Krümmel, fünfzig Kilometer von Hamburg entfernt, hat eine lange Historie schwerer Störungen. 1987 werden nach Knallgasexplosionen Beschädigungen an wichtigen Sicherheitsventilen festgestellt. 1989 beginnt die Diskussion um Häufung von Leukämieerkrankungen in der Umgebung des Kraftwerks. 1993 wird Krümmel für mehr als ein Jahr abgeschaltet, nachdem Risse in sicherheitsrelevanten Anlageteilen entdeckt wurden. 2007 brennt eine Trafostation. Pro Jahr werden mehr als elf Störfälle gemeldet. ----------------------------------------------------------- Das niedersächsische Atomkraftwerk Unterweser, Baujahr 1978, sollte 2012 vom Netz gehen. Nun bleibt es bis 2020 aktiv. Ein schwerer Störfall ereignete sich 1998, als der Reaktor nach einer Reparatur mit gesperrten Sicherheitsventilen an einer Hauptdampfleitung in Betrieb ging. Pro Jahr werden 10,5 Störfälle gemeldet. -------------------------------------------------------------- AKW Grohnde - Nur ein Jahr nach seiner Inbetriebnahme stellte sich 1985 bei einer Revision heraus, dass das Notkühlsystem des AKWs Grohnde nicht einsatzfähig war, weil eine der vier Pumpen Gas statt Wasser enthielt. --------------------------- ------------------------------------------------------------- Biblis B der zweite hessische Meiler, seit 1976 in Betrieb, sollte 2010 vom Netz gehen. 1995 trat radioaktiver Wasserdampf durch einen Riss aus; 1997 fielen zwei der vier Nebenkühlwasserpumpen aus. -------------------------------------------------------------- 1981 kam es in Philippsburg I zu einem mehr als einjährigen Stillstand wegen des Austauschs mangelhafter Rohrleitungen. 2002 und 2004 wurde radioaktiv verseuchtes Wasser freigesetzt. -------------------------------------------------------------- Auslaufmodell Neckarwestheim I sollte schon 2009 vom Netz gehen. Mit dem Mittel der Reststromübertragung konnte Neckarwestheim I noch bis zum Herbst 2010 weiterbetrieben werden. Lt. Merkel sollte das AKW bis 2018 weiter laufen - trotz Erdbebengefahr und mehr als elf Störfällen pro Jahr. Jetzt hat das Moratorium den Spuk beendet. ----------------------------------------------------------- Die Stilllegung von Isar I war für 2011, nun für 2019 geplant: Zehn Kilometer von Landshut und siebzig von München entfernt liegt das Kraftwerk Isar I und II. Während Isar II störungsfrei blieb, ist Isar I ein Sorgenkind: 1981 wurde der Meiler ein Jahr wegen Austauschs mangelhafter Rohrleitungen stillgelegt; 1988 beschädigten Knallgasexplosionen wichtige Ventile; 1991 erfolgt die Schnellabschaltung nach dem Ausfall von vier Umwälzpumpen. ---------------------------------------------------------- Erhöhtes Krebsrisiko bei den Atomkraftwerken Gundremmingen B und C. In einem Umkreis von 15 Kilometern um das Kraftwerk lässt sich ein erhöhtes Aufkommen von Krebserkrankungen bei Kindern feststellen. Da soll noch eine/r behaupten, bei uns gäbe es keine Störungen oder bei uns wäre die Gefahr geringer als in Japan. Die Roboter können - wie wir alle wissen - nur begrenzt eingesetzt werden. Also bitte, anzeigengeile Medien, keine Sicherheit vorgaukeln oder das "Rest"-Risiko kleinreden. Millionen von Menschen sind gefährdet, doch das wird von der Atom-Industrie penetrant verleugnet. Ich sage nur: Abschalten!

APR
08
Dieter, 07:43 Uhr

Da reicht ja schon die Überschrift

Die Roboter stehen bereit. Menschenverachtender geht es ja nich mehr. Hauptsache die Roboter stehen bereit, na hoffentlich sind dann auch noch welche da denen das was bringt. Den Leuten die überlebt haben bringt es nicht viel denn die haben kein Land mehr auf dem sie leben können. Wie schwachsinnig ist diese Atomgesellschaft ?

APR
07
Mensch oder, 16:37 Uhr

Maschine

http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/45_min/hintergrund/atomluege102.html So sieht gute Recherche von Journalisten aus. Wer nach Fukushima noch von der beherrschbaren Technik spricht, hat doch einen an der Waffel. Wie sollen denn solche Roboter zum Beispiel in Bereichen arbeiten, die voll Wasser stehen oder durch Trümmer gar nicht zugänglich sind. In Fukushima könnten diese Roboter vielleicht grade mal die radioaktiven Werte messen. Im Ernstfall wird der Gau von Menschen bekämpft und das sind dann sicher nicht die Vorstandsvorsitzenden der Energiekonzerne.

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