Rechte Tagung in Ludwigsburg Gruppierung will über „Asylanten als Invasoren“ sprechen

Die Gruppierung Primus inter Pares wirbt für eine Veranstaltung im Hotel Krauthof in Ludwigsburg, bei der unter anderem über „Asylanten als Invasoren“ gesprochen werden soll. Das Hotel sieht keinen Anlass, sich zu distanzieren.

Krude Themen: im Krauthof soll unter anderem über die angeblich geplante Vernichtung der Christen und der „weißen Rasse“ gesprochen werden. Foto: factum/Granville
Krude Themen: im Krauthof soll unter anderem über die angeblich geplante Vernichtung der Christen und der „weißen Rasse“ gesprochen werden.Foto: factum/Granville

Ludwigsburg - Vor dem Hintergrund des anhaltenden Zuzugs von Flüchtlingen wird die öffentliche Debatte in Deutschland zunehmend rauer geführt – und auch auf lokaler Ebene versuchen dubiose Gruppen nun offensichtlich, das Thema aufzugreifen und Stimmung gegen Asylbewerber zu machen. Im Internet ist jetzt ein Flyer aufgetaucht, mit dem für eine höchst mysteriöse Veranstaltung im Hotel Krauthof in Ludwigsburg geworben wird. Die dahinter stehende Gruppe nennt sich Primus inter Pares und kündigt für kommende Woche einen Vortrag mit „Politischen Hintergrundinformationen“ an. Der Referent ist ein Mann mit dem Namen Gerhard E. Föll. Sprechen soll er, heißt es in dem Papier, unter anderem über die „geplante Umvolkung der BRD“, die „strategisch manipulierte Migration als Kriegswaffe“ und „Asylanten als Invasoren“, auch von der „geplanten Vernichtung der Christen und weißen Rasse“ ist die Rede.

Föll, der offenbar in Ludwigsburg lebt, war am Freitag nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Bei der Staatsschutzabteilung der Polizei ist die Gruppierung Primus inter Pares durchaus bekannt – allerdings nicht als Ludwigsburger Organisation. „Deren Ideen gehen in Richtung Reichsbürgerschaft“, sagt der Polizeisprecher Peter Widenhorn. Staatsschutzrechtlich sei die Gruppe noch nicht in Erscheinung getreten. Immer wieder legten Anhänger aus diesem Spektrum eigene Ausweise vor, weil sie die Bundesrepublik Deutschland samt ihren Behörden nicht anerkennen. Beim Staatsschutz schätze man sie als Menschen mit einer „deutlich verwirrten Auffassung ein, die den deutschen Rechtsstaat in Frage stellen“, sagt Widenhorn.

Das Hotel distanziert sich nicht von der Gruppierung

Die in der Veranstaltungsankündigung benutzte Wortwahl legt indes darüber hinaus eine offen ausländerfeindliche Tendenz nahe – was jedoch nicht dazu führt, dass der Krauthof der Vereinigung den gebuchten Raum kündigt. Denn Peter Kraut, dem Inhaber des Hotels, ist es offensichtlich egal, welcher politischen Couleur seine Gäste sind. „Ich behandle jeden Gast gleich“, sagt er. Er habe nicht gewusst, dass Primus inter Pares bei ihm einen Raum gebucht habe. Auch dass diese Gruppe offenbar rechtes Gedankengut teile, sei ihm unbekannt gewesen. Aber auch wenn er darüber informiert gewesen wäre, hätte er den Raum vermietet.

Primus inter Pares will vor Ort Vereine gründen

„Mensch ist Mensch“, sagt Kraut. Er könne nicht darauf achten, wer zu ihm komme, sondern müsse alle annehmen – das sei schließlich seine Existenz. „Bei mir bekommt jeder einen Raum, ein Getränk und ein Essen, der sich anständig benimmt.“ Was hinter verschlossenen Türen dann besprochen werde, „hat einen Gastronomie-Freak wie mich nicht zu interessieren“. Im Übrigen sei er gerade deswegen so beliebt: „Die Leute lieben mich, weil ich offen und ehrlich bin und jeden respektiere.“

Beworben wird die Vortragsveranstaltung in Ludwigsburg unter anderem auf einer Internetseite, die ebenfalls von Anhängern der Reichsbürgerbewegung betrieben wird. Dort heißt es, dass nach Fölls Vortrag im Krauthof noch über die „Lage der Nation“, die Gründung von Vereinen und die Vernetzung der Bewegung gesprochen werden soll.

Wobei der groß angekündigte Gastredner politisch offenbar ziemlich flexibel ist. Oliver Kube, der sich unter anderem als Stadtrat der Linken in Ludwigsburg gegen Rechtsextremismus engagiert, berichtet auf Nachfrage, dass Föll vor einigen Monaten auf Parteimitglieder zugegangen sei und angeboten habe, vor Mitgliedern der Linkspartei einen Vortrag zum Thema Klimaschutz zu halten. „Wir haben das abgelehnt, denn uns war der Mann sofort suspekt“, sagt Kube. Damals habe Föll vor allem wilde Verschwörungstheorien verbreitet. Angesprochen auf die Veranstaltung im Krauthof und den Text des Flyers sagt Kube: „Das ist nicht mehr nur eine Spinnerei, sondern eine gefährliche Spinnerei.“

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15 KommentareKommentar schreiben

"Massenmigrationswaffe": Es gibt tatsächlich ein Fachbuch zum Thema "Massenmigrationswaffen" mit dem Titel "Weapons of mass migration" von der amerikanischen Politikwissenschaftlerin Kelly. M. Greenhill. Ich habe das Buch nicht gelesen, aber die FAZ hatte vor ca. 5 Jahren einen Artikel darüber: http://www.faz.net/aktuell/politik/politische-buecher/migration-erpressung-die-neue-superwaffe-1609116.html. Mit zwei bis drei Mausklicks kann man das herausfinden. Zitat: "Trotz oder gerade wegen des martialisch klingenden Titels ist klar, dass es Greenhill um jene Migranten geht, die zu Objekten beziehungsweise Opfern eines zynischen politischen Pokers werden. Dabei konzentriert sie sich auf jene Fälle „migrationsgestützter Nötigung“, die sie zwischen der Unterzeichnung der sogenannten Genfer Flüchtlingskommission im Sommer 1951 und dem Abschluss ihrer Forschungen im Jahr 2006 verifiziert hat." Man stellt sich natürlich in der aktuellen Situation langsam schon die Frage, ob das, was sich gegenwärtig in Europa abspielt diesem Szenario entspricht.

Krauthof Ludwigsburg: "Er könne nicht darauf achten, wer zu ihm komme, sondern müsse alle annehmen – das sei schließlich seine Existenz." Dass Herr Kraut nicht darauf achten kann, wer zu ihm kommt ist klar. Aber jetzt weiß er wer kommt. Was tut er nun? Ich bin für Meinungsfreiheit, aber jeder Toleranz hat Grenzen. Ich toleriere keine islamistische Rede und keine rechtsradikale Rede. Herr Kraut scheint also die rechtsradikale Rede zu tolerieren, um seine eigene Existenz zu sichern. Ich nehme an, dass er auch eine islamistische Rede tolerieren würde. Ich gehe als also nie wieder in den Krauthof. Ganz einfach

Meinungsfreiheit: Immer werde ich es wiederholen, die Linkspartei hat recht wenn sie ihre Redner aussucht. Ein Hotelbetrieb ist nicht berechtigt oder Verpflichtet die Diskussionen in seinem Haus zu zensieren, ja nicht ein mal zu kommentieren. Unter anderen Umständen wehren wir uns wenn er bestimmten potentiellen Gästen den Zutritt verwehren würde. Als freie Gesellschaft müssen wir Pegida, ProNRW u.ä. genau so respektieren wie wir jeden Anderen Andersdenkenden respektieren. Das ich eine andere Meinung habe als diese Gruppen spielt dabei keine Rolle. Intelligente Menschen wissen wer die sind, die Andere als Gutmenschen betiteln. Ja jeder darf seine Meinung sagen. Zum Beispiel diese. Ein viel größerer Teil der Flüchtenden sind friedliche rechtschaffende Menschen. Viel mehr Menschen in Deutschland haben kein Problem mit anderen Kulturen in direkter Nachbarschaft. Nur mögen viele kein Geschrei darum machen. Das unterscheidet sie. Die die kein Geschrei machen, bitte ich, geht wählen. Ich wäre froh wenn es eine Mehrheit für die Freiheit gibt.

Was für eine Vorverurteilung ist das schon wieder?: Es ist zum heulen! Also Menschen, die sich berechtigt Sorgen machen und nicht mit der Hammelherde mitmarschieren sind also am verwirrt und geföhrlich einzustufen? Interessant! Möge die naive Hammelherde nun in eine Problem Zeit treten, die wir in solchen Ausmaßen zuvor noch nie gekannt haben und mögen die, die alles zu locker angehen und verteidigen ihren Kopf hinhalten und Verantwortung tragen. Junge, Junge, nur weiter so mit der unverschämten Vorverurteilung und der Spaltung unseres Landes. Dafür sind wir Schwaben ja Gott sei Dank bekannt über alle Grenzen hinaus! Tiefen Sinn erkennen wollen und suverän handeln (betrifft nur die Vorverurteilung!) ist ja nicht wirklich unser Ding. GELLE? Gruß vom Motzkigele

Menschen, die sich berechtigt Sorgen machen: Das finde ich vollkommen in Ordnung, Leute, die den Fortbestand des Deutschen Reichs behaupten, aber nicht. Das haben Sie vielleicht überlesen, weil in die Ecke gehören Sie bestimmt nicht.

Und wenn sie das tun: Ist das trotzdem zu respektieren.

Respekt vor den Nazis?: Niemals!

Verehrte Frau Gall: Das ,, Deutsches Reich,,der Terminus Deutsches Reich wurde von den Nazis ,, entlehnt,, nicht geschaffen. So viel zur geschichtlichen Wahrheit verehrte Frau Gall. Nicht alles was einen nationalen Anstrich hat, ist mit der nationalsozialistischen Vergangenheit , dem ,, tausendjährigen Reich ,, gleich zu setzen oder in Befindlichkeit zu bringen. Schönen Sonntag noch gez. Maier , Rolf-Joseph https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsches_Reich

Liebe Frau Gall: Ihre Antwort zeigt mir ihre Toleranz. Ein klitzekleine Frage sei gestattet. Was ist ein NAZI? Welche !genauen! Eigenschaften muss der haben um einer zu sei? Noch wichtiger, wer legt diese Eigenschaften fest? Sind die wissenschaftlich irgendwie begründbar? Wenn nicht mache ich mir schon Gedanken ob hier nicht der "Teufel mit dem Beelzebub" ausgetrieben werden soll.

Deutsches Reich: ... ich vermute, dass Sie sich nicht mit diesem Begriff beschäftigt haben. Das sogenannte Bundesverfassungericht ist wohl auch von Reichsbürgern besetzt. Wie sonst ist es zu erklären, dass dieses Gericht davon ausgeht, dass das Deutsche Reich nie untergegangen ist. Es wird daran festgehalten (vgl zB BVerfG, 1956-08-17, 1 BvB 2/51, BVerfGE 5, 85 ), daß das Deutsche Reich den Zusammenbruch 1945 überdauert hat und weder mit der Kapitulation noch durch die Ausübung fremder Staatsgewalt in Deutschland durch die Alliierten noch später untergegangen ist; es besitzt nach wie vor Rechtsfähigkeit, ist allerdings als Gesamtstaat mangels Organisation nicht handlungsfähig. Es lohnt sich zu informieren, zumal die Medien hier eher zur Verwirrung beitragen. Übrigesn könnte es sich lohnen zu überlegen, was "rechts" als Verunglimpfung andersdenkender aussagt...

@Kern: Spätestens seit dem 2plus4-Vertrag ist die vom BVerfG aufgestellte These vom Fortbestand des DR überholt. Die heutige Bundesrepublik ist der deutsche Gesamtstaat, der an die Stelle des DR getreten ist. Die Umstände, auf die das BVerfG auch noch in seiner Entscheidung zum Grundlagenvertrag seine Auffassung vom fortbestehenden, aber mangels gesamtstaatlicher Organisation handlungsunfähigen Reich gestützt hat, sind seit 1990 weggefallen. Sie sollten Ihre Kenntnisse a jour bringen.

Es herrscht wieder Meinungsfreiheit: Frau Braun, Herr Höhn, seit Köln herrscht wieder Meinungsfreiheit - der Bildzeitung sei Dank, die den Versuch, auch das zu vertuschen, nicht mitmachte. Wie kommen Sie - ausgerechnet als Journalisten - dazu, dem Wirt vorzuhalten, dass er vor der Annahme einer Buchung keine inhaltliche Zensur vornimmt? Denken sie an den großen Aufklärer Voltaire, der zwar einem Andersdenkenden heftig widersprach, ihm zugleich aber versicherte, er würde sein Leben dafür einsetzen, dass auch diese Meinung geäußert werden dürfe. Im Übrigen ist die Angst weit verbreitet, dass aus den Millionen fremdländischer Flüchtlinge eines Tages Eroberer werden. Die Sylvesternacht hat gezeigt, dass diese Angst leider nicht völlig unbegründet ist. Johannes Lambert

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