KommentarRegion Stuttgart Die Windkraft als Ladenhüter?

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Die neu ausgewiesenen Standorte in der Region Stuttgart sind zumindest bisher nicht allzu begehrt. Und einen Verlierer gibt es bereits, meint StZ-Redakteur Thomas Faltin: den Wald.

In Lauterstein liegen viele Turmteile bereit zum Aufbau der Windräder. Foto: Horst Rudel
In Lauterstein liegen viele Turmteile bereit zum Aufbau der Windräder.Foto: Horst Rudel

Stuttgart - Für eine abschließende Bilanz ist es noch viel zu früh. Aber eine Tendenz lässt sich ein halbes Jahr nach der Ausweisung von 41 Windkraftstandorten in der Region Stuttgart schon erkennen: Viele Flächen sind nicht so attraktiv, dass sie weggehen würden wie warme Semmeln. Das liegt vor allem an der wackligen Wirtschaftlichkeit – viele Stadtwerke lassen vorerst die Finger von der regionalen Windkraft, obwohl sie vor Lokalpatriotismus glühen. Oftmals ist der Wind einfach doch zu schwach, es drohen weitere EEG-Kürzungen, und auch die Pachtansprüche der Eigentümer steigen beträchtlich.

Diese Beobachtung lässt vorerst zwei Schlussfolgerungen zu. Erstens muss man zumindest in den nächsten Jahren keine Verspargelung der Region befürchten, was manche Gegner ja prophezeit haben. Wobei es aufgrund der geringen Zahl bisheriger Windkraftstandorte doch zu einer Verdoppelung kommt, von derzeit knapp 30 Windrädern auf bald wohl etwa 60. Was die weitere Zukunft bringt, ist völlig unklar – durch sinkende EEG-Einnahmen könnten die Fläche noch stärker zum Ladenhüter werden, aber durch eine verbesserte Technologie könnten auch windschwächere Standorte interessant werden.

In Lauterstein sind sieben Hektar Wald abgeholzt worden

Zweitens rächt sich aus Sicht der Windkraftbefürworter nun, dass der Regionalverband viele kleine Standorte gestrichen hat, obwohl dort Bürgerenergiegenossenschaften in den Startlöchern standen, wie in Bönnigheim oder Großbottwar. Diese Bürger hätten die Energiewende vorangetrieben, ohne nur auf den Profit zu achten.

Daneben ist jetzt schon deutlich zu erkennen, dass es einen großen Verlierer bei der Windkraft in der Region Stuttgart gibt: das ist der Wald. Fast alle neuen Standorte liegen im Wald. Es müssen dort also Bäume abgeholzt werden, wodurch wiederum die Artenvielfalt beeinträchtigt und die Freizeitqualität gemindert wird. Das war in dieser Dimension in den vierjährigen Debatten um neue Windkraftstandorte in der Region nicht abzusehen gewesen.

Nun sollte man der grün-roten Landesregierung, die die Windkraft stark fördert, sicher nicht vorwerfen, sie hätte diese Entwicklung in den Wäldern absichtlich herbeigeführt. Aber es ist nun doch so gekommen, dass der wichtigste Eigentümer des Waldes, nämlich der landeseigene Betrieb ForstBW, über die Pachterlöse deutlich davon profitiert. Vielleicht hat das ein G’schmäckle. Viel ärgerlicher aber ist, dass bei der Auswahl der Standorte scheinbar niemand darauf geachtet hat, dass nicht allein der Wald so stark belastet wird. Der Ausbau der Windkraft in der Region könnte dadurch in eine gewaltige Schieflage geraten, auch was die Akzeptanz anbetrifft.

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Windkraft als Ladenhüter: Man mag nicht glauben, dass der für die "regionale Energiewende" zuständige Redakteur nicht besser informiert ist, als sein Kommentar nahelegt. Die sogenannte Energiewende, die in Wirklichkeit zunehmend eine ans absurde grenzende "Stromwende" ist, in der Windkraft selbst an unrentablen windschwachen Standorten hoch subventioniert wird, geht beileibe nicht zufällig auf Kosten der Wälder. Die Beteiligung der Forst BW am großen Subventions-Reibach ist kein Zufall. Und selbstverständlich hat man allen Planungen entnehmen können, dass sie auf Kosten der Wälder gehen, die im Regionalgebiet samt und sonders wichtig sind für die Erholungsvorsorge der Menschen. Gleichzeitig werden im Unterland, erinnert sei an den Klosterwald bei Creglingen und viele andere Waldzerstörungen durch Windkraft, ebenfalls gerade die letzten intakten naturnahen Ausgleichsräume für Mensch und Natur der Windkraft geopfert. Der Verlierer ist nicht nur der "Wald", es ist der Landschaftsschutz insgesamt in einem ohnehin dicht bebauten Land. Verlierer sind am Ende wir alle. Die GRÜN-Roten Landesregierung hat in den letzten fünf Jahren alle in Jahrzehnten mühsam errungenen und wesentlichen Rechtsgrundlagen zum Natur- und Landschaftsschutz zu Gunsten der Windkraftindustrialisierung aufgeweicht oder gar geschleift. Da soll keine Absicht dahinter stecken? Wer's glaubt wird selig, sagen wir Schwaben...Odenwald, Schwäbischer Wald, Schwarzwald, Schurwald und Alb: Überall werden Wälder und Erholungslandschaften für Windkraft zerstört. Die Einweihung des „größten“ Baden-Württembergischen Windindustriegebietes – das Wort „Park“ verbietet sich – in Lauterstein war ein schwarzer Tag für den Landschaftsschutz in Baden-Württemberg. Ihm werden noch viele solche folgen.

Zum Kommentar: ... ist folgendes anzumerken: Eine Windkraftanlage hier und eine Windkraftanlage da, finanziert von vermutlich oft sehr ideologisch geprägten Bürgerenergiegenossenschaften, macht noch keine Energiewende und treibt diese NULL voran. Auf den Profit zu achten ist unnötig, weil es keinen nennenswerten Profit gibt. Langfristig gesehen, dürften es eher Schulden sein. Ja, warum hat man sich den Wald als Verlierer ausgesucht? Weil dieser tatsächlich Profit bringt, nämlich durch die Verpachtung, weit mehr als Ackerland. ForstBW als Hauptwaldbesitzer läßt sich das Geschäft doch nicht entgehen. Das wurde hier nun wenigstens erkannt. Es geht ums Geschäft und nur ums Geschäft. Geld verdienen ist nichts schlechtes, hat aber auch bei der Windkraft eben das angesprochene G`schmäckle und das betrifft nicht nur die Standortfrage.

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